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Erschienen am 07.02.2009 00:00
DEUTSCHE BAHN
Ein Schlag für Touristen und Pendler
Von Tim Birkner
Coburg/München – Marita Nehring, ÖPNV-Beauftragte von Stadt und Land, traute ihren Augen nicht. Einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn AG musste sie entnehmen, dass die kostenfreie Fahrradmitnahme in den Zügen von DB Region endet.
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Bislang war die Fahrradmitnahme in Regionalzügen kostenlos. Für diesen Service bleiben die Türen ab 1. April geschlossen. Die oberfränkischen Landkreise hätten dafür gerne gezahlt, doch die Bahn hat sie nicht gehört und selbst entschieden. Foto: Hans G. Blischke
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Coburg/MünchenMarita Nehring, ÖPNV-Beauftragte von Stadt und Land, traute ihren Augen nicht. Einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn AG musste sie entnehmen, dass die kostenfreie Fahrradmitnahme in den Zügen von DB Region endet. Ab 1. April muss für die Beförderung eines Fahrrads entweder eine Fahrradtageskarte oder als neues Angebot eine Kurzstreckenkarte für das Fahrrad gekauft werden.

Dabei hatte Nehring für die Stadt und den Landkreis Coburg immer auf einen Dialog mit der Bahn gesetzt. Ihr Ziel war es, die Fahrradmitnahme wie bislang anbieten zu können. Bislang zahlten Stadt und Landkreis pro Jahr 3150 Euro an die Bahn. Dafür konnten alle Fahrgäste der Bahn ihr Rad im Nahverkehr kostenfrei mitnehmen. „Wir waren immer bereit zu verhandeln und durchaus bereit, auch mehr dafür zu bezahlen“, sagte Nehring der Neuen Presse.

Doch dazu kam es nicht. Entgegen anders lautender Ankündigungen sind die Landkreise und kreisfreien Städte, die das Angebot bisher finanziert haben, weder informiert noch in die Verhandlungen einbezogen worden. Die Bahn selbst spricht in einem Schreiben an die Kommunen, das der Neuen Presse vorliegt, von „intensiven Gesprächen und Marktforschungen“.

„Wir sparen in diesem Jahr 3000 Euro. Das ist aber das einzig Gute“, sagt Nehring. „Unser Ziel war immer, möglichst viele Menschen ein attraktives Bus und Bahn Angebot anzubieten. Dazu hat die kostenlose Fahrradmitnahme gut gepasst.“ Ihrer Meinung nach hätten viele Berufspendler das Angebot genutzt. Sie seien mit dem Fahrrad zum Bahnhof geradelt, dann mit der Bahn gefahren und schließlich zu ihrem Arbeitsplatz geradelt. „Das ist umweltfreundlich und nutzt der Gesundheit, weil sich die Leute bewegen“, so Nehring. Daher hatten sich auch die benachbarten Landkreise an dem Angebot beteiligt, so dass die Fahrräder in ganz Oberfranken mitgenommen wurden, außer im Verbundraum des VGN.

Bereits seit etwa zwei Jahren war gerüchtehalber von der Einstellung oder deutlichen Verteuerung des Angebots zu hören, weil es vor allem in touristischen Zentren an einigen Tagen im Jahr immer wieder zu starken Behinderungen im Bahnverkehr durch zu viele Radfahrer gekommen ist. „Die Situation in Oberfranken war aber unkritisch und Stadt und Landkreis haben bei jeder Gelegenheit deutlich gemacht, dass ein Interesse an der Weiterführung der kostenfreien Fahrradmitnahme besteht“, sagt Nehring.

Dies bestätigt auch der Pressesprecher des Landkreises Lichtenfels, Helmut Kurz. Alle Landkreise in Oberfranken hätten gemeinsam über den Bayerischen Landkreistag ein Schreiben an das Wirtschaftsministerium in München und die Bahn gesendet. Ziel sei es gewesen, den kostenlosen Service für Gäste, Pendler und Schüler aufrecht zu erhalten. Zunächst sei man vertröstet worden. Die Beratungen würden andauern und es wären Studien am entstehen. Weder über die Beratungen, noch über die Studienergebnisse hat man die Landkreise jedoch informiert. „Die Studie soll in Oberbayern stattgefunden haben, die Ergebnisse kenne ich nicht“, so Kurz.

In der Pressestelle der Deutschen Bahn gibt man sich verschlossen: „Wir kennen nur den Text unserer Pressemitteilung. Über die Studie können wir keine Auskunft geben. Außerdem wurden die Kommunen angeschrieben. Mehr können wir nicht sagen.“

Nun haben die Landkreise die Entscheidung der Bahn mitgeteilt bekommen, ohne in die Entscheidungsfindung eingebunden gewesen zu sein. In dem Schreiben rühmt sich die Bahn eine transparente, familienfreundliche Lösung gefunden zu haben. So werden künftig Fahrradanhänger kostenlos mitgenommen und für ein Tandem brauche man nur noch eine Fahrkarte. Der Titel dazu: „Entschlackung aller Mitnahmebedingungen“.

Der Landtag hatte eine bayernweite Lösung, wie sie beispielsweise für Thüringen besteht, bereits 2004 abgelehnt. Und auch nach neusten Auskünften sei nicht davon auszugehen, dass eine bayernweite kostenfreie Fahrradmitnahme vom Freistaat finanziert werde, teilt Nehring mit.

Stadt und Landkreis Coburg seien nach wie vor zu Verhandlungen mit der Bahn bereit, betont sie. Auch Kurz möchte den Dialog mit der Bahn aufrecht erhalten.

„Ich gehe davon aus, dass die kostenfreie Fahrradmitnahme eine Vielzahl von Fahrgästen der Bahn überhaupt erst in die Züge gelockt hat“, so Nehring. „Meine Befürchtung ist, dass vor allem Berufspendler nun wieder auf das Auto umsteigen, weil eine Fahrradfahrkarte einfach zu teuer wird.“

Die neue Fahrradtageskarte Bayern kostet 4,50 Euro. Neu ist ab 1. April die Fahrrad-Kurzstreckenkarte. Sie gilt für eine einfach Fahrt bis zu einer Strecke von 50 Kilometern und orientiert sich am Preis der Kinderfahrkarte. Er beginnt bei 70 Cent und steigt dann streckenabhängig bis auf 4,50 Euro.

Dazu gibt es eine Familienkomponente. In Begleitung der Eltern oder Großeltern dürfen Kinder bis zum Alter von 14 Jahren ihr Fahrrad kostenlos mitnehmen, wenn die Eltern oder Großeltern eine gültige Fahrradkarte gelöst haben. Außerdem teilt die Bahn mit, dass Fahrräder bis zu einer Radgröße von 20 Zoll weiterhin kostenfrei mitgenommen werden dürfen.

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Marita Nehring
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Kommentare zum Artikel

  • von wie_weit am 07.02.2009 11:13
    Die Bahn wird immer kunden-unfreundlicher
    Wann müssen wir für die Mitnahme von Koffern bezahlen?

    Schade, dass die bayerische Regierung und die Bahn das verhinder, was anderswo funktioniert.

    Die bislang kostenlose Fahrradmitnahme in Oberfranken war nicht nur für die Einheimischen sondern auch für die Touristen ein großes Plus.

    Und dass im ICE eine Fahrradmitnahme von vornherein gar nicht möglich ist - nicht mal für gutes Geld - ist obendrein ein Skandal.

 

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