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Ressort Coburg-Land
Erschienen am 15.09.2007 00:00
LIVE-ROLLENSPIELE
Du kannst, was du darstellen kannst
„Die Gilde“ möchte Anfängern den Einstieg erleichtern / „Besser als vor dem Computer zu hocken“
VON FLORIAN VÖLKL
Live-Rollenspiele erfreuen sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit in Deutschland. In Coburg gibt es nun auch einen Verein, der sich dem weitgehend unbekannten Hobby widmet.
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Franz Aschenbrenner verkörpert einen Samurai-ähnlichen Krieger.
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COBURG – Mit dem Begriff „LARP“ können wohl die wenigsten Leute etwas anfangen – obwohl die größten Veranstaltungen in Deutschland bis zu 5000 Mitspieler aus aller Welt anlocken.

LARP, das bedeutet „Live Action Role Play“, also Live-Rollenspiel, und die Veranstaltungen werden als „Convention“, kurz „Con“, bezeichnet. Doch was macht man als LARPer und was geschieht auf einer Con, wo man doch Rollenspiele üblicherweise als Brett- oder Computerspiel kennt?

Jeder der Teilnehmer verkörpert während einer Con, die meistens mehrere Tage dauert, einen Charakter mit eigener, selbst ausgedachter Biografie, individuellen Eigenschaften und -arten und oft handgenähtem Kostüm, im Fachjargon: „Gewandung“. In den meisten Fällen sind diese Conventions thematisch im Fantasy- oder im Mittelaltergenre angesiedelt, also irgendwo zwischen „Der Herr der Ringe“ und der Arthussage. Der Kreativität der Akteure sind allerdings fast keine Grenzen gesetzt.

Entsprechend vielfältig sind die Figuren, die man dort beobachten kann, zumal oft auch die Regel „Du kannst, was du darstellen kannst“ gilt: Ein Samurai liefert sich einen Schwertkampf mit einem Ritter, ein Zwerg macht einer hübschen Prinzessin den Hof, ein Magier braut einen Zaubertrank und in der Taverne sitzt ein fürchterlich dreinblickendes Monster einem kultiviert aussehenden Barden gegenüber und fordert ihn zum Würfelspiel heraus.

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Ambiente im
Mittelpunkt

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Ein allgemeines Ziel, wie bei einem Brettspiel, gibt es häufig nicht. Vielmehr steht das Ambiente, die (Selbst-) Darstellung und die Interaktion der Charaktere im Mittelpunkt einer Con. Es soll ein in sich schlüssiges, aber nicht unbedingt realistisches Szenario geschaffen werden, in einer Welt, die von den Spielern gestaltet wird.

Um das LARPen bekannter zu machen, eröffnete Benno Scheler, 19, Mitte Juli das erste Forum speziell für den Coburger Raum. Beim einem Treffen konnte er nach wenigen Tagen schon knapp 30 Interessierte oder bereits aktive Rollenspieler um sich sammeln und gründete zusammen mit Franz Aschenbrenner, 19, und Matthias Matzke, 27, die Gruppe „Die Gilde“. Sie soll die Organisation erleichtern, denn während eines Cons müssen sich die Spieler häufig um Verpflegung oder manchmal auch Zelte kümmern.

Außerdem möchte „Die Gilde“ den Einstieg für LARP-Interessierte erleichtern, da man ohne Vorkenntnisse und Kostüm nicht einfach zu einer Convention gehen und zuschauen oder mitmachen könne. Die Gruppe stellt für „Leute, die das Rollenspielen einfach mal ausprobieren wollen“ Gewandungen und Ausrüstung zur Verfügung, erzählt Benno, „um Neulingen den Einstieg so einfach wie möglich zu machen“.

Mittlerweile sind über 40 junge Frauen und Männer im Forum angemeldet, „die Mitglieder ergänzen sich sowohl im Spiel (,In-Time‘) als auch außerhalb (,Out-Time‘)“, schildert Franz. „Während eines Cons unterstützen die routinierten die unerfahrenen LARPer. „Außerhalb des Spiels basteln wir zum Beispiel gemeinsam Waffen oder entwerfen unsere Gewandungen. Matthias ist zum Beispiel Schmied und kann Rüstungen für uns bauen.“

Demnächst wollen die Coburger sogar einen Verein gründen und Jugendarbeit leisten, denn Live-Rollenspiele, erklärt Franz, haben einen großen pädagogischen Wert. „Früher haben einige von uns viel Zeit vor dem Computer verbracht, jetzt treffen wir uns und machen Live-Rollenspiele.“ LARPen fördert sowohl Gemeinschaftssinn, Teamfähigkeit und Rhetorik als auch Fantasie und Kreativität. Zudem bewegt man sich, ist oft an der frischen Luft und eignet sich möglicherweise neue Fertigkeiten an, zum Beispiel für handwerkliche Arbeiten.

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Flucht aus der
Realität

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Franz‘ Mutter, die auch schon Gewandungen genäht hat, sieht das genauso: „Ein schönes Hobby, viel besser als vor dem PC zu hocken oder sich die Nächte in Diskos um die Ohren zu schlagen.“ Doch sie gibt zu bedenken, dass „Jugendliche, die noch nicht so gefestigt sind“, sich zu sehr in die Rollenspiele hineinsteigern und so einen Realitätsverlust erleben könnten, doch „unsere Gruppe ist gerade darauf bedacht, dass so etwas nicht passiert und In-Time und Out-Time strikt getrennt werden“, entgegnet Benno und fügt hinzu: „LARPen stellt zwar schon eine Art Flucht aus dem Alltag dar, man kann abschalten und die Realität vergessen. Aber es ist wie beim Camping: Nach dem Wochenende sind wir wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen.“

Daneben müssen sich die LARPer oft auch gegen Vorurteile wehren, beispielsweise wenn Wanderer zufällig einen Con beobachten. „Sieht man da eine Schlacht mit Kriegern und Orks oder ein Ritual eines Priesters, kann man durchaus einen falschen Eindruck bekommen“, gibt Matthias zu.

Doch die gesamte LARP-Szene distanziert sich ausdrücklich von Sekten und Okkultismus, denn „alles ist ein Spiel und fiktiv“. „Es gibt eben auch Priester-Charaktere, die beten dann ihre selbst ausgedachten Götter an“, erklären die drei Gründer der Gruppe. „Vor Verletzungen braucht auch niemand Angst zu haben, denn alle Waffen sind gepolstert und ungefährlich. Ansonsten würde ja auch die gemütliche und freundliche Atmosphäre eines Cons zerstört werden.“

Eine solche Veranstaltung möchte „Die Gilde“ im nächsten Jahr selbst ausrichten. „Der Zeltplatz Sauloch in Rödental eignet sich perfekt für einen Con und ist in ganz Deutschland unter Rollenspielern bekannt“, erzählen die LARPer. Um dabei selbst zahlreich vertreten sein zu können, hoffen die „Gilde“-Gründer auf anhaltenden Zulauf und freuen sich über jeden Interessenten.

Weitere Informationen gibt es bei Benno Scheler, 09561/53118, twintwin@arcor.de, oder im Internet-Forum unter http://larpgruppecoburg.foren-city.de.

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Benno Scheler in seiner Gewandung als Alchimist.
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Matthias Matzke, Mitgründer der Coburger LARP-Gruppe und Magier, bei einer „Beschwörung“. FOTOS: FLORIAN VÖLKL
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Die Gründer der LARP-Gruppe Coburg (von links): Initiator und Repräsentant Benno Scheler, Franz Aschenbrenner (Gildenmeister der Krieger) und Matthias Matzke (Gildenmeister der Magier).
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