zuletzt bearbeitet: 20.07.2012 00:32 Uhr
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Minarett schmückt Coburger Moschee
Kommunalpolitiker haben um das Bauprojekt der türkisch- islamischen Gemeinde heftig gestritten. Jetzt ist der kleine Turm in der Viktoriastraße aufgerichtet worden.
Coburg - Als das Minarett am späten Donnerstagnachmittag auf dem Hof der Moschee steht, beginnen Mitglieder der türkisch-islamischen Gemeinde Coburg zu singen. Einige haben Tränen in den Augen. Für sie erfüllt sich ein Wunsch, den sie seit zwei Jahrzehnten hegen, erklärt Elbir Ebubekir, Imam der Gemeinde. Als der Autokran das Minarett anhebt und auf das Dach setzt, spricht der Imam von einem Tag der Freude: "Jetzt haben wir in Coburg eine richtige Moschee."
Vor gut einem Jahr, am 22. Juni 2011, hatte der Bau- und Umweltsenat von den Plänen der Türkisch-Islamischen Gemeinde Kenntnis genommen, auf das Dach der Moschee in der Coburger Viktoriastraße eine Kuppel und ein Minarett zu setzen. "Der geplante Turmaufbau und die Kuppel sind im Rahmen des Erlaubten, der Bebauungsplan spricht nicht dagegen", betonte 3. Bürgermeister Hans-Heinrich Ulmann, CSB, damals.
CSU hat Bedenken
Hans-Herbert Hartan, Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion, erklärte dagegen, aus Sicht der CSU gehe es bei dem Minarett auch um "religiöse, politische und kulturelle Aspekte". Deshalb könne man das Projekt nicht nur nach dem Baurecht behandeln. Die CSU beantragte, im Stadtrat über das Vorhaben zu beraten - und war so Mitauslöser einer heftigen Diskussion in Coburg.
Mitte Juli 2011 ging die NPD mit einem Protestmarsch gegen das Minarett auf die Straße. Der rechtsgerichtete "Fränkische Heimatschutz" hetzte im Internet gegen das Projekt. Dagegen stellte sich ein "Bündnis gegen Rechts". Es wurde von 25 Organisationen getragen und stellte sich mit einem "bunten Fest der Kulturen" gegen braune Parolen. Das Bündnis aus Religionsgemeinschaften, sozialen Einrichtungen, Wohlfahrtsverbänden, Kinder- und Jugendorganisationen sowie Gewerkschaften und politischen Parteien stellte klar, dass es die türkisch-islamische Gemeinde unterstützt.
Gleichzeitig begrüßte Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm den Bau das Minaretts in Coburg als Zeichen gelungener Integration. Ein Minarett sei der Ausdruck der religiösen Praxis von Menschen, die sehr lange in Deutschland zu Hause sind und denen er selbst immer wieder gerne begegne. Er begrüße es, wenn die Religion des Islam in Coburg präsent ist, öffentlich dokumentiert wird "und nicht versteckt werden muss". Damit werde die Grundlage geschaffen, dass Christen und Muslime in Frieden und wechselseitiger Achtung miteinander leben "und beide gleichermaßen an unserem demokratischen Gemeinwesen beteiligt werden".
Bereits am 30. Juni 2011 hatte der Stadtrat nach einer leidenschaftlichen Debatte mit 28 gegen sieben Stimmen den Bau des Minaretts und der Kuppel auf der Moschee in der Viktoriastraße befürwortet. Oberbürgermeister Kastner, SPD, wertete die Entscheidung damals als "deutliches Signal" für ein "weltoffenes, tolerantes Coburg". Bürgermeister Ulmann warf Gegnern des Projekts vor, sich jedwedem Integrationsgedanken zu verweigern. Dagegen erklärte Hans-Herbert Hartan, dass Moschee und Minarett in der CSU-Stadtratsfraktion umstritten seien. Näher begründete er dies damals allerdings nicht.
Heinrich Bedford-Strom, evangelischer Landesbischof, am 13. Juli 2011
Oberbürgermeister Norbert Kastner
am 30. Juni 2011
Elbir Ebubekir, Imam,
am 19. Juli 2012
Raimund Reinwald, früherer katholischer Dekan in Coburg, am 27. Juni 2011
Grundsätzlich ist ein Minarett ein erhöhter Standplatz oder Turm für einen islamischen Gebetsrufer - Muezzin - bei oder an einer Moschee. Von hier aus werden die Muslime fünfmal am Tag zum Gebet gerufen. Das Coburger Minarett dient ausschließlich als optisches Kennzeichen der Moschee in der Viktoriastraße. Es wird weder einen Muezzin geben, noch werden Lautsprecher installiert, um die Aufrufe zum Gebet zu übertragen. Bundesweit gibt es 206 Moscheen mit Minaretten. 120 weitere Moscheen sind nach Angaben des Zentralinstituts Islam-Archiv Deutschland derzeit in Planung oder im Bau. Hinzu kommen 2600 Gebetsräume für Muslime. Vorbild für den Baustil nahezu aller Moscheen, Minarette und Kuppeln ist die Hagia Sophia in Istanbul. Sie wurde im byzantinischen Konstantinopel (heute Istanbul) gebaut und war die Hauptkirche des byzantinischen Reiches.
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