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Trossenfurt - 15 Nationen traten am Wochenende in der "2. Offenen Internationalen Meisterschaft im berittenen Bogenschießen" in der Hummelhof-Naturarena gegeneinander an. Reiter und Pferd verschmolzen während des Wettkampfes zu einer Einheit aus Kraft und Konzentration. Viele Teilnehmer tragen originalgetreue Kostüme und Rüstungen. Man muss schon sehr sattelfest sein, um im vollen Galopp die brettharten Bogen zu spannen und aus der Drehung heraus zu schießen. Unzählige Pfeile schnellten von den Sehnen.
Die Wucht beim Auftreffen ins Ziel lässt ahnen, wie gefährlich diese Waffen im Ernstfall sind. "Denn man darf nicht vergessen, berittene Bogenschützen waren todbringende Krieger, deren Pfeilspitzen selbst die dicksten Panzer durchschlugen", erklärt Initiator Christian Schrade. So martialisch ging es natürlich nicht zu bei diesen Meisterschaften, geschenkt wurde aber dennoch nichts.
Begonnen wurde mit der koreanischen Disziplin. Aus dem Köcher heraus musste der Pfeil gezogen und bei vollem Galopp sein Ziel finden. Was einfacher klingt, als es tatsächlich ist. Der aufgemalte Tigerkopf in der Mitte der Zielscheibe ist gerade mal so groß wie eine Faust und musste auf einer 90 Meter Bahn bei einem Abstand von fünf Metern durchbohrt werden. "Wir beginnen mit Kasia Rokosz Gruppe A auf Nando", erschallt die Stimme von Moderator Reinhart Kraft aus den Lautsprechern. Der Wettkampf wird somit von einer reitenden "Amazone" eröffnet. Schon auf den ersten Metern müssen Pferd und Reiterin Boden gewinnen. Denn auch die Zeit ist auf 12 Sekunden limitiert. Jetzt hat sie die rechte Hand frei, legt den Pfeil in die Sehne, das Ziel rückt immer näher, der Pfeil trifft in den grünen Randbereich. Immerhin zwei Punkte.
Die vielen Fotografen und Kamerateams fühlen die Erde unter sich beben, so sehr donnern die Hufe neben ihnen. Die Pferde stammen alle von deutschen Gehöften und tragen Namen wie Radscha, Cisco, Goldie, Yuma, Livanus oder Don. Der Engländer Tim MacMillan prescht auf Pallow heran. Er tritt in einer traditionellen japanischen Reiteruniform an und hat sogar fünf Jahre in Nikko bei Tokio trainiert. "Yes, I speak Japanese" - und er fühle sich auch schon wie ein halber Japaner.
Reiter, Fans und Journalisten aus Korea, Japan und der Mongolei sind zahlreich vertreten, als Steppenreiter können sie auf eine lange Geschichte im Reiterkampf zurückblicken. Michael Wolkenschläger ritt für Tibet und präsentierte die Fahne des besetzten Landes, was von der Wettkampfleitung besonders hervorgehoben wurde. Aber auch die Teilnehmer aus der Türkei schwingen stolz ihre Fahnen. Wer hat nicht schon von den Sarazenenkriegern bei den Osmanen gehört? Johanna Montekova, die rothaarige Fee aus Tschechien prescht heran und verfehlt ihr Ziel nur selten. Die Farbenpracht des Reiters aus Korea ist beeindruckend - und auch seine Wettkampfstärke. Chrisoph Nemethy, der Ungar auf Radscha, ist unschlagbar. Fast jeder Schuss sein Treffer.
Der Sturm vor zwei Tagen hat Zelte, Fangnetze und Aufbauten umgeworfen. Viele Schlafsäcke und Decken wurden nass. "Niemanden ist etwas passiert, doch wir liegen im Zeitplan etwas zurück." Andrea Schweighofer koordiniert mittels Listen die Reiter aus Belgien, Ungarn, Polen, Kanada, Italien bis Griechenland, sogar aus dem Iran und deutschsprachiger und anderer Nationen. Verständigungssprache Englisch und Körpergesten. Initiator Christian Schrade gibt pausenlos Interviews und behält gleichzeitig den gesamten Ablauf im Auge.
Die Pfeile müssen auch immer wieder, wie beim "Multiple Shot" gezählt und aus den Schießscheiben gezogen werden. Helfer packen mit an bei den Umbauten. Michal Chozca hat sein Pferd Pallow gut im Griff, ihm gelingen gleich vier Treffer. Diego Millius auf Spotti und Fred Piroux auf Radscha machen es ihm nach. Angela Gräfen auf Savalan lässt sich davon nicht irritieren und jagt an den Zuschauerrängen vorbei. Der "Blaue Blitz" aus Frankreich gleicht mit seiner Statur einem Abbild des Bamberger Reiters.
Zeitreise durch die Völker
Die ungarischen Steppenkrieger bewohnen eine große Jurte und präsentieren eindrucksvoll ihre Kampftechniken vor einem begeisterten Publikum. Es ist wie eine Zeitreise durch die Jahrhunderte und Völker. Bunte Gewänder wohin man den Blick wendet. Für Fotografen ein Augenschmaus.
Ringsum ist für des leibliche Wohl aber auch gesorgt, organisiert vom Hummelhof-Team. Das Publikum wird zahlreicher. Und dann tritt ein, was sich den ganzen Tag schon am Himmel andeutete, es regnet wie aus Kübeln. Nichts geht mehr für mehr als eine Stunde. Die Menschen strömen auseinander, suchen Schutz und Wärme. "Gott sei Dank konnte wenigstens der Wettkampf für diesen Tag durchgezogen werden", freuen sich die Veranstalter.
Geplant waren noch der Auftritt der Ethno-Jazz- Gruppe "Khukh Mongol". Später traut sich die Sonne wieder etwas hervor. Mit einbrechender Dunkelheit erzählt das Feuertheater eine spannende Geschichte über Sehnsucht und Gefangensein. Open-End-Party im Anschluss am Lagerfeuer mit Musikern, Akrobaten, Feuerschluckern.
Am Sonntag ritten sie dann wieder, die "wilden Steppenkrieger" entlang der 90-Meter-Bahn. Diesmal galt es nach ungarischen Regeln zu brillieren. Um 17.00 Uhr dann großes Finale und Siegerehrung des Europameisters der beritenen Bogenschützen auf dem Hummelhof. Geamtsieger wurde Christoph Nemethy aus Ungarn auf Radscha. zweiter und dritter Platz gehen an Deutschland. Christian Prestin auf Fritz und Horst Bachmann auf Chayenne. Stickereien, Medaillen, Urkunden und T-Shirts wurden an die Teilnehmer verteilt. Ein spektakuläres, farbenfrohes Wettkampfwochenende ging unter Publikumsapplaus zu Ende. Die Meisterschaften finden im nächsten Jahr in Belgien statt.






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