zuletzt bearbeitet: 13.06.2012 22:48 Uhr
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Schlechte Noten für Coburger Wohnungsmarkt
Ein Hannoveraner Institut analysiert die Situation in der Vestestadt. Demnach gibt es zu viel alte und unsanierte Bausubstanz. Immobilienwirt Michael Leib relativiert die Studie.
Coburg - Zu hoher Energieverbrauch, fehlende altersgerechte Ausstattung, ein nicht zeitgemäßer Grundriss: Das Fazit einer Wohnungsbau-Studie des Hannoveraner Pestel-Instituts zur Coburger Wohnungssituation fällt drastisch aus. "Ein Großteil der Wohnungen ist weit von dem entfernt, was heute Standard ist", macht Institutsleiter Matthias Günther deutlich.
Rein rechnerisch gäbe es aktuell zwar genug Wohnungen. "Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit", so Günther. Viel zu alte, unsanierte Bausubstanz, Leerstände und schlecht oder gar nicht vermietbare Wohnungen würden das Bild verzerren. Rund 61 Prozent aller Wohnungen stammen zudem aus der Zeit vor 1970 - viele sogar aus den Nachkriegsjahren. Lediglich rund 16 Prozent der Wohnungen seien nach der Wende neu gebaut worden.
Michael Leib vom gleichnamigen Coburger Immobilienbüro sieht die Situation weitaus weniger dramatisch. An der Studie sei "ein Fünkchen Wahrheit", einiges könne er aber nicht bestätigen. Beispielsweise sei man in Coburg hinsichtlich der altersgerechten und barrierefreien Ausstattung gut aufgestellt. Zudem sei es hinsichtlich der Leerstände keineswegs so bedenklich, wie in der Studie dargestellt.
Keine Anreize
Konform geht Leib mit der Pestel-These, dass in Deutschland der Bereich Sanieren, Neubau sowie Ersatzneubau deutlich attraktiver gestaltet werden muss. Für viele Eigentümer gäbe es in Coburg bei der derzeitigen Förderung keinen Anreiz, die Wohnungen zu sanieren. "Aktuell bekommt man die Kosten nicht wieder rein", erklärt Leib. Studienleiter Matthias Günther sieht hier ein Problem bei der Förderung. "Was wir an neuen und neu sanierten Mietwohnungen brauchen, ist mit der derzeitigen staatlichen Wohnungsbauförderung nicht hinzubekommen."
Das Sanieren und der Neubau von Mietwohnungen müsse aber angekurbelt werden. Deshalb hält der Wissenschaftler die Erhöhung des jährlichen Abschreibungssatzes von derzeit zwei auf vier Prozent für wirkungsvoll. "Das macht schon deshalb Sinn, weil bei einem Neubau viele Teile eine durchschnittliche Lebensdauer von nicht einmal 25 Jahren haben. Dazu gehören beispielsweise Heizkessel, Fenster, Armaturen sowie die Außen- und Innenanstriche. Deshalb brauchen Bauherren eine höhere Abschreibung."
Bereits in fünf Jahren werden laut Pestel-Studie im Landkreis Coburg insgesamt 290 Mietwohnungen fehlen. "Wenn der Wohnungsbau nicht deutlich zulegt, werden bezahlbare Wohnungen zur Mangelware", sagt Matthias Günther. Der Leiter des Hannoveraner Instituts sieht hier einen "enormen Bedarf". In den letzten Jahren sei eine Menge versäumt worden. "Die größte Bausünde war, dass zu wenig neu gebaut wurde. Es war einfach zu unattraktiv, Mietwohnungen zu bauen", sagt Günther.
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