zuletzt bearbeitet: 18.08.2012 04:59 Uhr
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Lokschuppen: Bahn hüllt sich in Schweigen
Der traurige Rest des alten Lokschuppens in Coburg gammelt vor sich hin. Noch immer ist unklar, was mit der Bauruine und dem Grundstück geschehen soll.
Coburg - In der Drehscheibe vor dem Lokschuppen, mit der einst mächtige Dampflokomotiven gewendet wurden, wachsen Büsche und Gras. In das leergeräumte, fast besenreine Gebäude regnet es hinein. Ein Dach gibt es nicht mehr, dessen Stahlträger sind abmontiert. Der rechte Flügel eines großen Tors schwingt nach außen. Gehalten wird er von einem Fassadenteil, dessen Statik wenig Vertrauen in die Standfestigkeit erweckt. Ein Zaun mit vielen Schlupflöchern umgibt die Ruine. Sie steht auf einem weitläufigen Grundstück, dessen Betreten verboten ist. Erst der Blick aus dem Flugzeug zeigt, was noch übrig ist vom denkmalgeschützten Lokschuppen zwischen Stadtautobahn, Rodacher Straße und Kalenderweg an den Eisenbahnlinien nach Sonneberg und Bad Rodach: eine brüchige Hülle aus Steinen, Beton und Stahl, eine 23 Meter große Drehscheibe, auf der sich die Natur ausbreitet, und ein paar alte, rostige Gleise - mehr nicht.
Stadt stoppt Abriss
Eigentümerin der Immobilie ist die DB Netz AG, ein Tochterunternehmen der Bahn. Sie hatte im September vergangenen Jahres eine Firma beauftragt, das Gebäude abzureißen. Als die Stadtverwaltung Coburg davon Wind bekam, ließ sie die Aktion noch am selben Tag, dem 22. September 2011, stoppen. Man war, wie Stadtbauamtsleiter Karl Baier vor knapp einem Jahr erklärte, von dem Abriss völlig überrascht worden. Die erforderliche denkmalschutzrechtliche Erlaubnis lag nicht vor.
Die Bahn beharrte dagegen auf dem Abbruch. Sie zitierte die Stadt Coburg unter Hinweis auf eine angeblich vorliegende Abrissgenehmigung vor das Verwaltungsgericht Bayreuth, um den Stopp der Arbeiten für unwirksam erklären zu lassen.
Zwischenzeitlich, im Oktober 2011, kam ein Gutachter der Landesgewerbeanstalt Bayern zu dem Urteil, dass der alte Lokschuppen ein Sicherheitsrisiko darstellt. Daraufhin wurde das Areal weiträumig abgesperrt. Im Januar dieses Jahres rückten Baumaschinen an, um Metallschrott und Bauschutt abzutransportieren und die teilweise zusammengebrochene Dachkonstruktion abzutragen. Diese Abbrucharbeiten erfolgten "in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Coburg zur Beseitigung der akuten Einsturzgefahr", teilt Michaela Hofmann, die Pressesprecher Michael Selzer vertritt, der Neuen Presse auf Anfrage mit. Jetzt stehen vom Lokschuppen, einer Ringkonstruktion, nur noch die Außenmauern.
Wie es mit der Immobilie weitergeht, bleibt unklar. Vom Eigentümer des Grundstücks, der DB Netz AG, gibt es aktuell keine Auskünfte. Sie lässt sich regelmäßig von der DB Services Immobilien GmbH vertreten. In beiden Unternehmen finden sich in dieser Woche keine Ansprechpartner, die sich für das Schicksal des Coburger Lokschuppens zuständig erklären würden.
Nach Kenntnisstand der Stadtverwaltung beabsichtigt die DB Netz AG, "den Lokschuppen insgesamt abzubrechen", so Michaela Hofmann weiter. Neben der denkmalschutzrechtlichen Erlaubnis müsse ein solcher Abbruch auch vom Eisenbahnbundesamt genehmigt werden. Dieser Antrag liege nach Aussage der DB Netz AG vor, "eine Entscheidung hierüber erfolgte nach unserem Kenntnisstand aber bisher nicht. Ebenso wenig wurde die Untere Denkmalschutzbehörde bislang am Verfahren beteiligt", betont die Sprecherin der Stadtverwaltung.
Aus Coburger Sicht wäre es "natürlich wünschenswert, das Grundstück einer sinnvollen Nutzung zuzuführen", erklärt Michaela Hofmann. Darüber seien schon seit Jahren Gespräche mit der Bahn geführt worden. Doch der Eigentümer, die DB Netz AG, hüllt sich in Schweigen.
Der Coburger Lokschuppen am Kalenderweg ist im Jahr 1921 in Betrieb gegangen. Er verfügte über 16 Stände für Lokomotiven sowie eine 23 Meter messende Drehscheibe. Die letzten Dampfloks im regulären Fahrplanbetrieb wurden dort im Jahr 1974 gedreht, die letzten Dieselloks 1987 abgezogen. Für einige Jahre diente der Lokschuppen noch als Garage für Bahnbusse, bevor er gänzlich geschlossen wurde.
Ein letztes Mal standen Dampfloks 1993 auf der Drehscheibe. Sie waren vom DB-Museum aus Nürnberg im Rahmen von Sonderzugfahrten nach Coburg gefahren.
Der Lokschuppen war für das Aufstellen der Lokomotiven, das Aufrüsten vor dem nächsten Einsatz und für Reparaturarbeiten erforderlich. Mit der Drehscheibe konnte die Fahrtrichtung der Loks geändert werden.
In der Umgebung befanden sich Versorgungseinrichtungen für die Lokomotiven: Wasserkran, Kohlebeladung, Bremssandanlage und Schlackengrube.
In dieser Woche teilte die DB mit, dass bundesweit 700 Bahngebäude zum Verkauf stehen. In Bayern sucht das Unternehmen Käufer für rund 100 solcher Immobilien. Der Coburger Lokschuppen ist nicht aufgeführt.
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