zuletzt bearbeitet: 20.02.2012 19:53 Uhr
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Landwirte fürchten Umverteilungskampf
Die Kreisgruppe Kronach im bayerischen Bauernverband (BBV) hat große Bedenken gegenüber der geplanten EU- Agrarreform. Sie befürchtet finanzielle Verluste für die Landwirte.
Kronach - Das haben der neue BBV-Obmann Erwin Schwarz, Kreisbäuerin Rosa Zehnter, der Vorsitzende des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung (VLF), Reiner Wittmann, sowie Guido Winter, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach-Kronach, beim Redaktionsgespräch mit der Neuen Presse deutlich gemacht. Es werde einen "Umverteilungskampf" geben, meinte Erwin Schwarz: "Jeder will was von dem Geld haben, aber der Topf ist begrenzt." Seine Befürchtung: Wegen ihrer höheren Erzeugerpreise könnten deutsche Bauern das Nachsehen haben. Gerade für die Landwirte im Landkreis Kronach könnte sich das fatal auswirken. Sie hätten ohnehin mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen: zum einen wegen der kleinteiligen Flächenstrukturen, zum anderen wegen Grenzertragsböden und hügeligen Geländestrukturen. "Wir müssen aufpassen, dass uns nicht zu viel abgezogen wird", warnte Erwin Schwarz. Gerade für die Milcherzeuger werde es schwierig, weiter zu wirtschaften wie bisher. "Sie werden künftig noch mehr arbeiten müssen", prophezeite der BBV-Kreisobmann. Dadurch verringere sich die Zahl der Betriebe möglicherweise noch stärker als bisher. Ende September 2011 habe es im Landkreis Kronach noch rund 110 Milchwirtschaftsbetriebe gegeben. "Mittlerweile sind wir wahrscheinlich nur noch bei 100", schätzte Erwin Schwarz - Tendenz: fallend. Der Kreisobmann: "Es wird jedes Jahr weniger Milch geliefert, die Quote wandert nach Norddeutschland ab." Dabei erfüllten die Milchviehbetriebe wichtige Aufgaben - unter anderem sorgten sie für den Bestand von Arbeitsplätzen in den Molkereien in Bayreuth sowie in Wiesenfeld bei Coburg. "Das ist ein starker Wirtschaftszweig", betonte Schwarz. Direktvermarktung sei für die meisten Landwirte keine Alternative. Man habe gute Direktvermarkter im Landkreis, meinte Erwin Schwarz. Aber mehr könnten es nicht werden, weil die Käufer fehlten.
Skeptisch bewerteten die Landwirte die These des EU-Agrarpolitik-Experten Lutz Ribbe, der in der geplanten Agrarreform Chancen für die regionale Landwirtschaft sieht (Neue Presse vom Montag). Diese Ansicht sei "sehr spekulativ", meinte Guido Winter. Fakt sei hingegen, dass es bei den Direktzahlungen Absenkungen geben werde. Er sehe auch die Gefahr, dass es bei den Ausgleichszahlungen für benachteiligte Regionen zu Änderungen kommen könne, weil die entsprechenden Gebietsgrenzen neu gezogen würden. "Wir gehen zwar davon aus, dass der Landkreis Kronach weiter dazugehören wird, aber sicher ist das nicht", berichtete Winter.
Nicht sonderlich glücklich zeigten sich die Landwirte mit dem in der Agrarreform vorgesehenen "Greening", also den Maßnahmen, die für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft sorgen sollen. Auch das könnte Einkommensverluste für die Landwirte bedeuten, befürchtete Erwin Schwarz. Bisher seien Maßnahmen wie die Einhaltung bestimmter Fruchtfolgen freiwillig und könnten durch das Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) gefördert werden. Nun würden die Landwirte dazu verpflichtet und die Fördermittel entfielen.
Reiner Wittmann verwies darauf, dass die Agrarreform eher zu einer Extensivierung der Flächenbewirtschaftung führe. Um dieselben Erträge wie bisher zu erzielen, brauche man daher mehr Flächen. "Aber die stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung, sondern sie sind schon jetzt knapp", meinte Wittmann. big
BBV-Obmann Erwin Schwarz
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