zuletzt bearbeitet: 20.07.2012 00:18 Uhr
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Goldbergsee: In Beiersdorf stinkt es den Anwohnern
Das Gerücht hält sich: Die Milchwerke Oberfranken leiten Abwasser direkt in den Goldbergsee. Das stimmt aber nicht. Ein Kanal ist die Ursache des Übels. Die Belästigung will man jetzt minimieren.
Coburg - An lauen Sommerabenden soll es besonders schlimm sein, hört man in Beiersdorf. Dann stinkt der Goldbergsee angeblich "zum Himmel" - und schuld seien die Milchwerke. Die würden nämlich ihr Abwasser direkt in das Hochwasserrückhaltebecken leiten - der penetrante Geruch sei der Beweis. Nicht nur in Beiersdorf haben sich manche ihr Urteil schon gebildet. Werner Pilz von der Unteren Naturschutzbehörde Coburg muss fast ein wenig lächeln, wenn man ihn mit diesen Vorwürfen konfrontiert. "Wir sind hier in Deutschland, da wird nicht einfach irgendwo etwas in Gewässer geleitet und am Goldbergsee schon gar nicht", sagt er. Das Rohr, das angeblich von den Milchwerken direkt in den See reiche, "gibt es einfach nicht". Auch Hartmut Liebig, beim Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb CEB für Stadtentwässerung zuständig, kann die Mutmaßungen fast schon nicht mehr hören: "Ein Rohr in den Goldbergsee? Undenkbar!"
Ein Kanal im Baugebiet
Die Geruchsbelästigung an sich weist er jedoch nicht vom Tisch. Die hätte aber eine andere Ursache: Die Milchwerke leiten ihr Abwasser durch einen Kanal von Beiersdorf nach Coburg. "Dieser geht direkt durch das Baugebiet, teilweise an den Terrassen der Häuser vorbei", so Liebig. Hinzu käme, dass man das Abwasser von den Milchwerken nicht mit dem eines normalen Haushalts vergleichen könne. "Da sind ganz andere Rückstände drin."
Weil das Problem aber nun schon lange bekannt ist - bereits im vergangenen Jahr regte sich Widerstand in Beiersdorf - investieren die Milchwerke wie auch die Stadt Coburg finanziell, um die Geruchsbelästigung weiter zu minimieren. So wurde in Beiersdorf ein neuer Kanal gebaut, der nun am Ort vorbeigeht und voraussichtlich Ende dieses Jahres in Betrieb gehen könnte.
Auch bei den Milchwerken nimmt man Geld in die Hand und lässt eine zweite Druckleitung zum öffentlichen Kanalnetz bauen. "Gut eine Million Euro bringen wir dafür auf", sagt Ludwig Weiß, der Direktor der Milchwerke. Bereits im vergangenen Jahr hätte man den pH-Wert des Abwasser angehoben, damit sich weniger Bakterien ansiedeln und den schlechten Geruch verursachen können - seitdem seien ihm keine Klagen mehr zu Ohren gekommen.
Bessere Vorbehandlung
Zeitgleich zur zweiten neuen Leitung ins Kanalnetz arbeiten die Milchwerke derzeit an der Verbesserung ihrer Abwasservorbehandlung. Denn während das Unternehmen in der Vergangenheit die Produktion stark ausweitete und damit mehr Abwasser verursacht, hat sich das System zur Abwasservorbehandlung bisher nicht verändert.
Um die Kläranlagen nicht an ihre Kapazitätsgrenze zu bringen, soll das Abwasser, das in den Kanal eingeleitet wird, bald noch effektiver vorbehandelt werden. "Derzeit werden unsere Anlagen erneuert und auf den neuesten Stand gebracht", erklärt Ludwig Weiß.
Die Milchwerke Oberfranken sind eine der führenden Käsereien in Europa. Im Werk in Meeder-Wiesenfeld werden täglich bis zu eine Million Liter Milch verarbeitet. Bereits 1927 wurde im damaligen Milchhof Käse hergestellt. Die Milchwerke entstanden 1975 durch eine Fusion. Heute zählt die Genossenschaft mehr als 1300 Milcherzeuger aus Franken und Südthüringen.
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