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Ressort Hassberge
Erschienen am 03.07.2008 00:00
EHRGEIZIGES PROJEKT
Freude auf den ersten Schluck Hausbrauerbier
Von Michael Will
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Mit der Sanierung des alten Kommunbrauhauses in Höchstädten will sich Jochen Zürl aus Ebern einen Traum erfüllen. Der 36-Jährige hat das Nutzungsrecht an dem Gebäude von der Höchstädtener Waldgenossenschaft erworben und will das Brauhaus in den nächsten Jahren sanieren. Dann soll dort auch wieder Bier gebraut werden. Bis es soweit ist, gibt es allerdings noch reichlich Arbeit. Derzeit wird die Bodenplatte aus Beton gegossen. Fotos: Michael Will
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Höchstädten – Das letzte Bier wurde in Höchstädten in den 70er Jahren gebraut. Seitdem ist das alte Kommunbrauhaus in der Brunnengasse ungenutzt. Die letzten Jahrzehnte hatte es der Dorfgemeinschaft als Abstellraum gedient. Dem alten Sandsteinbau nahe der Baunach will Jochen Zürl jetzt wieder Leben einhauchen. In mühevoller Kleinarbeit restauriert der Eberner mit Hilfe von Freunden und Bekannten das rund 50 Quadratmeter große Gebäude. Und er will auch wieder Bier darin brauen.

Vor über zehn Jahren hatte der 36-Jährige zum ersten Mal von außen durch die mit Holzläden geschlossenen Fenster gespitzt. Seitdem hat den gelernten Maschinenschlosser und Orthopädietechniker der Gedanke nicht mehr losgelassen, eines Tages in einem Kommunbrauhaus selbst einmal Bier zu brauen. Die notwendige Grundkenntnisse hat er sich bei VHS-Kursen und ersten eigenen Versuchen zuhause angeeignet. Jetzt soll aus Zürls Traum Wirklichkeit werden.

Bis zum Genuss des ersten Schlucks kühlen Bieres ist es aber noch ein langer Weg. Vor seinen Brauerqualitäten muss Jochen Zürl seine handwerklichen Fähigkeiten beweisen, denn das alte Brauhaus muss innen komplett und außen zum Teil saniert werden. Die meisten Arbeiten will der 36-Jährige selbst erledigen, hat dabei auch Unterstützung von Freunden, die seine Idee toll finden und ihm zur Hand gehen. Johannes Wohlfromm, Heiko Güßbacher (beide aus Ebern) und Rainer Kaffer (Eyrichshof) haben schon tatkräftig mitgeholfen. Auch die ein oder andere Firma hat ihre Unterstützung signalisiert.

Mit der Erhaltung alter Bausubstanz kennt sich der Hobbyhandwerker inzwischen bestens aus. In den letzten Jahren hat er ein altes Wohnhaus in der Eberner Rittergasse in aufwändiger Weise saniert und wohnt nun darin.

Auf der Suche nach einem für seine Zwecke nutzbaren Brauhaus war der Eberner zunächst auf das in Buch in der Gemeinde Untermerzbach gestoßen. Doch die Gemeinde wollte das Gebäude nicht verkaufen. Heute ist Jochen Zürl froh darüber, denn das Brauhaus in Höchstädten ist für seine Zwecke besser geeignet.

Die neun Mitglieder der Höchstädtener Waldgenossenschaft, in deren Eigentum das Brauhaus ist und die von dem Vorhaben zunächst überrascht waren, konnte der 36-Jährige schließlich von seiner Idee überzeugen. Man schloss im Juli 2007 einen Nutzungsvertrag auf Lebenszeit: Die Höchstädtener bleiben Eigentümer des Brauhauses, Jochen Zürl darf es zeitlebens nutzen und nach seinen Wünschen innen umgestalten. Dass ihm die Bewohner des kleinen Eberner Stadtteils so viel Vertrauen entgegenbringen, freut Zürl.

Vor eineinhalb Jahren hat er sich zusammen mit Helmut Horn, dem Vertreter der Waldgenossenschaft, das Brauhaus erstmals gemeinsam angeschaut. Da war Innen fast kein Durchkommen. Bauschutt lag bis zu einem dreiviertel Meter hoch und alte Utensilien von den einst durchgeführten und weithin beliebten „Spielen ohne Grenzen“ wurden darin gelagert. „Da konnte man gar nicht durchlaufen“, erinnert sich Jochen Zürl.

Heute ist das anders. Das Gebäude ist komplett leer geräumt und entkernt. Derzeit wird eine Bodenplatte aus Beton eingezogen, ein Kanal ist schon gelegt, wobei die Eberner Firma Körner und Güßbacher unterstützt hat.

So viel wie möglich erhalten

Im Inneren will der 36-Jährige so viel wie möglich von der alten Bausubstanz erhalten. Beispielsweise die Sandsteinmauern, sie müssen nur neu verfugt werden. Auch die alte Zwischendecke zum Dachgeschoss, wo später mal eine Art Aufenthaltsraum entstehen wird, soll nach Möglichkeit bestehen bleiben. Saniert werden muss das Dach, eine Verschalung soll angebracht werden. „Es soll alles möglichst staubdicht werden“, sagt der Eberner. Die alten Holzfensterläden sollen so originalgetreu wie möglich wieder nachgebaut werden.

Wenn die Bauarbeiten dann beendet sind, wird es zum ersten Mal ans Bierbrauen gehen. Einst konnten in dem alten Kessel 23 Hektoliter Bier gebraut werden. Solche Mengen sind heute nicht mehr zeitgemäß. „Pro Braugang sollen es später mal 200 bis 300 Liter sein“, sagt er. Dabei setzt der 36-Jährige auch aufs Experimentieren. Er will herausfinden, welche Biere einst in der Region gebraut wurden und die verschiedenen Rezepturen dann nachbrauen. Wer alte Rezepte oder interessante Informationen hat, soll sich an Jochen Zürl wenden.

Nach Fertigstellung könnte das Brauhaus nach Zürls Vorstellungen auch anderen Interessierten zur Verfügung stehen, die dort Bier brauen lassen oder selbst brauen können. In Deutschland, erklärt Zürl, darf jeder Bürger 200 Liter Bier in seinen eigenen vier Wänden steuerfrei herstellen. Als Ausnahme gelten die Kommunbrauhäuser, dort kann man auch im Auftrag brauen lassen. Nachgewiesen sein muss dazu, dass es sich bei den Brauhäusern aber tatsächlich um alte Stätten handelt, an denen früher schon Bier gebraut wurde.

Diesen Nachweise hat Jochen Zürl gegenüber dem Schweinfurter Hauptzollamt bereits erbracht. Dazu hat er die Historie des Gebäudes in verschiedenen Archiven zurückverfolgt. So lässt sich die Geschichte des Kommunbrauhauses im Haßfurter Grundbuchamt bis zum 22. April 1939 nachvollziehen. Im Würzburger Staatsarchiv ist Jochen Zürl auf Unterlagen gestoßen, die sicherstellen, dass es das Brauhaus schon im Jahr 1853 gegeben hat. „Aber es ist noch älter“, ist sich der engagierte Handwerker sicher. Seine Nachforschungen dazu will er im Winterhalbjahr intensivieren. Unterlagen im rotenhanschen Archiv in Bamberg sollen ihn dabei weiterbringen.

Bis dahin will der 36-Jährige die notwendigen Brau-Utensilien nach und nach anschaffen. So manches Teil hat er schon. Beispielsweise einen 500 Liter fassenden Milchbehälter aus Edelstahl. Den hat er im Internet für 70 Euro bei einem Auktionshaus ersteigert und will ihn als Gärbottich nutzen. Zudem hat er vor einiger Zeit das Inventar aus dem Bucher Brauhaus aufgekauft; so manches lässt sich noch verwenden. Was er doppelt hat oder was nicht mehr zu gebrauchen ist, will Zürl mit anderen Hobbybrauern tauschen. Zudem hat er bereits Teile eines Kühlschiffes an ein Brauereimuseum in Hessen abgegeben und einen Läuterbottich an die Brauerei Beck in Trabelsdorf.

Seinen Dank sagt Zürl der Stadt Ebern, der der Grund und Boden vor dem Brauhaus gehört. Ihm sei erlaubt worden, den Eingangsbereich vernünftig zu befestigen. „Die Genehmigung wurde sehr schnell erteilt“, freut sich der Eberner, der Bürgermeister Robert Herrmann für dessen Beratung lobt.

Wenn das Brauhaus, mit seinen rund 50 Quadratmetern wohl auch eines der kleinsten in der Region, erst einmal komplett saniert ist, könnte es mit dem Areal ringsum zu einem idyllischen Plätzchen werden. Nebenan plätschert in einem Brunnen aus einer historischen Brunnenstube Wasser. Wenn es hygienisch einwandfrei ist, könnte es womöglich sogar zum Brauen verwendet werden.

Bis zu fünf Jahre, rechnet Jochen Zürl, könnten die Sanierungsarbeiten dauern. Er will sich dabei gerade wegen der vielen Eigenleistungen keinen Druck machen. „Aber wenn ich früher fertig bin, freue ich mich natürlich.“ Fest steht schon heute: Der erste Schluck Hausbrauerbier wird ganz sicher ein besonderer.

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Mit seinen rund 50 Quadratmetern ist das Brauhaus wohl eines der kleinsten in der Region. Es steht in Höchstädten in der sogenannten Brunnengasse nahe der Ortsverbindungsstraße nach Fischbach.
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Im Inneren des alten Brauhauses will Jochen Zürl so viele Details wie möglich erhalten. Vor allem die Sandsteinquader sollen sichtbar bleiben; sie müssen nur neu verfugt werden. Auch die alten Holzfensterläden sollen originalgetreu wieder nachgebaut werden.
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Relikt aus früheren Zeiten: Eine Hinweistafel hängt noch heute im Brauhaus. Hier wurde Malzschrot aufbewahrt.
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