» zur Übersicht Hassberge
    
    
Artikel
 
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   


Tote Ferkel beschäftigen Justiz

Eine Familie muss sich vor dem Amtsgericht Haßfurt wegen Tierquälerei und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht verantworten. Die Angeklagten bestreiten aber die Vorwürfe.

Von Manfred Wagner

Haßfurt - Eine Binsenweisheit: Wer Tiere hält oder gar Kinder erzieht, trägt eine große Verantwortung. Ob ein junges Paar aus dem Steigerwald diese Fürsorgepflichten verletzte oder nicht, darum ging es im jüngsten Prozess vor dem Haßfurter Amtsgericht. Dabei stellten verschiedene Zeugen sowohl in Sachen Tierhaltung als auch in Sachen Erziehung schlimme Zustände fest. Um weitere Zeugen und das Jugendamt zu hören, vertagte der Vorsitzende die Sitzung.

Als im Oktober 2010 die 26-jährige Beschuldigte bei ihrem - ebenfalls angeklagten - 32-jährigen Lebensgefährten einzog, brachte sie nicht nur ihre drei Töchterchen im Vorschulalter mit, sondern auch fünf oder sechs Mini-Schweine sowie etliche Stallhasen, Hühner und Gänse. Da die Großeltern des Mannes einen Bauernhof besaßen, gab es etliche Stallungen für die zahlreichen Viecher. Kurze Zeit später aber kam es zu ersten Klagen.

In der Folgezeit überprüfte das Veterinäramt insgesamt acht Mal den Hof. Bei den Kontrollen stellten die Tierärzte fest, dass die Schweine in einem engen, unsauberen und dunklen Stall gehalten und offensichtlich viel zu wenig gefüttert und getränkt wurden. Auch bei der Gänseschar, die mittlerweile auf rund 50 Tiere angewachsen war, gab es Beanstandungen. Gravierend war aber dann, dass von den zwölf Schweinen innerhalb eines halben Jahres sieben der Borstentiere verendeten.

Aus diesem Grund verständigte das Haßfurter Veterinäramt die Tierkörperverwertung Walsdorf, wo die Tierkadaver aus der Nutztierhaltung landen. Als wieder ein totes Ferkel aus dem nämlichen Betrieb angeliefert wurde, schaute der dort tätige Tierarzt genauer hin. Vor Gericht schilderte er, dass das tote Tier so abgemagert und ausgezehrt war, dass die Rippen herausschauten.

Darauf schickte er das Corpus Delicti zur staatlichen Untersuchungsstelle nach Erlangen, wo Fachleute das Tier sezierten. Es stellte sich heraus, dass der Magen leer und der Kot im Darm bereits vertrocknet war. Da keine krankheitsbedingten Anzeichen feststellbar waren, konnte dieser jämmerliche Zustand nur dadurch entstanden sein, dass das Tier über Wochen zu wenig Futter und Wasser erhalten hatte.

Rechtsanwalt Bernhard Langer warf ein, dass es sich um einen "Kümmerer" gehandelt haben könnte, den vielleicht andere Artgenossen vom Futtertrog verdrängt hätten oder der einfach wenig gefressen habe. Aber auch in einem solchen Fall müsse ein umsichtiger Tierhalter handeln, betonte Richter Roland Wiltschka: "Wenn ein Tier nicht richtig frisst oder säuft, stimmt etwas nicht", so der Vorsitzende. Dann müsse man sich Hilfe zum Beispiel bei einem Tierarzt holen. Die beiden Angeklagten und die Mutter des Mannes, die auch im Haus lebt, stritten alle Vorwürfe kategorisch ab.

Dann zeichnete eine Nachbarin, die mit dem angeklagten Mann sogar weitläufig verwandt ist, ein furchtbares und grauenhaftes Bild. Mitte 2011, sagte sie aus, hätten die Schweine einige Male tagelang vor Hunger und Durst erbärmlich "von früh bis spät geschrien". Sie habe beobachtet, wie ihre Nachbarn nächtelang auf auswärtigen Weinfesten gefeiert hätten und erst frühmorgens heimgekommen seien. Tagsüber hätten sie dann ausgeschlafen und sich um die Tiere überhaupt nicht gekümmert.

Unter Protest von der Anklagebank sagte sie weiterhin, dass ihrer Meinung nach die Mutter "nicht mit ihren Kindern umgehen" könne. Sie "schreit und bleckt, dass man es im ganzen Dorf hört", erklärte sie aufgebracht. Diese drastische Schilderung könnte zu dem passen, was Staatsanwalt Norbert Spintler vortrug. Als nämlich im Januar dieses Jahres die Polizei eine Hausdurchsuchung vornahm, lag in der Wohnung alles kreuz und quer durcheinander rum. Damit nicht genug: Im Kinderzimmer fanden die Beamten zwei Pornohefte und erotisches Sexspielzeug- alles offen zugänglich.

Ob die Aussage der Mutter des Steigerwäldlers, wonach "eigentlich immer alles picobello sauber war", stimmt oder ob es nicht vielmehr wie bei Hempels unterm Sofa aussah, wird am 2. Oktober geklärt, wenn die Verhandlung fortgesetzt wird. Dann wird das Jugendamt gehört, dessen Mitarbeiter bereits mehrfach vor Ort waren. Die Verteidigung hat als weiteren Zeugen einen Tierarzt benannt, der belegen soll, dass die Tierhaltung einwandfrei gewesen sei.

Wenn ein Tier nicht richtig frisst oder säuft, stimmt etwas nicht.

Roland Wiltschka, Amtsrichter


    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • MySpace
  •  
  • Twitter
  •  
  • StudiVZ / MeinVZ
  •  
  • Google
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf np-coburg.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Hassberge

Geranien brauchen eine gute Erde

Geranien brauchen regelmäßig Wasser, denn der Wurzelballen sollte nicht austrocknen. Auf der anderen Seite darf man sie aber auch nicht zu viel gießen, denn sie reagieren empfindlich auf Staunässe. An heißen Tagen sollte man deshalb morgens und abends gießen, am besten mit abgestandenem Wasser. »mehr
    
    

 
Resignieren kam für ihn nie in Frage

Eltmann trauert um den Altbürgermeister Heinz Krönert. Der frühere stellvertretende Landrat stirbt mit 74 Jahren. »mehr
    
 
    

 
Bagger starten mit Abrissarbeiten am Hallenbad Ebe...

Während der Stadtrat Ebern zum ersten Mal Einblick in die konkrete Planung des neuen Hallenbades bekommen hat, laufen be... »mehr
    
 
    

 
Vollbremsung gehört zum Unterricht

Mädchen und Jungen der Realschule Ebern nehmen an einer etwas anderen Verkehrserziehung teil. Dabei erleben sie hautnah,... »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    

BFV.TV - Das Bayerische Fußballmagazin 

BFV.TV bietet als offizielles Video-Portal des BFV aktuelle Meldungen, Spiel- und Hintergrund- berichte der Regionalliga »mehr
    
Anzeige
    

Magazine

Gartenpost 14.05.2013
Pflegemagazin
Mit den Fahrrad unterwegs
Frankenreiter 2013
Wirtschaftsnews Oberfranken April 2013
Bikers Guide FP 2013
Bauen u. Wohnen März 2013
Handwerksführer Februar 2013
Thüringen im Blick
Wir Heiraten 2013
Wandern im Fichtelgebirge
Leserreisen 2013
Trauermagazin
    
Anzeige
Marktplatz
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    


    
Zur Kinderzeitung

Wie lassen sich Fische besser schützen?

Als Stäbchen und mit Ketchup. Oder im Stück mit Gräten vom Grill: Fisch mögen viele Leute. So viele, dass es immer weniger Fische im Meer gibt. Deshalb wird gerade ziemlich heftig über Fisch gestritten. »mehr
    
    
Leseranwalt

Nie querfeldein durch den Wald

Frage zum Tage
Die warme Sommerzeit bietet ideale Bedingungen für eine Fahrradtour. Oftmals führt der Weg dabei durch den Wald. Ein Leser, der gerne mit seinen Freunden auf dem Mountainbike unterwegs ist, ist sich unsicher, ob das überhaupt erlaubt ist und fragt bei der Neuen Presse nach. »mehr
    
    

Die historische Stadt 

Die Webcams der VR-Bank Coburg eG und der Stadtwerke-Tochter süc//dacor bieten aus verschiedenen Blickwinkeln aktuelle Kamerabilder von der Stadt Coburg. »mehr
    
    

Börseninformationen