zuletzt bearbeitet: 26.05.2012 06:03 Uhr
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VGN-Beitritt rückt in greifbare Nähe
Die Mitglieder des Kreisentwicklungsausschusses sprechen sich für den Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg aus. Frühster Eintrittstermin ist der 1. Januar 2014.
Lichtenfels - Der Beitritt des Landkreises zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) nimmt Formen an. Bei der jüngsten Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses sprachen sich die Mitglieder dafür aus. Frühster Eintrittstermin ist der 1. Januar 2014. Noch in diesem Jahr muss der Antrag gestellt werden. Zugreisende und Benutzer der Busse benötigen dann nur noch einen Fahrschein im gesamten Verbundsystem. Landrat Christian Meißner stellte in Aussicht, dass die Fahrscheine für die Nutzer billiger werden könnten.
Der Einzugsbereich des VGN erstreckt sich über 14 000 Quadratkilometer und ist der zweitgrößte in Deutschland. Er bietet eine neue einheitliche Tarifzone für den gesamten Landkreis. Eine Fahrkarte von Lichtenfels nach Coburg würde anstatt derzeit 5,30 Euro nur noch 3,80 Euro kosten. Noch günstiger wird das VGN-Angebot, wenn der Fahrgast auf eine weiteres Fahrzeug des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) umsteigt, weil auch dort der VGN-Tarif gilt.
Für den Beitritt müsse der Landkreis aber zunächst zum Ausgleich günstiger Verbundangebote kräftig investieren, erläuterte Wirtschaftsförderer Helmut Kurz. Mit rund 410 000 Euro im Eintrittsjahr müsse man rechnen. Im folgenden Jahr seien es immer noch 150 000 Euro. Die Kosten errechneten sich aus der Installation für Fahrkartenentwerter oder Bordcomputer bei Bussen. Die Investition in ein umweltfreundliches öffentliches Nahverkehrsnetz habe aber nur Sinn, wenn der Landkreis die vertragliche Zusicherung bekomme, dass die Verbindlichkeiten nach und nach auf null reduziert werden, unterstrich der Wirtschaftsförderer. "Sonst müssen wir die Beitrittsverhandlungen abbrechen", ergänzte der Landrat.
Helmut Kurz versuchte das komplizierte Finanzsystem zu erklären. Einnahmeverluste der privaten Verbund-Unternehmen durch verbilligte Tarife müssten kompensiert werden. Josef Stark, SPD, stellte die Frage, ob denn die Kommunen nach dem Beitritt weiterhin den Nahverkehr bezuschussen müssten. Darauf wussten Landrat und Wirtschaftsförderer noch keine Antwort. Das bleibe einer weiteren Prüfung vorbehalten, hieß es. Winfred Bogdahn betonte, dass nicht nur Pendler begünstigt werden, sondern auch der Klimaschutz und der Tourismus.
Den Wegfall des ICE-Halts in Lichtenfels im Jahre 2017 brachte Bernhard Christoph, Bündnis 90/Die Grünen, ins Gespräch. Pendler könnten den Verlust durch den VGN-Einheitstarif ausgleichen. Der Stellvertreter des Landrats, Helmut Fischer, CSU, hielt den Beitritt für sinnvoll und logisch, weil der Landkreis bereits der Metropolregion Nürnberg angehöre. "Wir müssen das ganze Paket nehmen und nicht nur die Rosinen herauspicken", sagte er sinngemäß. Anna Maria Hofmann, CSU, erkundigte sich nach einem möglichen Ausstieg aus dem Verbund. Christian Barth, CSU, war uneingeschränkt für den Beitritt.
Klimaschutzkonzept
Ein weiterer Tagesordnungspunkt war das Klimaschutzkonzept, das Jörg Wicklein von der Energie Effizienz Beratung Coburg erläuterte. Vordringlichstes Ziel sei die Energiekosteneinsparung. Die Kosten würden sich in den kommenden Jahren von 200 Millionen im Jahr 2010 auf 300 und im Jahre 2030 sogar auf 439 Millionen Euro erhöhen. Auch in der Kohlendioxyd-Schadstoffbilanz müsse nachgebessert werden, um das Ziel, 40 Prozent weniger Treibhausgase im Jahr 2020, zu erreichen. Allein mit Bäume pflanzen sei das nicht zu erreichen. Um Co2-neutral zu sein, müsste man die doppelte Fläche des Landkreises bepflanzen. Im Jahr 2010 wurden insgesamt 742 000 Tonnen CO2 produziert. Mit Windkraftanlagen könnte man aber diesen Schadstoffausstoß um 14 Prozent verringern. Im Landkreis Lichtenfels gebe es 41 Vorrangflächen auf die man 41 Anlagen bauen könnte.
Die Mitgliedschaft zum Technologiezentrum Automotive Coburg (TAC) strebt der Kreisentwicklungsausschuss nicht mehr an. Dazu erklärte Helmut Kurz: "Es fehlt die Verankerung in der heimischen Wirtschaft." In den vergangenen fünf Jahren, dem Förderzeitraum, sei nur eine Firma mit dem Zentrum in Kontakt getreten. Für die Jahre 2012 bis 2014 solle nun ein Beitrag von 37 500 Euro eingebracht werden. Das lehnte der Ausschuss ab.
Die Ausschreibungen für einen Regionalmanager "Region Obermain" laufen, teilte der Landrat mit. Auch ein Zukunftscoach werde gesucht. Er solle durch Initiierung und Umsetzung eines Maßnahmenbündels im Bereich der Humanressourcen zur Bewältigung der demografischen Entwicklung beitragen. Erfreuliches konnte Landrat Meißner in Sachen Klinikum berichten. Fördermittel "Aufbruch Bayern" für das Green Hospital des neuen Helmut-G.-Walther-Klinikums in Höhe von zwei Millionen Euro würden schon dieses Jahr bereitgestellt und nicht erst, wie angekündigt, im Jahre 2014. aw
Landrat Christian Meißner
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