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"Eine Perspektive zum Hierbleiben"

Der Bevölkerungsrückgang im Coburger Land bereitet Politikern und Unternehmern Sorge. Mit einem neuen Kartensystem, das Vergünstigungen schafft, wollen sie die Attraktivität des Standorts stärken. Das Projekt ist einmalig im Freistaat Bayern, sagen die Verantwortlichen.

Von Wolfgang Braunschmidt, Michael Busch, Landrat des Landkreises Coburg
  • Familien, Unternehmen und den Standort stärken: Das ist das Ziel der "Familiencard", die der Landkreis Coburg am 1. September startet.
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Coburg - Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg ist als Partner dabei. Die Handwerkskammer und der Bauernverband sind ebenfalls mit im Boot, genauso wie der Kreisjugendring, die katholische und die evangelische Kirche, der Hotel- und Gaststättenverband, der Bayerische Landessportverband, die Handwerkerinnungen, elf lokale Bündnisse für Familien, die Handwerksjunioren sowie die 17 Städte und Gemeinden im Coburger Land. Sie alle sind überzeugt vom bayernweit einmaligen Konzept der "Familiencard", die der Landkreis Coburg am 1. September dieses Jahres herausbringt. Vorrangig ist sie zwar darauf ausgelegt, Vergünstigungen für Familien und Alleinerziehende mit Kindern bis zum Alter von 18 Jahren zu schaffen. Letztlich geht es aber darum, einen Beitrag zur Zukunftssicherung des Standorts zu leisten.

Der Landkreis Coburg will sich mit der Karte im Scheckkartenformat als familienfreundliche Region, in der es sich gut leben und arbeiten lässt, im Bewusstsein der Menschen verankern. "Wir wollen eine weitere Perspektive zum Hierbleiben aufzeigen", sagt Landrat Michael Busch.

Langfristiges Projekt

Deshalb ist die Karte als langfristiges Projekt angelegt. "Familienfreundlichkeit wird von uns als ein Mosaikstein oberfränkischer Zukunftsfähigkeit verstanden", so der Landrat. Er betont das nicht ohne Grund. Denn der Strukturwandel im ländlichen Raum ist in vollem Gange, und die demografische Entwicklung ist bedrohlich. Lebten im Jahr 2006 noch 90 786 Menschen im Landkreis Coburg, sollen es, so die Prognose der Bertelsmann-Stiftung, im Jahr 2025 nur noch 84 208 sein. Dem wollen Politiker und Unternehmer entgegensteuern. Denn die schrumpfende Bevölkerung hat dramatische Folgen, wenn sie nicht aufgehalten wird: Immer mehr Häuser in Dörfern stehen leer, Geschäfte in Ortskernen schließen, den Unternehmen fehlen künftige Auszubildende und Fachkräfte.

Der Landkreis Coburg und seine vielen Partner sehen die "Familiencard" als Beitrag dafür, sich gegen die negative Entwicklung zu stemmen. "Einzelhändler, Handwerker, regionale Geldinstitute und Dienstleister haben erkannt, dass die Familienfreundlichkeit einer Region auch für ihre Zukunft einen wesentlichen Baustein darstellt", sagt Jürgen Forscht, der das von Landrat Michael Busch auf den Weg gebrachte Projekt im Landratsamt Coburg federführend betreut. "Familien sind Kunden. Aus den Familien kommen Auszubildende und Fachkräfte. Haben sie Arbeit, bleiben sie auch hier", erläutert Forscht. So werde Wertschöpfung in der Region gehalten, ergänzt Landrat Busch. Dies sei auch der Grund, weshalb man bei der "Familiencard" ganz bewusst keine "Global Player" ins Boot geholt habe.

190 Angebote

Innerhalb des Systems können insgesamt 190 Angebote im Landkreis und in der Stadt Coburg, aber auch in benachbarten fränkischen und Thüringer Landkreisen, wahrgenommen werden. Sie alle sollen einen Beitrag dazu leisten, dass Eltern und Großeltern "der Familie Zeit schenken, dass sie Freizeit mit ihren Kindern verbringen", betont Jürgen Forscht. Das kann beim gemeinsamen Frühstück am Samstagmorgen genauso geschehen wie beim Tapezieren des Kinderzimmers, beim Besuch des Landestheaters, beim gemeinsamen Bogenschießen oder beim Abstecher ins Freibad. Den Anreiz dazu bieten Vergünstigungen, die die Partnerunternehmen bereit- stellen. Jürgen Forscht kann dem Projekt auch einen gesundheitlichen Aspekt abgewinnen: "Sozio-emotionale Nähe und mit der Familie aktiv sein können nach unserer Auffassung eine wirkungsvolle Vorbeugung gegen das ADHS-Syndrom bei Kindern darstellen."

Start am 1. September

Die "Familiencard" des Landkreises Coburg ist ab 1. September in allen Rathäusern der 17 Städte und Gemeinden des Landkreises Coburg erhältlich. Die Schutzgebühr beträgt fünf Euro. Die "Familiencard" gilt für ein Jahr. Pro Familie wird eine Karte ausgegeben, ab vier Kindern zwei. Die Karte kann von Familien und Alleinerziehenden in Anspruch genommen werden, deren Kinder nicht älter als 18 Jahre sind. Auch Großeltern sind einbezogen. Ausnahmeregelungen, beispielsweise für volljährige Schüler, Studenten und Auszubildende, gibt es nicht. Alle 190 Angebote sind in einer Broschüre aufgelistet, die es zur "Familiencard" gibt.

_________________

www.diefamiliencard.de


    
    

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Die neuesten Kommentare

Tja, wie will eine Region attraktiv für Familien werden, ...

von conrad_rueger am 09.08.2011 22:48
... wenn die Azubis eines bislang in dieser Hinsicht vorbildlichen Maschinenbauers aus Nickeligkeit (halbe Vergütung) seit kurzem nicht mal mehr von der Firma selbst angestellt werden, sondern von einem "Beschäftigungsverein" – und die über viele Jahrzehnte geltende faktische Übernahmegarantie bei bestandener Prüfung hat sich natürlich auch in nichts aufgelöst. Moderne Zeiten. Auf Kosten der Azubis und auf lange Sicht auf Kosten des Unternehmens. Angesichts solcher Kurzsichtigkeit kann man nur noch den Kopf schütteln. Zumal wenn man vollmundige Sonntagsreden zum Thema Zukunftssicherung in Zeiten des demografischen Wandels hört. Zum Beispiel.
(0)

Arbeitsplätze?

von suedstaedter m (42) am 09.08.2011 10:05
Auch die sind vorhanden. Aber abseits der zwei größten Firmen leider lausigst bezahlt. Vielleicht setzt es sich irgendwann auch in den Köpfen der Chefs fest, dass ich gute Arbeit und gute Arbeiter nur gegen gutes Geld bekomme.

Wie sollen Männer mit Bruttoverdiensten von 7 Euro die Stunde eine Familie ernähren?
(0)

Familienfreundlichkeit ist vorhanden. Es fehlen Arbeitsplätze.......

von nickN x am 09.08.2011 08:57
"den Unternehmen fehlen künftige Auszubildende und Fachkräfte"

Die Menschen ziehen ganz einfach der Arbeit hinterher und das heisst weg aus Oberfranken. Wer Menschen nach Coburg holen will, muss Arbeitsplätze anbieten.
Coburg ist bereits prima, um Kinder grosszuziehen aber schlecht zum Geld verdienen
(0)
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