Kaltenbrunn - Bei einem Großbrand ist am frühen Montagmorgen am Gebäude der Brauerei Schleicher in Kaltenbrunn Sachschaden in Höhe von rund 750 000 Euro entstanden.
Nach ersten Angaben der Polizei hatte ein Zeitungsausträger kurz vor 4 Uhr entdeckt, dass Flammen aus dem Dach eines Produktionsgebäudes in der Coburger Straße schlagen und umgehend die Rettungskräfte alarmiert. In kurzer Zeit trafen insgesamt 14 Feuerwehren, darunter auch sieben aus dem benachbarten Landkreis Haßberge, an Ort und Stelle ein und begannen mit der Bekämpfung des Feuers. Schon auf der Anfahrt sahen die Einsatzkräfte Flammen meterhoch aus dem Dachstuhl in den Himmel schlagen. Bei ihrem Eintreffen stand der Dachstuhl bereits im Vollbrand.
Rund 150 Feuerwehrleute kämpften zum Teil unter schwerem Atemschutz fast zwei Stunden lang gegen das Feuer. Erst gegen 6 Uhr waren die letzten Flammen gelöscht. Zum Einsatz kamen auch zwei Drehleitern der Feuerwehren aus Ebersdorf und Ebern, das Technische Hilfswerk (THW) leuchtete die Einsatzstelle aus. Trotz starken Funkenfluges gelang es den Feuerwehren in der engen Bebauung, ein Übergreifen auf benachbarte Wohnhäuser und Scheunen zu verhindern.
Die Kriminalpolizei Coburg nahm noch in der Nacht ihre Ermittlungen auf. Ursächlich für den Brand dürfte nach ersten Erkenntnissen ein technischer Defekt gewesen sein. Erst vor knapp zwei Jahren hatten die Besitzer einen Großteil des Brauereigebäudes, in dem sich auch das Sudhaus befindet, renoviert, teilte die Polizei mit.
Storchennest-Schornstein
Maria Döllinger, Ehefrau des Inhabers Oskar Döllinger, steht am Montagvormittag im Hof der Traditionsbrauerei und kann noch immer nicht fassen, was in den Stunden zuvor passiert ist. Vom Dachstuhl steht nur noch das Gerippe, Holzbalken ragen in den verregneten Himmel, auf einem der Schornsteine befindet sich ein Storchennest, dass alljährlich einer Storchenfamilie im Itzgrund als Quartier dient.
Was der Brand für die Traditionsbrauerei bedeutet, die es in Kaltenbrunn seit 1880 gibt und die seitdem in Familienbesitz ist, lässt sich derzeit schwer sagen. "Wir hoffen, dass wir alles wieder aufbauen können", sagt Maria Döllinger hoffnungsvoll. Insgesamt sind in dem Betrieb fünf Personen beschäftigt - drei Familienmitglieder und zwei Angestellte.
Erst vor rund zwei Jahren hatte das Familienunternehmen kräftig in die Brauerei investiert und ein neues Sudhaus gebaut. Davon dürfte jetzt ein Großteil zerstört sein. Der gesamte Dachstuhl ist ausgebrannt, darunter befindet sich im Erdgeschoss vor allem viel Technik und Elektrik, die wohl durch das Löschwasser auch erheblich beschädigt worden sein dürfte. Die Inhaber konnten das Gebäude am Montag zunächst nicht betreten, solange bis die Brandfahnder ihre Arbeit abgeschlossen hatten.
"Mutterstück" betroffen
Dort wo es gebrannt hat, das ist nach Döllingers Worten sozusagen das "Mutterstück" der einstigen Brauerei. Alle Gebäude außen herum sind in den Jahren danach angebaut worden. Nach und nach ist die Brauerei gewachsen, 1990 haben Oskar und Maria Döllinger die Geschäfte übernommen. Derzeit stellt die Brauerei Schleicher sechs Sorten Bier und 20 Sorten alkoholfreie Getränke her. Zu den Kunden gehören hauptsächlich Abnehmer in der Region.
Wann und wie die Produktion weitergeführt werden kann, stand am Montag nicht mit Gewissheit fest. Wie Maria Döllinger unserer Zeitung sagte, habe die Brauerei derzeit genügend Vorrat, um die Kunden zu beliefern: "Das reicht ein paar Wochen. Wir können den Abverkauf vermutlich normal durchführen."
Das Feuer hat in der Nacht freilich auch den Einwohnern von Kaltenbrunn einen gehörigen Schrecken versetzt. Fassungslos stehen einige bei strömendem Regen auf der Straße und verfolgen die Löscharbeiten. "Das ist furchtbar", sagt ein älterer Mann.
Gut funktioniert hat offenbar die Rettungskette, wie Kaltenbrunns Feuerwehrkommandant Karl-Ludwig Schmidt der Neuen Presse am Montagvormittag sagt. Er selbst wohnt nur einen Steinwurf von der Brauerei entfernt und wird kurz vor 4.00 Uhr durch heftiges Klingeln aus dem Schlaf gerissen. Der Zeitungsausträger, der das Feuer bemerkt, eilt sofort zum Wohnhaus des Feuerwehrkommandanten und informiert ihn über das Feuer. Schmidt lässt um 3.52 Uhr über die Feuerwehreinsatzzentrale in Coburg sofort Alarm für die Feuerwehren in Kaltenbrunn und Umgebung auslösen. Zunächst wird Alarmstufe 2 ausgelöst, kurz darauf auf die für Brände höchste Alarmstufe 3 erhöht.
Nach und nach treffen insgesamt 14 Feuerwehren aus Kaltenbrunn, Recheldorf, Schottenstein, Memmelsdorf, Gleußen, Lahm, Welsberg, Herreth, Ebersdorf, Ebern, Obermerzbach, Gereuth, Untermerzbach und Wüstenwelsberg ein. Zudem kommt der "Gerätewagen Licht" der Feuerwehr Grub am Forst zum Einsatz. Des Weiteren eilen das THW mit zehn Helfern, Rettungsdienst und BRK-Bereitschaften mit 25 Kräften und die Polizei mit sechs Mann an den Brandort. Vor Ort leitet Kreisbrandrat Sandor Aladi die Arbeiten, unterstützt von seinem künftigen Nachfolger Manfred Lorenz.
Von dem Gebäude ist vermutlich nicht mehr viel zu retten. Der Dachstuhl wurde komplett zerstört. Und, wie Schmidt sagt, es sind auch Teile der Decken nach unten durchgebrochen.
Dank des raschen Eingreifens der Feuerwehr habe für die Wohnhäuser und Gebäude in der Umgebung keine Gefahr bestanden, sagt Kommandant Karl-Ludwig Schmidt. Ein Feuerwehrmann wurde bei den Löscharbeiten leicht am Fuß verletzt.
Die Untersuchungen der Brandfahnder der Kripo Coburg dauerten bis in den Nachmittag hinein an. Nähere Angaben zur Ursache des Feuers konnte die Polizei bislang nicht machen.
Erst vor wenigen Tagen hatte es in der Brauerei schon einmal Aufregung gegeben. Im Keller hatte es beim Betrieb eines Blockheizkraftwerkes mehrere Stichflammen gegeben, wie Maria Döllinger gegenüber der Neuen Presse sagte. Zum Glück aber blieb der Schaden gering.




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