Rödental – Xavier Naidoo kommt nach Rödental. Die Nachricht verbreitet sich gestern wie ein Lauffeuer, nachdem der deutsche Soulsänger am Sonntagabend eines seiner überraschenden „Mini-Konzerte“ in Coburg gegeben hat. Am Montagabend spielt er schon vor knapp 1000 Zuhörern – allerdings nicht, wie angekündigt, auf dem Parkplatz des Media-Marktes, sondern auf dem Goebel-Parkplatz unterhalb der Schulze-Möbelstadt.
Das Verwirrspiel hat seinen Grund: So bleiben Xavier Naidoo wenigstens ein paar Minuten, um halbwegs ungestört das fahrbare Notstromaggregat anzuwerfen, die Musikanlage anzuschließen und die Ladefläche des grünen Mercedes 608 D in eine Bühne zu verwandeln.
Derweil zittern einen Steinwurf entfernt Hunderte Frauen und Kinder, Jugendliche und Herren gesetzteren Alters bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in froher Erwartung um die Wette. Wann kann man schon einmal einen deutschen Superstar so nah, so authentisch und dann auch noch kostenlos erleben? Doch die Zeit verstreicht. Es ist schon nach 17 Uhr, und von dem grünen Mini-Lkw des Frontmanns der „Söhne Mannheims“ ist nichts zu sehen. Ist man einer Ente – einer falschen Nachricht – aufgesessen? Immer mehr Menschen stellen sich die Frage. Unruhe macht sich breit.
Dann, gegen 17.20 Uhr das Gerücht: Xavier Naidoo ist doch da, allerdings auf dem Goebel-Parkplatz wenige hundert Meter entfernt. Die Menschenmenge bahnt sich den Weg dorthin. Und wirklich: Ganz unten, am Grünstreifen zur Staatsstraße 2002, steht der kleine grüne Laster. Xavier Naidoo fragt: „Wie habt ihr herausgekriegt, dass wir hier spielen?“ Ganz einfach: Coburger sind nun einmal aufmerksame Menschen, und eine SMS ist mit dem Handy schnell verschickt. Den Rest besorgen an diesem Abend Mundpropaganda und der Herdentrieb.
Xavier Naidoo erklärt, warum er durch die Coburger Lande tourt und das auch noch in den nächsten Tagen so halten will: „Wir wollen die Menschen kennen lernen.“ Die Fans freut, was sich anschließt, ganz besonders: „Wir gehen jetzt erstmal nicht weg.“ Was das heißt? Xavier Naidoo will noch mehr Spontan-Konzerte in Coburg und Umgebung geben, „bis die letzte Oma im Rollstuhl zu uns geschoben ist“, sagt er etwas despektierlich. Was solls: Krumm nehmen kann man dem sympathischen Mann auf der Lkw-Ladefläche solche Flapsigkeiten nicht. Dafür singt er auch an diesem kalten Abend zu gut – trotz klammer Lippen, trotz kalter Finger, wie er nicht vergisst zu betonen.
Wie man vom Auftritt erfährt? Über eine Handy-Kette. Die funktioniert so: Eine Kurznachricht (SMS) mit Auftrittsort und Auftrittszeit wird von einem Kundigen losgeschickt und wie bei einem Schneeballsystem verbreitet – via Mobiltelefon, via Internet. Wo er noch musizieren wird – in Rödental singt und spielt Xavier Naidoo mit seinem Gitarristen Andy eine gute halbe Stunde –, verrät er nicht. „Vielleicht
im Theater, vielleicht in einer Schulklasse“, lässt er sich lediglich entlocken.
Freundlich ist Xavier Naidoo am Montagabend. Nicht nur zu seinen Fans, die vom „Mini-Konzert“ auf dem Goebel-Parkplatz restlos begeistert sind, sondern auch und vor allem zur Polizei, weil „sie uns nicht verscheucht“. In Mannheim, der Heimat der „Söhne“, hat Xavier Naidoo mit seinen Spontan-Konzerten und der Staatsgewalt offensichtlich andere Erfahrungen gemacht.
Auch in Coburg soll es am Sonntag ob des spontanen Musizierens ein kleines Problem gegeben haben. Schließlich war Volkstrauertag, ein „stiller Feiertag“. Oberbürgermeister Norbert Kastner, der Naidoo zwischen den beiden Feierstunden am Schlossplatz und am Friedhof zufällig getroffen hatte, genehmigte im Wissen um das einem Feiertag durchaus angemessene Repertoire des Sängers das Mini-Konzert. In Rödental erklärt Naidoo, was ihm dabei wichtig ist: „Uns geht es ums Singen und Musizieren, weil es die beste Art ist, Liebe zu transportieren.“
Angela, die mit dem Fahrrad aus der Rosenau zum Goebel-Parkplatz gefahren ist, ist hin und weg. „Das ist einfach super, das ist toll“, umschreibt sie ihre Eindrücke. Dass Xavier Naidoo keine Autogramme gibt und sich auch nicht auf Gespräche einlässt, nimmt sie hin – wie die anderen rund 1000 Zuhörerinnen und Zuhörer, die den Platz genauso geordnet und friedlich verlassen, wie sie gekommen sind. „Wir wollen Freude in die Gemeinden bringen“, hat Xavier Naidoo vorher gesagt. In Rödental ist ihm das gelungen.
Video vom Auftritt in Rödental





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