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Kastner rechtfertigt Abbrüche

Der OB richtet ein Antwortschreiben an das Denkmalnetz Bayern. Er betont, dass es sich bei der Sanierung der Ketschenvorstadt um ein Gesamtprojekt handelt.

  • Im Zuge der Umgestaltung der Ketschenvorstadt soll das Haus Albertsplatz 4 (zweites von links) abgerissen werden. Das muss sein, sagt der Oberbürgermeister. Foto: Chris Winter/Archiv
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Coburg - Oberbürgermeister Norbert Kastner hat sich in einem ausführlichen Stellungnahme in die teilweise heftige Diskussion der vergangenen Wochen um den Abbruch alter Häuser zu Wort gemeldet. Im Rahmen der Sanierung der Ketschenvorstadt sollen die Gebäude Goethestraße 9 und Albertsplatz 4 abgerissen werden. "Eine Zerstörung der Stadt vermag ich in diesem Handeln nicht erkennen", heißt es in dem Brief an das Denkmalnetz Bayern.

Das landesweite Bündnis von 80 Bürgerinitiativen und Vereinen hatte sich vor Ostern "erschrocken über die Planungen der Stadt" geäußert und an den Oberbürgermeister appelliert, die Abbrucharbeiten am Gebäude Goethestraße 9 "sofort einzustellen und am Albertsplatz nicht in Angriff zu nehmen". Aus beiden Häusern könnten bei einer angemessenen Sanierung sinnvoll nutzbare Schmuckstücke werden.

Kastner betonte in seinem Rückschreiben, dass er großes Verständnis für das Engagement zur Erhaltung des bauhistorischen Erbes zeige. Insoweit teile er die allgemeinen Ausführungen des Denkmalnetzes. Er könne jedoch versichern, dass die Stadt Coburg und die Wohnbau sich seit Jahren in gleicher Weise intensiv um die Einhaltung dieser Ziele kümmern.

Bei der Sanierung der Ketschenvorstadt handle es sich, so Kastner, um ein integriertes Planungskonzept. Dieses reiche von der Barrierefreiheit und Gestaltung des öffentlichen Raumes über die Sicherung von Nahversorgung und Stärkung der vorhandenen Einzelhandelsuntemehmen bis zu einem preisgünstigen Wohnungsangebot für alle Bevölkerungsgruppen einschließlich der erforderlichen Stellplätze.

Obwohl es bei dem integrierten Konzept um die ganzheitliche Sichtweise gehe und nicht zwingend um jedes Einzelobjekt, habe die Stadt sehr wohl auch die historische Bausubstanz der einzelnen Gebäude im Blickfeld behalten. Kastner: "Dabei ist es uns in erfreulicher Weise gelungen, dass im gesamten Quartier lediglich zwei Häuser abgebrochen werden müssen, um die Gesamtziele zu erreichen."

In einem wettbewerbsähnlichen Verfahren seien die Aufgaben sowohl im Bereich Goethestraße 9 als auch am Albertsplatz von qualifizierten Büros bearbeitet worden. Alle seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Gebäude Goethestraße 9, 9a und Albertsplatz 4 "aus guten Gründen" nicht erhalten werden können.

Das Gebäude Albertsplatz 4, so der OB, sei nicht als Einzeldenkmal schützenswert, da es weder besondere Bestandteile noch eine historische wertvolle Fassade habe. Die Maßnahme sei mit dem Landesamt für Denkmalschutz positiv abgestimmt.

In den nächsten Jahren werde in dem Quartier ein vielfältiges Wohnungsangebot für alle Bevölkerungsgruppen und Lebensphasen geschaffen. Drei private Eigentümer planen, so Kastner, die Sanierung in absehbarer Zeit selbstständig durchzuführen.

Eine Zerstörung der Stadt vermag ich in diesem Handeln nicht erkennen.

Norbert Kastner


Verfall hätte gedroht

Das um 1910 errichtete Gebäude Goethestraße 9 sei erst im Zuge des Planverfahrens in die Denkmalliste aufgenommen worden, so Kastner. Dieses Gebäude sei zur Hälfte abgebrannt gewesen und für eine technische Nutzung, ohne jeglichen schützenswerten Bereich, wieder aufgebaut worden. Lediglich eine Wohnung zeige teilweise bauhistorische Qualität. Da die Haushalte, Nutzer und Eigentümer nicht bereit gewesen seien, in den kommenden zehn Jahren genug zu investieren, wären in absehbarer Zeit die Baudenkmäler und die im Ensemble geschützten Häuser vom Verfall bedroht gewesen. Kastner: "Deswegen hat sich der Stadtrat trotz nicht einfacher Haushaltssituation dazu entschieden, das Sanierungsgebiet festzulegen."


    
    

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