Treinfeld – Elegant sieht es aus wie sie dahin gleiten, kraftvoll setzen sie die Rollen ihrer Inlineskates auf den schwarzen Teer auf, in einer Reihe folgen sie dem weißen Mercedes Sprinter mit dem am Heck angebrachten Spiegel. Es ist ein imposantes Bild, das die Speedskater beim Aufwärmen im Rahmen ihres Workshops am Montagabend bei Treinfeld dem Betrachter bieten. Zum zweiten Mal ist der 37-jährige Sebastian Baumgartner in das kleine Dorf bei Rentweinsdorf gekommen, um ein Spiegelbus-Training abzuhalten.
15 Speedskater – darunter nur eine Frau – aus ganz Franken sind es, die unter Anleitung von Baumgartner an diesem Tag ihre Technik verbessern wollen und sogar ein Hesse und ein Münchner sind angereist. An ihren professionellen eng anliegenden Outfits und den windschnittigen Helmen sieht man sofort, dass hier keine Anfänger unterwegs sind. Die meisten der Sportler tragen rot-weiß-schwarze Rennanzüge, sie sind Mitglieder im sogenannten „Speed-Team Franken“, auch Walter Einwag aus Ebern.
Der Polizeibeamte skatet schon seit vielen Jahren. „Ich bin schon immer gerne Schlittschuh gelaufen und fand es schade, dass das im Sommer nicht ging. Rollschuhe waren nie das Richtige für mich und irgendwann haben dann meine Kinder Inlineskates bekommen und so habe auch ich damit angefangen“, erzählt der 56-Jährige. Inzwischen trainiert er je nach Wetterlage etwa dreimal pro Woche.
Dynamisch folgt er nun auf seinen Skates dem „Spiegelbus“. Neben ihm fährt Trainer Sebastian Baumgartner und gibt über eine Funkverbindung immer wieder Kommandos zur Verbesserung der Technik. Baumgartner, der früher zu den besten Marathon-Speedskatern in Deutschland gehörte, ist der Erfinder dieser Trainingsmethode. Die Skater sehen sich einerseits direkt im Spiegel, zudem wird der Lauf über eine Kamera, die ebenfalls am Heck des Wagens befestigt ist, aufgezeichnet. „Beim Training mit dem Spiegelbus geht es dabei nicht um Höchstgeschwindigkeit, sondern um ,Qualitätskilometer‘“, sagt der 37-jährige Skatingtrainer, der in München lebt.
Seit acht Jahren veranstaltet er die Seminare mit dem Spiegel. „Meine Profession ist die Visualisierung von Skatingtechnik“, definiert er, der zusätzlich zu den Spiegelbus-Workshops auch Inline-Camps auf Sardinien veranstaltet, selbst seinen Beruf. Und vom Erfolg seines Spiegel-Trainings ist er selbstverständlich voll überzeugt: „Zehn Minuten verbringe ich gemeinsam mit jedem Skater vor dem Spiegel und dann wissen sie wie es geht“, sagt Baumgartner und grinst sympathisch. Wichtig ist eine gute Technik nach Aussage des Trainers vor allem, um effizienter zu fahren, „das führt dann auch zu mehr Fahrspaß“.
Walter Einwag aus Ebern hat bereits im letzten Jahr am Spiegelbus-Workshop teilgenommen. Überraschend war für ihn und die anderen Teilnehmer damals, dass es eigentlich bei jedem noch etwas zu verbessern gab, das habe mancher so wohl nicht erwartet. Und auch in diesem Jahr kann Baumgartner wieder wertvolle Tipps geben. „Ich muss üben, mit den Skates ganz gerade aufzusetzen, deshalb werde ich viel auf einem Bein fahren“, erzählt der Polizeibeamte. Unvorstellbar wohl für viele Skate-Anfänger, die sich gerade so auf zwei Beinen halten können.
Aber es gibt einiges, das die „Profis“ vom Speed-Team Franken von herkömmlichen Freizeitskatern unterscheidet. An ihren Füßen befinden sich Hartschalenschuhe, die nur bis zum Knöchel reichen, um mehr Beweglichkeit sicherzustellen. Die Rollen der Speedskates haben einen größeren Durchmesser als die normaler Inlineskates, deshalb ist die Aluminiumschiene länger. Die meisten Skates sind maßgefertigt. Dafür muss man dann aber auch mit Kosten ab 1100 Euro rechnen. Mit solch edlen Schuhen an den Füßen erreichen die Sportler bergab Geschwindigkeiten von etwa 60 Stundenkilometern.
Richtig gute Fahrer benötigen für die Marathondistanz von 42 Kilometern etwas mehr als eine Stunde. Walter Einwags Bestzeit liegt bei einer Stunde und 23 Minuten. Gemeinsam mit seinen Mannschaftskameraden aus dem Speed-Team nimmt er regelmäßig an Wettkämpfen teil. „Als Team ist man stärker“, erklärt der Vorsitzende des Vereins, Michael Schmitt aus Schweinfurt, die Idee hinter dem Verein. Vor fünf Jahren schlossen sich einige Speedskater aus Franken zusammen und gründeten das Team, inzwischen zählt man 40 Mitglieder, Tendenz steigend. Und erfolgreich sind sie auch: „Wir haben eine amtierende Weltmeisterin in unseren Reihen“, sagt Schmitt voller Stolz.
Zum Weltmeister hat es Walter Einwag noch nicht gebracht, für ihn zählt in erster Linie die Freude am Fahren. Es ist vor allem die Geschwindigkeit, die ihn an seiner Lieblingssportart fasziniert. „Außerdem ist es eine viel elegantere Bewegung als beispielsweise joggen, die Bewegungen sind weicher“, schwärmt der Polizist von seiner Sportart.
Natürlich bleiben auch bei den „Profis“ Stürze nicht aus. Bisher habe er sich nur leichte Verletzungen zugezogen, sagt der leidenschaftliche Skater. Wie als Beweis zeigt er sein rechtes Bein, an dem einige Schürfwunden zu sehen sind, die an einen nicht lange zurückliegenden Trainingsunfall erinnern. Schwerer verletzt hat er sich nach eigenen Angaben beim Speedskaten aber noch nie.
So manchen Ebernern wurde aber wohl schon mal Angst und Bang, wenn sie Walter Einwag in hohem Tempo auf den Straßen des Städtchens entlang „sausen“ sahen. Auch wenn es manchmal nicht so aussieht, fährt der 56-Jährige allerdings stets überlegt. „Man muss schon aufpassen“, sagt er, „man muss einfach auf Sicht fahren, wie beim Autofahren auch.“
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