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Erschienen am 27.06.2008 00:00
FUSSBALL-EUROPAMEISTERSCHAFT
Mit Voodoo den Sieg beschworen
Von Pia Döhler
Ebern – Rund 50 echte Deutschland-Fans hatten sich zum EM-Halbfinalspiel Deutschland gegen Türkei beim Public Viewing am Mittwochabend in der Freibadgaststätte „Weitblick“ in Ebern versammelt, um ihre Nationalelf gemeinsam zum Sieg zu schreien.
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Nach absoluter Anspannung und Zweifeln über den Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen ihre türkischen Kollegen entlud sich die Anspannung der rund 50 Fans beim Public Viewing in der Eberner Freibadgaststätte „Weitblick“ beim 3:2 in euphorischem Jubel.
Bild: Pia Döhler

EbernRund 50 echte Deutschland-Fans hatten sich zum EM-Halbfinalspiel Deutschland gegen Türkei beim Public Viewing am Mittwochabend in der Freibadgaststätte „Weitblick“ in Ebern versammelt, um ihre Nationalelf gemeinsam zum Sieg zu schreien. Trillerpfeifen, Hundemaskottchen im Deutschlandtrikots und sogar eine Voodoo-Puppe kamen dabei zum Einsatz.

Dramatik pur: „Wir sind zu weit weg vom Gegner. Gegen Kroatien war‘s genauso“, kritisiert Jürgen Zürl, Inhaber des Lokals „Weitblick“ in der 19. Spielminute. Tatsächlich: Hatten es die Türken bis dahin geschafft, mit nur neun Minuten Führungszeit während der gesamten EM ins Halbfinale zu kommen, schießen sie schon in der 22. Minute zum 0:1 gegen Deutschland ein. Ein Schock für Alle beim Public Viewing in der Freibadgaststätte. Ungläubiges Kopfschütteln, die Hände an der Stirn. Doch Bastian Schweinsteiger gleicht ja, „Gott sei Dank“, zur Freude und Erleichterung der eingefleischten Fußballfans schon vier Minuten später aus. „Schönes Tor“, wird das entsprechend von der Runde honoriert.

Vor und nach dem Spiel lassen die eingefleischten Deutschland-Fans nichts auf den Sieg „ihrer“ deutschen Nationalmannschaft kommen, währenddessen dagegen keimen ab und an Zweifel auf. Wie ein Fähnchen im Wind wechselt die Stimmung an diesem Abend im „Weitblick“ des fteren die Richtung, von Euphorie über Fassungslosigkeit bis hin zu Resignation samt Meckerns und Schimpfens. Dabei waren sich davor alle so sicher.

40:16, so das Torverhältnis Deutschland gegen Türkei im Wettbüro von Zürl. Von 4:2 bis 2:1 waren alle Ergebnisse getippt worden, allerdings nur ein Ergebnis zugunsten der Türkei. „Auch nur wegen des Potts“, kommentierte Jürgen Zürl. Mit Haarbändern, Blumenketten, Gürtel, T-shirts, Mützen, Trillerpfeifen, Schweißbändern und natürlich Kriegsbemalung in Shwarz-Rot-Gold waren die rund 50 Fans samt Hundedame „Chica“ im Deutschlandtrikot im „Weitblick-Stadion“ eingelaufen. Sogar Engländer Ian Elliot, Arbeiter bei FTE, konnte zum „größten Deutschlandfan“ bekehrt werden. Um ganz sicher zu gehen, dass Deutschland gewinnt, nadelt Lokalinhaber Jürgen Zürl eine Voodoo-Puppe, die eine Türkeiflagge an der Stelle des Herzens trägt. „Ganz klar: Wir gewinnen!“

Nach der Halbzeitpause steigt die Spannung. Schließlich steht es bisher nur unentschieden, das türkische Fußballteam ist für seine späten Tore bekannt. In der Luft spürt man es förmlich knistern. Dann der erste Stromausfall im Internationalen Fernsehzentrum in Wien. „Das ganze Jahr hatten wir noch keine Störungen. Ich fass es nicht!“ Bildausfall: Für Jürgen Zürl und andere Fans werden Sekunden quasi zur Ewigkeit. Kurz vor dem 2:1 durch Klose setzt die Übertragung rechtzeitig wieder ein.

Euphorischer Jubel bricht in der Gaststätte aus. Jetzt ist man sich wieder ganz siegessicher, bis zum 2:2 in der 85. Minute. „Das kann doch nicht sein“, schreit Albin Kalb in diesem Moment. Nahezu in Schockstarre werden die letzten Minuten des Spiels verfolgt. Die Anspannung entlädt sich beim 3:2.

„Der Glücklichere hat gewonnen, nicht unbedingt der Bessere. Aber da sind wir ja froh drüber“, bringt Jürgen Herttrampf die Leistung der deutschen Nationalmannschaft nach dem Schlusspfiff im „Weitblick“ auf den Punkt, während neben ihm bei Fangesängen von „Ihr könnt nach Hause fahr'n“ und „Finale“ Tänzchen, Küsschen und Umarmungen im Freudentaumel stattfinden.

Leuchtende Augen, lächelnde Gesichter. Das nächste Ziel ist der Sieg in Wien. „Aber so dramatisch brauchen wir es da nicht mehr“, ist Jürgen Zürl sichtlich geschafft, was von der Tatsache untermauert wird, dass er kaum noch Stimme hat. „Das halte ich nur noch einen Abend durch!“

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Einige der Deutschlandfans im Weitblick dürften am nächsten Tag keinen Ton mehr herausgebracht haben. Mit vollem Stimm- und Körpereinsatz fieberten sie mit „ihrer“ Elf.
Bild: Pia Döhler
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Kein Mittel ist Jürgen Zürl, Inhaber der Freibadgaststätte „Weitblick“, fremd, um die deutsche Nationalmannschaft zum Sieg anzufeuern. Vor dem Halbfinalspiel beschwor er den Finaleinzug mit Voodoo-Zauber.
Bild: Pia Döhler
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Mit Trillerpfeife ausgerüstet, wurde die deutsche Mannschaft angefeurt.
Bild: Pia Döhler
 
 

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