In einem tiefen, dunklen Wald geschehen gar schauerliche Dinge. Das wissen wir seit den frühen Kindertagen. Das weiß auch Paul Maar. Wohl nicht zuletzt deshalb hat er vor mehr als zehn Jahren ein wundervolles Märchen geschrieben, das die Ereignisse "in einem tiefen, dunklen Wald" aus einem etwas anderen Blickwinkel erzählt als aus dem furchterregenden.
Natürlich kam das Märchen auch auf die Bühne. Das Nürnberger Kindertheater "Pfütze" bekam für seine Interpretation sogar den Bayerischen Theaterpreis. Deshalb durfte man gespannt sein, wie die Maßbacher in der Regie von Thomas Klischke das Originalstück von Paul Maar und Rainer Lewandowski auf der Freilichtbühne lebendig werden lassen.
Und siehe da: Herausgekommen ist eine witzige und lebensweise Geschichte mit vielen kleinen aber feinen Einfällen, die die jungen Zuschauer (empfohlen ab 5) über eine Stunde lang gefangen nimmt. Die gebannte Aufmerksamkeit von Kindern während einer Theatervorstellung ist so selbstverständlich ja nicht, jedenfalls nicht über einen längeren Zeitraum.
Zur Vorbeugung vor Unruhe oder gar Chaos streuen die Theatermacher meist irgendwelche Gags in die Handlung, die das Publikum bei der Stange halten soll. Bei dieser Inszenierung ist das anders. Da kommen Witz und Gags und Spannung von innen, aus der Handlung, über die Spielfreude der Schauspieler - ihre erfrischende Weise, selbst Nebensächlichkeiten mimisch und gestisch in Szene zu setzen - direkt zu den jungen Zuschauern.
Paul Maars Geschichte spielt mit Mythen und Märchen bewundernswert leicht-sinnig. Da gibt es auf der einen Seite selbstverständlich die üblichen Verdächtigen und die übliche Equipage: Könige, Königinnen, Prinzessinnen, Prinzen, Diener, Bauern (märchenhafte Kostüme von Maika Schörbel), Schlösser, Ländereien und vor allem Wald und noch einmal Wald (ein Fantasie animierendes und sehr praktikables Bühnenbild von Heike Mondschein). Und dann gibt es natürlich eine Menge Untiere, deren grausamen Walten man nur andeutungsweise sieht, wenn wieder mal die Schafwöllchen durch die Luft fliegen oder für Sekunden ein Untierschnabel hinterm Gebüsch erscheint.
Auf der anderen Seite sind die Geschöpfe, ob blau-, warm- oder kaltblütig, auch nur Wesen wie du und ich. Also im Grunde komische Figuren mit mehr oder weniger Herz, Verstand und Mut. Prinzessin Henriette-Rosalinde-Audora (Silvia Steger) ist so ein Persönchen, ein verzogenes Gör, mit dem Vater und Mutter (Philipp Locher und Susanne Pfeiffer) ihre liebe Not haben. Kein Prinz passt ihr als Gemahl und deshalb nun der letzte Versuch: Prinzesschen begibt sich freiwillig (aber mit großem Handgepäck) in die Höhle eines vegetarischen Untiers, um sich von einem Prinzen retten zu lassen. Der soll's dann sein.
Aber alles kommt dann anders als sie denkt. Dazu trägt auch Prinzessin Simplinella vom Königreich weiter nördlich bei (Iris Faber), die als Prinz verkleidet und von einem Bauernburschen (Nilz Bessel) begleitet halbwegs tapfer durch den Wald schreitet, um ihre Kollegin zu retten.
Die fünf Schauspieler sind in diesem Stück enorm gefordert. Sie müssen in der kurzen Zeit in sage und schreibe 26 Rollen wechseln. Und sie tun das mit Bravour. Hut ab vor dieser Leistung und Respekt vor dieser Inszenierung. So sollte Kindertheater sein - vergnüglich, spannend, ein bisschen lebensweise und mit einer großen Prise verständlicher Ironie versehen.
Die Maßbacher spielen "In einem tiefen, dunklen Wald" bis 5. August auf ihrer Freilichtbühne. Informationen: Telefon 09735-235 oder www.fraenkisches-theater.de


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