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Ressort Coburg-Land
Erschienen am 12.03.2009 08:33
CHRISTUS-STATUE
Bekommt die Veste Konkurrenz?

Christus Statue Bild vergrößern
So soll es innen ausschauen: Im Sockel ist Platz für eine ganze Kirche.
Bild: Neue Presse
Von Volker Friedrich

Rödental Jahrhunderte lang galt die Veste als Wahrzeichen des Coburger Landes. Rödentals Bürgermeister Gerhard Preß rüttelt jetzt an den Grundfesten herzogtümlicher Traditionen. Auf der „Pilgershöhe“ – nomen est omen – will Preß die größte Christus-Statue der Welt errichten lassen. Zumindest hat er sich gestern entsprechende Pläne von einer Investorengruppe um den Hamburger Unternehmer Harry Vossberg schicken lassen.

Vossbergs Visionen sind gigantisch. 55 Meter hoch soll die Statue werden, 20 Millionen Euro kosten. Mit Sockel wäre sie 17 Meter höher als das „Monumento Cristo Redentor“ (zu Deutsch: Christus der Erlöser) auf dem Berg Corcovado im brasilianischen Rio de Janeiro, der bis dato größten Christus-Statue der Welt. Im Sockel soll eine Kirche integriert werden.

Mit derartigen Vorstellungen ist die Investorengruppe erst am Dienstag im Stadtrat von Wassertrüdingen (Landkreis Ansbach) im zweiten Anlauf mit 17:4 Stimmen abgeblitzt. Auch der Stadtrat von Bad Reichenhall hat sich bereits dagegen entschieden.

Pilgerhotel

Jetzt also Rödental. Bürgermeister Preß ist unmittelbar nach dem Wassertrüdinger Negativ-Votum in die Bresche gesprungen. „Wenn dahinter keine Sekte steckt, könnte ich mir das sehr gut vorstellen“, sagt er. Mit der Christus-Statue will Vossberg auch ein Pilgerhotel mit 185 Zimmern und Wellnessbereich errichten. Darin sieht der Rödentaler Bürgermeister, der auch Vorsitzender der CSU-Kreistagsfraktion ist, „eine einmalige touristische Chance für die ganze Region.“

So ein Projekt könne er natürlich nicht im Alleingang durchziehen. Der Bürgermeister will sich zunächst ganz konkret über die Vorstellungen der Investorengruppe informieren und dann in den Dialog mit Kommunalpolitikern, Kirchen und Bürgern eintreten. „Ich will alle im Boot haben.“ Auch die umliegenden Gemeinden „und selbstverständlich die Stadt Coburg“ sollen in eventuelle Planungen der Stadt Rödental einbezogen werden.

Allerdings trifft Preß jetzt schon auf erheblichen Widerstand. Landtagsabgeordneter Jürgen W. Heike (CSU, Neustadt) hält von dem Projekt überhaupt nichts. „Solche monumentalen Dinge passen nicht in die Zeit. Religion bewegt die Seele und ist kein Schauspiel.“ Dr. Elmar Palauneck, Fraktionsvorsitzender der CSU im Rödentaler Stadtrat, bezeichnet die Idee als „vorgezogenen Aprilscherz“. Er könne sich „schlecht vorstellen“ im Stadtrat dafür zu stimmen.

Der evangelische Dekan Winfried Züger will sich zu der Idee von Preß „eigentlich gar nicht äußern“. Im Telefonat merkt man ihm zunächst die Sprachlosigkeit an. Und dann sagt er doch: „Wissen Sie, wir haben heute doch ganz andere Sorgen, die unsere gesamte Aufmerksamkeit fordern. Ich persönlich kann nur den Kopf schütteln und fühle mich an den 1. April erinnert.“

Erfinder der Statue, die seit geraumer Zeit durchs bayerische Land geistert, ist der Bad Reichenhaller Künstler Ludwig Valentin Angerer, genannt „Angerer der Ältere“. Er war unter anderem für die Gestaltung der Kulissen des Films „Die unendliche Geschichte“ verantwortlich. Der Künstler zeigt sich inzwischen skeptisch: „Das lässt sich nur realisieren, wenn wirklich alle uneingeschränkt dahinter stehen.“

Rühriges Oberfranken

Unternehmer Vossberg, der sich Rödental erst buchstabieren lassen muss, wird noch deutlicher. Es gebe zahlreiche Bewerbungen. Auch Oberfranken sei sehr rührig. „Öffentlich die Trommel zu rühren ist aber eher nicht optimal.“ Unmissverständlich betont Vossberg, dass seine Investorengruppe Planungssicherheit benötige und sich auf keinen Fall mehr mit Kommunen einlassen wolle, in der nicht von Anfang an der „eindeutige Wille aller Entscheidungsträger zweifelsfrei erkennbar ist.“

Landrat Michael Busch ist hin und her gerissen. Aus wirtschaftlicher Sicht sei so ein Projekt in einem strukturschwachen Gebiet „natürlich diskutabel.“ Als Zeichen für das Christentum hält er die monumentale Statue jedoch für „völlig falsch“. Er ringt um die richtigen Worte „zwischen Ernsthaftigkeit und kabarettistischer Aussage“: Am Muppberg Richtung Osten hätte die Statue 20 Jahre nach der Wiedervereinigung wenigstens symbolischen Charakter.

Wie es ausschaut, muss sich die Veste also keine allzu großen Sorgen um ihr Alleinstellungsmerkmal machen.

 
 

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