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"Zukunftssicherung für Klinik"

Das Krankenhaus Neustadt kommt in neue Hände. Damit kann es nach der Insolvenz weitergeführt werden. Oberbürgermeister Rebhan ist erleichtert.

  • Interview: Frank Rebhan, Oberbürgermeister in Neustadt
  • Ab August im Regiomed-Klinikverbund: das Krankenhaus Neustadt. Für Oberbürgermeister Frank Rebhan trägt das Krankenhaus dazu bei, die Lebensqualität in Neustadt zu sichern. Foto: Frank Wunderatsch
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Herr Rebhan, ist es Ihre Wunschkonstellation, dass der kommunale Krankenhauszweckverband Coburg das insolvente Krankenhaus Neustadt zum 1. August dieses Jahres übernimmt?

Oberbürgermeister Frank Rebhan: Das ist seit vielen Jahren meine Wunschkonstellation. Ich bin überzeugt davon, dass ein einzelnes Krankenhaus in dem schwierigen Gesundheitsmarkt kaum Chancen hat, zu überleben - erst recht, wenn es so klein ist wie das Neustadter Haus.

 

Es wird in den fränkisch-thüringischen Krankenhausverbund Regiomed eingegliedert werden ...

... den ich für eine tolle Errungenschaft halte. Regiomed wird von Städten und Landkreisen in Coburg, Lichtenfels, Hildburghausen und Sonneberg getragen. Der Krankenhausverbund ist damit in kommunaler Hand und so nicht Aktionären verpflichtet, denen Gewinnmaximierung wichtig ist. Jede andere Lösung wäre für Regiomed schädlich gewesen und, wie ich glaube, auch keine echte Zukunftssicherung für das Neustadter Krankenhaus.

 

Schädlich?

Bei allem Respekt, den ich für private Klinikbetreiber wie die Rhönklinikum AG oder die Helios Kliniken Gruppe und deren medizinische Leistungen habe, ist trotzdem Rendite für Aktionäre ein Unternehmensziel. Das heißt, die wirtschaftlichen Ansprüche an ein kleines Krankenhaus sind höher als in kommunaler Trägerschaft, wie wir sie bei Regiomed haben. Hier steht die Gesundheitsfürsorge für die Menschen in der Region im Mittelpunkt. Das bedeutet, man bietet auch Leistungen an, die keinen hohen Gewinn erwarten lassen, aber in der Fläche notwendig sind.

 

Sie bemühen sich seit vielen Jahren, dass die bislang privat geführte Neustadter Klinik in kommunale Hand kommt. Seit wann beschäftigt Sie das Thema?

Das erste Gespräch habe ich vor etwa zwölf Jahren geführt. Sehr intensiv wurden die Verhandlungen ab dem Herbst 2010.

 

Warum hat es so lange gedauert und erst einer Insolvenz bedurft, bis die Klinikum Coburg GmbH den Zuschlag erhalten hat?

Der Verkauf eines Krankenhauses ist ein komplexes Thema. Der Erwerber muss sicher sein, dass sich die Klinik wirtschaftlich trägt. Hierfür bedarf es umfangreicher Berechnungen. Andererseits hätte ich mir sehr gewünscht, dass Zahlen, Daten und Fakten, die bei den Verkaufsverhandlungen notwendig waren, von Wirtschaftsberatern aus Berlin zeitnah geliefert worden wären und nicht so spät.

 

Sie sind erleichtert, dass es jetzt trotz der Turbulenzen um die Insolvenz in den vergangenen Wochen zum Verkauf des Neustadter Krankenhauses gekommen ist?

Ich bin ausgesprochen erleichtert. Ein Krankenhaus ist für eine Stadt unserer Größenordnung etwas Einmaliges. Neustadt ist zudem nicht nur eine Klinik mit bestimmten Standards, sondern genießt beispielsweise im Bereich der Orthopädie einen herausragenden Ruf. Patienten aus ganz Deutschland kommen nach Neustadt, um hier von Dr. Frieß operiert zu werden.

 

Gibt es weitere Potenziale?

Ganz sicher. Sie müssen zunächst mit den zuständigen Stellen, beispielsweise innerhalb des Regiomed-Krankenhausverbands oder den Staatsministerien, abgeklärt werden. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich nicht konkreter werden kann.

 

Wie kann sich das Neustadter Krankenhaus Ihrer Meinung nach im hart umkämpften Gesundheitsmarkt halten?

Indem es sich spezialisiert, auf seine Stärken abzielt und nicht mehr einen "Gemischtwarenladen" anbietet.

 

Das bedeutet ...

... dass man den Patienten aus dem Versorgungsgebiet vorschlägt, bestimmte Krankheiten von Spezialisten in anderen Regiomed-Häusern behandeln zu lassen. Das ist die einzige Zukunftssicherung, die mir sinnvoll erscheint. Auch daran lässt sich erkennen, dass die Einbeziehung des Neustadter Hauses in den Regiomed-Verbund richtig ist.

Lässt sich mit einem Krankenhaus auch Stadtmarketing betreiben?

Für Neustadt ist es eine ganz wesentliche Infrastruktureinrichtung. Es macht einen Unterschied, ob ich für mein Kind, meine Eltern oder für mich selbst gleich um die Ecke medizinische Hilfe bekomme, oder ob ich als Patient oder dessen Besucher weite Wege in Kauf nehmen muss. Ein Krankenhaus wie das Neustadter ist ein großes Stück Lebensqualität in der Stadt. Darauf darf man in der Innen- und Außendarstellung von Neustadt selbstverständlich hinweisen. Das Gespräch führte

Wolfgang Braunschmidt

Übernahme

Der Krankenhauszweckverband, den Stadt und Landkreis Coburg bilden, übernimmt zum 1. August das Krankenhaus Neustadt. Die Klinik, die bislang privat betrieben wurde, ist seit Mai dieses Jahres insolvent. Um den Erwerb des 73-Betten-Hauses hatten sich neben dem kommunalen Träger aus Coburg auch Medizinkonzerne beworben. Nachdem die Gläubigerversammlung dem Krankenhauszweckverband den Zuschlag gegeben hat, kann die Neustadter Klinik in den bayerisch-thüringischen Regiomed-Verbund eingegliedert werden. Diesen bilden die Städte und Landkreise Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen mit ihren Krankenhäusern. Geplant ist, an der Neustadter Klinik die Schwerpunkte Orthopädie und Innere Medizin weiterzuentwickeln. Zudem will man neue Geschäftsfelder erschließen. Mario Bahmann, Geschäftsführer des Coburger Klinikums, nennt als Beispiele Rheumatologie und Seniorenmedizin.


    
    

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