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Gegen das Vergessen

Seit etwa 20 Jahren treffen sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft Synagoge und engagierte Bürger am jüdischen Friedhof in Burgkunstadt. Gemeinsam feiern sie Rosch Haschana.

Von Gerda Völk
  • Bei einem Rundgang über den jüdischen Friedhof erklärt Inge Goebel verschiedene Grabinschriften. Foto: gst
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Burgkunstadt - "Der Beginn des neuen Jahres im jüdischen Jahreskreis ist traditionell der Tag an dem der Verstorbenen gedacht wird", erklärt Inge Goebel. In diesem Jahr haben sich 17 Personen am Friedhof eingefunden, darunter auch einige Vertreter verschiedener politischer Gemeinden. Inge Goebel spricht in Vertretung für den erkrankten Heimatforscher und Theologen Josef Motschmann.

"Die Erinnerung an die Toten wach zu halten, ist ein zentrales Gebot", sagt sie. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft Synagoge möchten dies in Vertretung für die Juden tun, die nicht mehr die Gräber ihrer Verstorbenen besuchen können. Die Feier findet im vorderen Teil des jüdischen Friedhofs statt. Von weltlichen Treiben unten in der Stadt ist auf der Anhöhe kaum etwas zu hören. Über der Gedenkfeier liegt eine friedliche, beinahe ehrfürchtige Stille.

Mit ruhiger Stimme macht Inge Goebel deutlich, dass das Gedenken an "Rosch Haschana" auf verschiedene Weise geschehen kann: Durch das Entzünden einer Kerze, der Nennung des Namens in der Synagoge, durch den Besuch auf dem Friedhof oder durch das Setzen eines Grabsteins. Später bei einem Rundgang durch die Gräberreihen wird deutlich, wie wichtig dieses Erinnern im Judentum genommen wird. Manch ein Verwandter aus dem fernen Amerika hat seinen Verstorbenen einen Grabstein gesetzt.

Rosch Haschana ist der Beginn einer zehntägigen Zeit der Buße und des Fastens, die mit Jom Kippur, dem Tag der Versöhnung endet. "Nach dem jüdischen Kalender war dies der vergangene Samstag", erklärt Goebel. Am Versöhnungstag geht es um Buße, Reue und Vergebung. An diesem Tag versöhnen sich die Menschen mit der Familie, den Mitmenschen, den Nachbarn und der Gemeinde; Fremde und Andersgläubige werden dabei mit eingeschlossen.

Hans Peter Marx erinnerte an die einstige Größe der jüdischen Gemeinde in Burgkunstadt und Umgebung. Auch wenn die Anwesenheit von Juden in der Gesellschaft über Jahrhunderte selbstverständlich war, waren sie meistens nicht als gleichberechtigt akzeptiert. Benachteiligungen in vielen Lebensbereichen waren an der Tagesordnung.

Wie stark das jüdische Brauchtum in der Gesellschaft verwurzelt war, das zeige der Begriff "Sündenbock". An Jom Kippur bekam ein Widder als Sündenbock symbolisch die Sünden aufgebürdet und wurde in die Wüste geschickt. Das Dritte Reich schickte die Juden als Sündenböcke nicht in die Wüste, sondern ins Gas. Millionen kamen darin um.

Marx plädierte dafür, jeden Menschen als Persönlichkeit mit all seinen Stärken und Schwächen und mit all seinen Eigenheiten und Besonderheiten zu akzeptieren. "Wenn wir tagtäglich gegen Hass und Intoleranz eintreten, können wir mithelfen die Welt etwas friedlicher zu machen", schloss er.

    
    

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