zuletzt bearbeitet: 27.02.2012 15:58 Uhr
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Mätschen gibt's nur hier
Das Traditionsspiel existiert heute nur noch in Heinersdorf. Friedersdorfer sollen es vor dem Bau der Mauer nach Thüringen importiert haben. Im Dorf an der ehemaligen Grenze gleich hinter Welitsch geht bei jedem Turnier die Post ab.
Heinersdorf - Sucht man im Internet nach dem Begriff Mätschen, findet man - nichts. Im Heinersdorfer Mätschverein ist man sich sicher: Dieses Spiel gibt es nur noch im ehemaligen Grenzdorf. Gerüchten zufolge soll es kurz nach dem Krieg aus Friedersdorf importiert worden sein. "Aber sicher ist nichts", erklärt der Vorsitzende des Heinersdorfer Mätschvereins, Nico Fischer, grinsend. Nur eines weiß er ganz genau: Das erste Mätsch stand in den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts "bei der Fanny", einem Bierkeller. Doch was ist nun Mätschen? Im Grunde ist es ein Reaktionsspiel. Das Spielfeld ähnelt einem Billardtisch und heißt Mätsch. Die Spielfläche ist glatt, so dass kleine Kugeln aus Eisen und ein roter Plastikball gut rollen können. Es gilt, den roten Ball mit sechs Eisenkugeln ins gegnerische Tor zu schießen. Zwei Mannschaften mit jeweils drei Teilnehmern treten gegeneinander an. Die Spieler postieren sich an den Stirnseiten. Dort ist an jeder Ecke und in der Mitte ein dreieckiges, bewegliches Steuer angebracht. Von dort lässt man eine Eisenkugel ins Spielfeld rollen, um damit die rote Plastikkugel ins gegnerische Tor zu bugsieren. "Anschieben ist verboten", sagt Nico Fischer. Dabei zwinkert er mit den Augen, denn beim Zuschauen wird schnell klar: Fast jeder gibt seiner Kugel einen Schubs - vor allem dann, wenn die drei Schiedsrichter gerade nicht hinschauen. Die Spieler greifen sich immer wieder die freien Eisenkugeln. Dabei geht es unheimlich flott zur Sache. Wie treffsicher so mancher ist, erstaunt. Hat eine Mannschaft drei Tore erzielt, werden die Seiten gewechselt. Wer als Erster sechs Tore geschossen hat, hat gewonnen.
Jeden Sonntag wird im Vereinszimmer der Mätscher im Kulturhaus in Heinersdorf trainiert. "Die Reaktionsschnelligkeit kann man schulen", erklärt Nico Fischer. Die 40 Mitglieder des im Jahr 2008 gegründeten Vereins nehmen ihre Sache ernst und üben fleißig.
Zweimal im Jahr messen sie bei einem Turnier ihre Kräfte. Eines findet jeweils während des Faschings statt. "Das richten die Heinersdorfer Bulldocks aus - das ist ein Wanderverein", erzählt der Vorsitzende. Das zweite Turnier organisert der Mätsch-Verein selbst - meistens im Herbst.
Am diesjährigen Faschingsturnier nehmen zwölf Mannschaften teil. Die haben so klangvolle Namen wie "Die Tornados", "Die Ziegelhütten-Gang" oder "Ündesch Doof". Der Sieger bekommt einen Wanderpokal. Weil es das Turnier seit 2003 gibt, sind schon neun Siegermannschaften in die Trophäe eingraviert. Mehrfachpokalsieger ist die Mannschaft "Ündesch Doof", deren Mitglied Frank Rebhan ist. Der junge Mann ist aufgeregt: "Ich schlafe schon zwei Nächte nicht mehr. Das nimmt mich echt mit."
Am Ende ist die Aufregung wohl zu groß: Frank Rebhans Team "Ündesch Doof" belegt den vierten Platz. Sieger sind die "Speed Devils" - die teuflisch schnellen Mätscher dürfen den Pokal bis zum nächsten Turnier im Fasching 2013 mit nach Hause nehmen.
Frank Rebhan
Sechs Eisenkugeln und eine Plastikkugel sind beim Mätschen im Spiel. "Mit den Eisenkugeln bekommst du Schwung. Die Plastikkugel nimmt auf der schlagfesten Kunststoffplatte gut Geschwindigkeit auf", erklärt der Vorsitzende des Heinersdorfer Mätschvereins, Nico Fischer.
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