» zur Übersicht Coburg
    
    
Artikel
 
    
 
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   


Dem DVV geht die Luft aus

Der Kampf war vergeblich: Wegen einer Forderung des Finanzamtes in Höhe von 118 000 Euro ist der Verein endgültig zahlungsunfähig. 2. Bürgermeister Tessmer bezeichnet das als "herben Schlag für die Sportstadt Coburg".

Von Volker Friedrich und Wolfgang Braunschmidt
  • DVV Coburg Nichts geht mehr: den Bezirksoberligisten drückt ein Berg von Schulden. Nachdem das Finanzamt über 100 000 Euro sehen will, bleibt nur noch der schwere Gang in die Insolvenz.
    Henning Rosenbusch
Bild von

Coburg - "Wir mussten die Reißleine ziehen" : Günther Wolf, 1. Vorsitzender des DVV Coburg nimmt kein Blatt vor den Mund. 118 000 Euro habe das Finanzamt Coburg in der vergangenen Woche nachgefordert, 15 000 Euro seien im Zuge der letztjährigen Rückerstattung bereits einbehalten worden. Auf Grund dessen und der gesetzlichen Fristen sei der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens unausweichlich gewesen. "Wir haben natürlich alles versucht. Aber das Finanzamt war rigoros. Da war nicht der geringste Kompromiss mehr möglich."

Für Insider ist die Insolvenz logische Konsequenz Jahrzehnte langer Misswirtschaft zweier Traditionsvereine. Die Steuerschuld des DVV bezieht sich auf die Jahre 2001 bis 2008. Im Jahr 2000 hatte sich der von Glücksrittern und Geschäftemachern herunter gewirtschaftete VfB Coburg der DJK Viktoria Coburg angeschlossen. Die beiden Traditionsverein unter einem Dach: Es entstand eine paradoxe Aufbruchseuphorie. "Als würde Minus mal Minus nicht nur in Mathe Plus ergeben", so Wolf.

Nach Informationen der Neuen Presse hat der DVV jahrelang an seine Spieler Aufwandsentschädigungen gezahlt, ohne diese ordnungsgemäß zu versteuern. Dem Vernehmen nach ging es um die Erstattung von Spritkosten, für die Pauschalbeträge gezahlt wurden. Das Finanzamt soll diese als geldwerte Vorteile betrachtet und zur Steuerminderung nicht anerkannt haben.

Wie es nun weiter geht, weiß Wolf nicht. "Wir werden jetzt für Sünden ans Kreuz genagelt, die andere zu verantworten haben." Sicher ist, dass die Stadt Coburg dem DVV weder mit einer Bürgschaft geschweige denn mit einem Darlehen - wie beispielsweise dem TSV Scheuerfeld - beistehen wird. Dazu ist es viel zu spät. "Und ein solches Anliegen wäre moralisch auch nicht vertretbar", so Wolf. Denn die Stadt Coburg hat einen nicht genehmigten Haushalt und könnte eine Unterstützung ausgerechnet des DVV öffentlich kaum vermitteln.

Ungeachtet dessen bezeichnet 2. Bürgermeister Norbert Tessmer, SPD, die Insolvenz des DVV als herben Schlag für die Sportstadt Coburg. Zu Hintergründen wollte sich Tessmer, der selbst von 2003 bis 2004 Präsident des DVV war, nicht äußern. Dazu habe er zu wenig Einblick. Als ehemaliger überzeugter VfB-ler könne er nur sagen, "es ist schade, dass der DVV diesen Weg gehen muss". Aber offensichtlich habe es für die Vereinsführung keine andere Möglichkeit mehr gegeben. Allerdings berge die Insolvenz auch die Chance für einen Neuaufbau. Tessmer: "Ich kann nur hoffen, dass es vielleicht unter neuer Flagge mit dem Verein weiter geht".

Der 2. Bürgermeister sagt dies vor allem mit Blick auf die Jugendarbeit und das jetzt bedrohte Leistungszentrum des deutschen Fußballbundes (DFB) für den Nachwuchs. Das, was der DVV hier leiste, sei vorbildlich. "Wenn das den Bach hinuntergeht, dann wäre das furchtbar für Coburg", sagt Tessmer.

Das Amt des Präsidenten habe er 2004 abgegeben, weil wichtige Entscheidungen innerhalb des Vereins an der Vorstandschaft vorbei getroffen worden seien. In diesem Zusammenhang verweist Tessmer beispielsweise auf die Verpflichtung eines neuen Trainers für die 1. Fußballmannschaft. "Ich wusste als Präsident nichts davon und erfuhr die Nachricht erst von unseren heimischen Medien, als diese mich um eine Stellungnahme baten."

Der Fußball-Abteilungsleiter des DVV, Dieter Beck, betont, dass vorerst keine Mannschaften zurückgezogen werden. Am kommenden Montag haben Beck und Jugendleiter Andreas Truckenbrodt ein Gespräch beim Bayerischen Fußball-Verband in München, wo die Lage mit einem kompetenten BFV-Vertreter erörtert werden soll. Beck: "Wenn der Spielbetrieb finanziell gesichert ist, kann er weiterlaufen."

Prinzip Hoffnung

Der Abteilungsleiter hofft, dass das Insolvenzverfahren bis zum 30. Juni entweder eröffnet oder mangels Masse abgelehnt wird. Dann könnte die erste Mannschaft, sportlich sowieso abgestiegen, im kommenden Jahr in der Bezirksoberliga spielen. Klappt dies nicht, würde der Verein in der neuen Saison als erster Absteiger gelten. Der DVV veranstaltet am kommenden Mittwoch um 19 Uhr einen Infoabend für alle Herren- und Junioren-Fußballer sowie Mitglieder in seinem Sportheim am Hinteren Floßanger.

Den Kommentar von Michael Hager lesen Sie hier.

    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • Twitter
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf np-coburg.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Coburg

Der Traum vom Traumspiel

Der Coburger FC Bayern-Fanclub will den Fußball-Rekordmeister für ein Vorbereitungsmatch in die Vestestadt holen. Dessen Vorsitzender Norbert Scholz arbeitet mit Hochdruck an der Bewerbung. Die Neue Presse steht ihm als exklusiver Medienpartner zur Seite. »mehr
    
    

Coburg erhöht Bestattungsgebühren

Der Stadtrat verabschiedet eine neue Satzung. Eine volle Kostendeckung für den Betrieb der Friedhöfe wird damit aber nic... »mehr
    
 
    

Pas de deux mit Frotteetuch

Das gab es bei der Narrhalla noch nie: Der Sitzungspräsident und ein Elferratsmitglied stehen (fast) nackt auf der Bühne... »mehr
    
 
    

Ausparken mit zwei Promille wird teuer

In Coburg hat ein 39-Jähriger beim ausparken rund 5000 Euro Schaden verursacht. Bei der Unfallaufnahme wird schnell klar... »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    

Party

 
    

Nachrichten

 
    

Sport

    
    

Prospekte aus der Region

Leserreisen 2015
    
Anzeige
    

Magazine

Wirtschaftsnews Oberfranken Januar 2014
Jahresrückblick
Seniorenzeitung Dezember 2014
Fachhochschule Schmalkalden Dezember 2014
Wintersport Oberhof
Coburger Einkaufsmagazin
Bei uns daheim Stadt und Landkreis Coburg 2014
Bei uns daheim Stadt und Landkreis Kronach November 2014
Bauen und Wohnen Oktober 2014
Bei uns daheim in Ludwigstadt Oktober 2014
Berufskompass NP 2014
Trauerratgeber
Bei uns daheim in Haßberge
Bei uns daheim Stadt und Landkreis Lichtenfels Juli 2014
Wandern im Fichtelgebirge 2014
Frankenreiter
Thüringen im Blick 2014
Hochzeitsmagazin
    
Anzeige
Marktplatz
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    


    
Zur Kinderzeitung

Werbung für riesiges Turnier

Das Brandenburger Tor in der Hauptstadt Berlin leuchtet seit Freitag in buntem Licht. Zu lesen ist: «Wir wollen die Spiele! Berlin für Olympia». In der Stadt Hamburg hängen zum Beispiel Flaggen mit den olympischen Ringen am Rathausmarkt. »mehr
    
    
Leseranwalt

Auf ein Wort

Abschreiben ist schon in der Schule zu Recht verboten. Und so gehen wir einer ernsten Sache nach, auf die ein Leser gestoßen ist. "Die Lesermeinung kommt mir sehr bekannt vor", schreibt der Mann in Bezug auf einen kürzlich erschienenen Leserbrief. »mehr
    
    

Die historische Stadt 

Die Webcams der VR-Bank Coburg eG und der Stadtwerke-Tochter süc//dacor bieten aus verschiedenen Blickwinkeln aktuelle Kamerabilder von der Stadt Coburg. »mehr
    
    

Börseninformationen