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Broses Business-Jet fliegt davon

Das Unternehmen verlegt seine Cessna Citation II endgültig nach Bamberg. Auf der Brandensteinsebene geht damit die Ära der Businessjets zu Ende.

Von Mathias H. Walther
  • Auf der Brandensteinsebene haben am Montag die Baumaßnahmen für die neuen Sicherheitsstreifen begonnen. Fotos: Mathias H. Walther
  • Christian Vohl, vor dem Brose-Jet vom Typ Cessna Citation II in Bamberg.
  • Xaver Rupp
  • Wilfried Horn
Bild von

Coburg - Etwas Wehmut schwingt schon mit, am Montag, kurz vor 9 Uhr. Christian Vohl, Chefpilot des Brose Flugservice, sitzt im Cockpit der zweistrahligen Cessna Citation und startet die Triebwerke des Businessjets. Und die entwickeln ihre Power erstaunlich leise, setzen den Flieger in Bewegung - auf die Runway in Richtung Veste Coburg zu. Die schlanke Cessna mit der Kennung D-ICMS ist ein Kraftpaket, beschleunigt, hebt die Nase und steigt in den Morgenhimmel.

Ein letztes Mal fliegt sie an der trutzigen Veste vorbei. Ein letztes Mal kreist sie über Coburg, dann nimmt sie Kurs auf Bamberg. Dort, im neu erbauten Brose-Hangar auf dem ehemaligen Militärflughafen Breitenau wird sie künftig dauerhaft ihren Standort haben. Damit ist am Montag endgültig eine mehr als 30-jährige Ära am Verkehrslandeplatz Coburg-Brandensteinsebene zu Ende gegangen. Jets werden hier nicht mehr starten. Was vom Brose Flugservice bleibt, sind die zwei Beechcraft Turboprop-Maschinen.

Während die Cessna Citation, die eine Reisegeschwindigkeit bis zu 770 Stundenkilometer und eine Reisehöhe von bis zu 14 000 Metern erreicht, über das Maintal, vorbei an Vierzehnheiligen, Banz und Staffelberg in Richtung Domstadt schwebt, beginnt auf der Brandensteinsebene der zweite Bauabschnitt, um den Verkehrslandeplatz wieder für den Instrumentenflug tauglich zu machen. Diese angestrebte Ausnahmegenehmigung hatte bereits bis 2010 bestanden. Am Montag wurde damit begonnen, Markierungen am Ende der Start- und Landebahn abzufräsen, um neue, vorgeschriebene Sicherheitsstreifen anzulegen. Der hierbei eingesetzte "Peel Jet", ein Spezialfahrzeug zum Entfernen von Fahrbahnmarkierungen, ist jetzt der einzige Jet, der in Coburg die Runway nutzen darf. Auch nach Abschluss der Umbauarbeiten, dürfen in Coburg nur noch Propellermaschinen bis 5,7 Tonnen starten und landen.. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die ohnehin schon sehr kurze Start- und Landebahn von bisher 890 bzw. 860 Metern (Landing Distance Available) durch die Sicherheitsstreifen auf 690 bzw. 630 Meter reduziert wird. "Zu kurz für Business-Jets", wie Christian Vohl, der seit nunmehr 30 Jahren im Cockpit sitzt, konstatiert. "Aber die Zukunft gehört den sicheren, wirtschaftlichen und leiseren Flugzeugen," sagt er, ohne zu verhehlen, dass er die Brandensteinsebene zwar als einen "für Piloten anspruchsvollen, aber von der Sicht her, wunderschönen" Platz hält.

Was Xaver Rupp, Geschäftsführer des Coburger Verkehrslandeplatzes sicher gerne hört. Trotzdem, der Umbau muss sein. "Durch den Instrumentenflug sind die Verkehrsbewegungen hier wieder planbar, und das ist für uns hier wichtig", sagt er. Dass damit künftig rund 30 Flugzeugtypen in Coburg nicht mehr abheben bzw. landen dürfen, sei sicher schade, die Planbarkeit durch die Möglichkeit des Instrumentenfluges aber für Coburg wichtiger.

Inzwischen ist es 9.15 Uhr. Coburgs einziger Businessjet schwebt am neuen Standort ein. Und Wilfried Horn, Flugleiter in Bamberg, lässt es sich nicht nehmen und begrüßt Christian Vohl über Funk: "Herzlich willkommen in Bamberg".

D-ICMS setzt sanft auf, rollt über die Landebahn der Domstadt auf den neuen Hangar zu. Die Cessna Citation von Brose ist jetzt der einzige Business-Jet in Bamberg.

Die Zukunft gehört den sicheren, wirtschaftlichen und leiseren Flugzeugen.

Christian Vohl, Chefpilot
des Brose Flugservice


Rückzug der US-Army zum 1. Oktober

Von der Entscheidung der US-Army den Standort Bamberg aufzugeben, ist auch das "US-Army Airfield Bamberg" betroffen. Die Freigabe soll zum 1. Oktober 2012 erfolgen. Der Aero-Club Bamberg - seit den 1950er-Jahren "ziviler Mitbenutzer" der Breitenau - strebt an, das 90 Hektar umfassende Fluggelände als weiter zu betreiben. Mit 142 Starts und Landungen war Brose zuletzt einer der Hauptnutzer des Flugfelds. Brose hat ein starkes Interesse, dass die Landebahn dem internationalen Sicherheitsstandard für zweimotorige Maschinen angepasst und von heute 15 auf 25 Meter verbreitert wird. Der Bamberger Stadtrat hat dem Erhalt des Sonderlandeplatzes einstimmig zugestimmt.


    
    

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