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"Kein Ort für frische Ideen"

Die Coburg Locals wollen die Jugendkultur in der Stadt etablieren. Vorsitzender Markus Grempel zieht zwei Jahre nach Vereinsgründung eine eher durchwachsene Bilanz - und übt Kritik.

  • Nachdenklicher Blick in die Zukunft: Markus Grempel, Vorsitzender der Coburg Locals, auf dem Vereinsgelände am Lokschuppen. Foto: Frank Wunderatsch
  • Nachdenklicher Blick in die Zukunft: Markus Grempel, Vorsitzender der Coburg Locals, auf dem Vereinsgelände am Lokschuppen. Foto: Frank Wunderatsch
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Herr Grempel, 2010 wurden die Coburg Locals gegründet. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus, hat ein Jugendverein in Coburg ein Chance?

Das ist schwer zu sagen. Es ist allgemein nicht leicht in Coburg. Gerade was die Unterstützung seitens der Firmen oder der Stadt betrifft.

 

Vieles konnten Sie aber doch verwirklichen. Wie den Beach Club, obwohl einige Anwohner die Eröffnung noch verhindern wollten.

Da wollte man uns Steine in den Weg legen. Aber bis heute gab es keinerlei Beschwerden. Ganz im Gegenteil: Einige Anwohner sind sogar als Gäste zum Beach gekommen und haben gesagt, dass es gar nicht so ist, wie es ihnen geschildert wurde. Da wurden die Leute im Vorfeld konsequent belogen. Wir haben von Anfang an immer gesagt: Der Beach Club ist zum Erholen da! Kinder können sich im Sand austoben, und es läuft dezente Musik.

 

Hat sich der Beach Club nach

einem Jahr etabliert

Aktuell eher noch nicht. Schon wegen dem Vandalismus. 2011 hatten wir einen Schaden von 18 000 Euro. Alleine fünf Mal wurde in unsere Bratwurstbude eingebrochen. Dieses Jahr hält sich der Schaden bisher in Grenzen. Trotzdem wurden mehrmals Strandkörbe aufgeschlitzt und immer wieder beim Trampolin eingebrochen. Die Täter wurden mittlerweile gefasst. Es waren Jugendliche.

 

Schreckt das die Gäste ab?

Das weiß ich nicht. Auf jeden Fall haben wir das Problem, dass viele den Club nicht ausprobieren. Die, die einmal da waren, sind eigentlich immer begeistert und kommen wieder. An diesem Dilemma sieht man, wie stark unser Verein mit Vorurteilen kämpfen muss. Eine Frau sagte mir einmal: 'Da kann ich doch nicht hin, da sind doch die Halbstarken'. Das sagt schon einiges.

 

Hat der Strand-Club dann

überhaupt eine Zukunft?

Ich überlege immer wieder, ob ich den Beach-Club dicht mache. Diesen Monat war ich kurz davor. Es kann durchaus sein, dass der Beach ein weiteres gescheitertes Projekt in Coburg ist.

 

Ein weiteres?

Irgendwie hat der Coburger für bestimmte Bereiche eine Blockade. Leider auch viele Jugendliche. Die Stadt ist auf jeden Fall kein Ort für neue, frische Ideen. Leute von außerhalb, die über die Stadtautobahn fahren und den Club von oben sehen, probieren ihn einfach aus. Der Großteil der Coburger ist nicht so.

 

Heißt das, dass Coburg keine Stadt für junge Menschen ist?

Natürlich ist Coburg eine Familienstadt mit tollen Kindergärten und Schulen. Aber für junge Erwachsene? Nein! Studenten erzählen mir, dass sie froh sind, wenn sie wieder raus sind aus der Stadt. Man muss schon die Frage stellen: Warum hat jegliche Form von Subkultur hier keinen Platz? Beispielsweise ist die BMX-Szene in der weitaus kleineren Stadt Lichtenfels doppelt so groß wie hier.

 

Ist das ein Problem der Stadtpolitik?

Nicht nur. In kaum einer Stadt in Deutschland ist die Polizei so präsent wie hier. Da muss man sich aktuell doch nur die EM anschauen. Da wird der Autokorso in der Innenstadt unterbunden. Man sollte doch froh sein, dass etwas Leben in der Stadt ist. Natürlich gibt es Jugendliche, die alkoholisiert auch mal Mist machen. Aber ist das nicht überall so? So wird man junge Menschen mit Sicherheit hier nicht halten können.

 

Dann sieht es für den Verein Coburg Locals eher düster aus?

Wir werden uns schon irgendwie halten, aber einfach wird es nicht. Wenn ich Besuch von Freunden habe, die in weitaus größeren Städten leben, sagen die immer: "Unglaublich, was du für ein schönes Vereinsgelände hast. Bei uns würde so ein Verein brummen."

 

Viel hängt dabei auch von den Akteuren selbst ab. Sind die Jugendlichen in Coburg zu passiv?

Definitiv. Wie schon gesagt, auch die Jugendlichen haben irgendwie eine Blockade. Da bleiben Ideen an wenigen Menschen hängen. Warum, weiß ich nicht.

 

Da stellt sich die Frage, ob die Locals irgendwann nur noch aus ihrem sportlichen Aushängeschild, der Fußballabteilung, bestehen.

Das kann durchaus sein. Zumindest ist es fantastisch, wie die Fußballer Vereinsleben definieren. Was Andreas Junker und seine Jungs auf die Beine stellen, ist wirklich vorbildlich. Im Gegenzug muss ich andere Abteilungen vielleicht schließen. In unserer mit 110 Mitgliedern größten Sparte, dem Funsport, gibt es zu wenige, die das Heft in die Hand nehmen. Die Kids wollen ihren Skatepark nutzen, aber kaum einer will ihn auch pflegen.

 

Gehen wir zwei Jahre zurück. Würde Markus Grempel den Verein Coburg Locals dann noch einmal gründen?

Auf jeden Fall. Es gibt ja auch durchaus positive Entwicklungen. Beispielsweise haben wir unsere Mitgliedszahlen stetig gesteigert. Aber es könnte definitiv weniger anstrengend sein. Mir ging es damals darum, eine Oase für coole Leute zu gründen. Das haben wir geschafft. Jetzt muss sie von den Coburgern nur noch angenommen werden.

Das Gespräch führte Christian Pack

Internationaler Freestyle-Scooter-Contest

Die Freestyle-Scooter-Szene trifft sich heute und am 1. Juli auf dem Gelände der Coburg Locals zu einem internationalen Contest. Der Wettbewerb ist Teil der europäischen Qualifikationsserie für die Weltmeisterschaft der International Scooter Association (ISA) und verspricht spektakuläre Wettkämpfe.

Am Samstag werden die Vorläufe für alle drei Klassen sein, am Sonntag die Finals. Beginn des Wettkampfes: 12 Uhr. Als Hauptpreis winkt eine Wildcard für die Teilnahme im Finale der Internationalen Scooter Meisterschaften. Es gibt zudem für jeden Teilnehmer einen Preis.

Freestyle Scooter ist ein neuer Trendsport. Dabei werden mit einem Roller auf Halfpipes diverse Tricks gezeigt.

 

    
    

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