zuletzt bearbeitet: 11.09.2011 22:47 Uhr
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Ohrwurm-Alarm in Schmölz
Bei den Schmölzer Bluestagen gibt es Musik für Beine, Kopf und Herz. Balladen zum Schluchzen wechseln sich mit Musik voller Angriffslust ab. Hunderte von Fans pilgern dafür ins Festzelt.
Schmölz - "Blues ist bunt!", lautete das Motto der diesjährigen Schmölzer Bluestage, zu denen am Wochenende Hunderte von Fans aus nah und fern ins Festzelt beim Schloss gepilgert waren. Die "Poachers" aus dem Kronacher Raum nahmen den Slogan wörtlich und trieben es in der Nacht auf Sonntag ganz schön bunt. An ihrer Musik hätten auch Metal-Freaks, die auf "Motörhead" stehen, gefallen gefunden. Dementsprechend geteilt war die Meinung im Festzelt, das sich beim Auftritt der heimischen Band schon merklich geleert hatte.
Boogie, Blues und Rock'n'Roll waren bei den Rockwilderern aus dem Frankenwald zur Fußnote im satten Punk'n'Roll-Sound verkommen, der die Ohren gehörig vibrieren ließ. Wie dem auch sei: Andreas Mainz (Gitarre und Gesang), Thorsten Wich (Bass) und Sebastian Marr (Schlagzeug) verstellten sich nicht, sondern zogen mit viel Können ihren musikalischen Stiefel durch.
Die Big Band "2nd Line & Helen's Horns" hatte aus organisatorischen Gründen am Freitagabend die Segel streichen müssen. Mit dem ebenfalls aus Nürnberg stammenden Trio "Alligators Of Swing" fand man würdigen Ersatz. Ihr locker-leicht geschlagener Sound, zwischen Blues, Swing, Boogie Woogie und Soul, war am Freitag der perfekte Appetitanreger für einen gelungen Musikabend. Immer im Mittelpunkt stand Saxophonist Stefan Scholz. Mit bestechender Lässigkeit erschuf er ein prickelndes, farbenfrohes Klangspektrum, das von forschem Schnarren bis hin zu verzückter Schwärmerei reichte. Und das Publikum? Es biss sich fest am swingenden Sound.
Auf die Leichtigkeit des bluesmusikalischen Seins folgte ein rustikaler, von Rockelementen durchzogener Sound, der die Lebensgeister weckte. Dafür verantwortlich zeichneten der amerikanische Vollblutmusiker Jo Jonathan und seine Mitstreiter aus Deutschland. Sie schlugen zwar keine kreativen Purzelbäume, doch mit Songs wie "Shake Your Body" herrschte zur Freude des Publikums, das ausgelassen tanzte, Ohrwurmalarm. Obendrein erschuf das Quartett atmosphärisch dicht gewebte, schwermütige Balladen zum Schluchzen schön.
Ein Mundharmonikavirtuose aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, mitunter dem Rausch der Geschwindigkeit erlegen, rundet das Programm ab. Sein Name: Mark Hummel. Mit seiner Mundorgel, die lautstark dröhnte, heulte, jaulte und quietschte, setzte er stets passende, aber nie übertriebene Akzente. Die "Backscratchers" aus Deutschland und Finnland begleiteten das Ganze mit coolen Gitarrenakkorden und einer kompakten Rhythmuseinheit, zu der sich prima tanzen ließ. Das war Musik für Beine, Kopf und Herz.
Das Duo "Big J. & Harpface" aus Oldenburg zeigte am Samstagabend eindrucksvoll, dass man auch im schlichten, urigen Akustikgewand Musik voller Angriffslust und Emotionen erzeugen kann. Songs, wie das zornige "Mean To The Bone" oder das aufs Wesentliche reduzierte "Rolling Stones"-Cover "Miss You", waren aus dem kreativen Holz geschnitzt, bei dem traditionellen Blues-Freaks das Wasser im Munde zusammenläuft.
Die Gruppe "Dynamite Daze" machte ihrem Namen alle Ehre: Mit einer explosiven Mischung aus Rock, Funk und Blues zogen die Musiker aus Deutschland, Schottland und Italien das Publikum in ihren Bann. Der temporeiche, wuchtige Sound, die schroffe Reibeisenröhre von Sänger Dietrich Metzger und der Hang zu Gruselstorys, der sich mitunter in gespenstisch-schaurigen Klanggebilden widerspiegelte, machte das Quartett zu etwas Besonderem.
Zum Frühschoppen am Sonntagvormittag heizte das Duo "Big J. und Harpface" den Bluesfans noch einmal ein, ehe dann die deutsche Band "Colinda" mit fröhlichen Zydeco-Klängen aus Louisiana zum Zapfenstreich blies.
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