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Ressort Kronach
Erschienen am 02.10.2009 00:00
RÄTSELHAFTE NACKTHEIT
"Die Bäume zeigen uns den Weg"
Von Eva Fiedler

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Kronach - Es ist Herbst - doch viele Bäume im Kronacher Stadtgebiet haben bereits vor Wochen ihr Laub verloren. Die Weide am Wasserspielplatz auf dem LGS-Gelände zum Beispiel, oder die Linde am Ausgang zum Autohaus Vetter. Kurios: Neben den kahlen Ästen tragen die Bäume aber auch Zweige mit grünem Laub. "Inhomogene Schäden" nennt die Bamberger Medizinerin Dr. Cornelia Waldmann-Selsam dieses Phänomen, das nicht nur im Frankenwald, sondern ganz Deutschland um sich greife. Das Rätselhafte daran: "Obwohl die meisten Bäume wie die Weide am LGS-Spielplatz optimale Bedingungen haben - sie stehen am Wasser, der Boden ist nicht versiegelt und auf dem Spielplatz wird auch im Winter kein Salz gestreut - scheinen sie stark zu leiden", so Dr. Waldmann-Selsam.

"Aber schauen Sie mal da rüber zum BayWa-Gebäude, da stehen in Luftlinie von vielleicht 100 Metern mehrere Sendemasten." Verfolgt man die Achse vom Sendemast über die Weide am Spielplatz bis ans Flussufer der Haßlach und den Berg nach Ziegelerden hoch, findet man auf einer Linie weitere kahle Baumkronen.

Umgelenkte Energiepakete

Für die Vorsitzende der Ärzteinitiative Bamberger Appell, die seit Jahren vor den Auswirkungen hochfrequenter Strahlung auf den Menschen warnt, ist das ein klarer Fall. "Diese Bäume haben die unterschiedlichsten Standorte, zeigen aber das gleiche Schadensbild." Einzige Gemeinsamkeit: Die Sendemasten in der Kulmbacher Straße.

Dr. Waldmann machte sich auf die Suche nach Wissenschaftlern, die ihre These bestätigen könnten. Und rannte damit bei Physiker Volker Schorpp offene Türen ein. Schorpp ist 2. Vorsitzender des noch jungen Vereins "Pulsschlag" (Karlsruhe) und hat selbst mit Besorgnis die inhomogenen Schäden an Bäumen registriert. Er geht davon aus, dass "Löcher" in ansonsten grünen Baumkronen durch Verwirbelungen oder Reflexion hochfrequenter Strahlung entsteht. Häuser oder andere Bäume, die ein Schutzschild bilden, könnten auch ein Grund für die ungleichmäßig auftretenden Phänomene sein.

"Sie müssen sich das so vorstellen: Der Baum will millionenfach energiereiches Licht einfangen, eine Photosynthese machen, das sind ganz große Energiepakete. Wenn diese nun in der Reaktion durch Hochfrequenz fehlgeleitet werden, dann führt es zu eigenen Verbrennungen und Schädigungen des Baumes."

Alarmierende Studien 

Die Folge sind braune Blätter oder Nadeln, erklärt der Physiker. Und weiter: "Die Energie kommt also nicht von der Hochfrequenz, sondern vom Sonnenlicht. Wenn der komplexe Reaktionsprozess der Photosynthese gestört wird, kann die Energie, die der Baum einfangen will, ihn schädigen." Und so, wie beim Baum die Photosynthese gestört werde, würden beim Menschen Stoffwechselstörungen ausgelöst, behauptet Schorpp.

Bei ihren Recherchen stießen Dr. Schorpp und Dr. Waldmann-Selsam auf die wissenschaftliche Bestätigung ihrer Annahmen. "Im Jahr 1989 hat der Elektrotechniker und Physiker Dr. -Ing. W. Volkrodt eine Dokumentation von schweren Waldschäden an 32 Hochfrequenzsendern den zuständigen Bundesbehörden vorgelegt", so die Bamberger Medizinerin. "Doch weder Bundesumweltministerium noch Bundesamt für Strahlenschutz oder Strahlenschutzkommission veranlassten eine Untersuchung dieser Standorte." Im Gegenteil: Ab 1992 sei in Deutschland ein dichtes Netz von Mobilfunk- und Richtfunksendern aufgebaut worden, täglich kämen neue Sender mit weiteren Frequenzen hinzu.

"Jetzt sind die Schäden in Stadt und Land unübersehbar, doch fast niemand wagt es, auszusprechen", und Dr. Waldmann kommt sich dabei vor wie im Märchen "Des Kaisers neue Kleider."

Alarmierend finden die Mobilfunk-Gegner eine Studie aus dem Jahr 2000, die an den Lehrstühlen der Universitäten von Karlsruhe und Wuppertal durchgeführt wurde. Darin würden negative Auswirkungen auf Pflanzen (451 Nadelbaum-Keimlinge) unter Exposition mit einem gepulsten Signal von 383 Megahertz (entspricht dem geplanten, neuen Behördenfunk TETRA) eindeutig nachgewiesen. "Die Studie mit all ihren Ergebnissen ist bis heute nicht publiziert worden." Und das, obwohl einer der daran mitwirkenden Forscher, Prof. Dr. Lerchl, Mitglied der Strahlenschutzkommission sei. "Inzwischen wurde aber mit dem Aufbau des TETRA-Netzes begonnen", bedauern Dr. Schorpp und Dr. Waldmann-Selsam.

Offenen Auges durch die Natur

An alle Menschen, besonders jene, die mit Gartenbau und Forstwesen zu tun haben, richten sie deshalb den Appell: "Gehen Sie offenen Auges durch die Natur, achten Sie darauf, ob Sie Bäume sehen, die solche Schäden aufweisen und machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken dazu!" Unzählige solch kranker Bäume erkenne man meist daran, dass sie asymetrisch beschnitten sind. Meist würden sie in den Folgejahren gefällt. Schorpp spricht von einem Massensterben in deutschen Städten. In europäischen Nachbarstaaten wie Holland und Belgien seien Gärtner bereits höchst besorgt. "Die Industrie muss auf eine verträgliche Technik umsteigen", so Dr. Schorpp über das Ziel seines Vereins. Denn, wie seine Bamberger Mistreiterin sagt, "die Bäume zeigen uns den Weg, wo es auch mit der Menschheit hingeht." Mehr Infos dazu im Internet: www.puls-schlag.org.


 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von schultes am 01.10.2009 20:04
    Möglich ja, aber ...
    die Linde am Ausgang zum Autohaus Vetter ist als Großbaum für die LGS dahin verpflanzt worden, aber leider in den trockenen Folgejahren nicht genug gewässert worden. Da sind dann einige Bäume hopsgegangen, auch z. B. in der Lindenallee am Anfang.

  • von unbekannt am 01.10.2009 23:04
    Ich bin ja üblicherweise kein Mobilfunk-Alarmist, aber ...
    ... der gepulste TETRA-Polizeifunk hat seit seiner Einführung in Großbritannien vor mehreren Jahren zu signifikant erhöhten Kehlkopf- und anderen Krebserkrankungen der ihn gezwungenermaßen nutzenden Polizeibeamten geführt. In letzter Zeit hört man weniger davon, aber auch in GB werden die Zeitungen gern von der Regierung auf Linie gebracht, wie es hierzulande ja auch in unseiger Goebbelsscher Tradition auch sehr gut funktioniert. Deshalb: Danke, NP, für diesen Beitrag! Und: Dran bleiben!

  • von wie_weit am 02.10.2009 08:57
    so ein blödes Geschwätz
    Das Vorgehen ist ist immer gleich unwissenschaftlich: Es wird ein kranker Baum gesucht und dann ein Sendemast in der Nähe. In Städten gibt es aber zigtausende von kranken Bäumen und zigtausende von Sendemasten. So kann man keinen Zusammenhang wissenschaftlich nachweisen - so erzeugt man nur Angst bei Leichtgläubigen.

  • von unbekannt am 02.10.2009 23:36
    @wie_weit: Langsam: ...
    Digital gepulste Mobilfunkstrahlung ist ein Teufelszeug. Nicht vorschnell urteilen, bitte.

  • von lionidae am 03.10.2009 12:58
    Panikmache
    Ich würde den Bericht glaubhafter finden, wenn hier als Beispiel ein Baum genommen würde, dem im Alter von vielleicht 30 Jahren die Wurzeln gekappt, ausgegraben wurde und dann wie von jedem Landschaftsgärtner bestätigt wird, in einem ungünstigen, verdichteten und zu trockenem Stadtboden wieder eingebudedelt wurde. Außerdem verlieren aufgrund des trockenen Wetters sehr viele Büsche und Bäume ihre Blätter wesentlich früher als in den letzten Jahren. In den Medien wurde in den letzten Tagen berichtet, dass auch z. B. der Rhein unter Wassermangel leidet. Glaubwürdiger wäre, wenn es sich um einen Baum handelt der dort natürlcih gewachsen ist und seit aufstellen eines Mobilmastes kümmern würde. Dies ist hier eindeutig nicht der Fall! Den negativen Einfluss dieser Strahlen möchte ich keinesfalls ausschliessen - dieses Beispiel ist für mich aber primitive an den Haaren herbeigezogene Panikmache!

  • von carmelita am 04.10.2009 18:51
    Ich empfehle...
    ...zu dem Thema dringend den Artikel "Der Hamster ist Zeuge", "Der Spiegel" 18/2007 http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=51373594&top=SPIEGEL

  • von meckermann am 04.10.2009 23:55
    Unglaubwürdig
    Solange die Mobilfunkgegner von mit derart unqualifizierten weil frei erfundenen Geschichten für ihre (eigentlich gute) Sache kämpfen, schaden sie sich nur selbst.
    Frau Seltsam mag Medizinerin sein, mehr Aussagekraft hätten ihre Äußerungen, wenn sie auch noch etwas von Botanik verstehen würde und nicht nur emotionell sondern mit Fakten argumentieren könnte. Daran fehlt es leider.
    Wie kann jemand, egal ob Mediziner, Botaniker, Physiker oder was auch immer ein paar Bäume oder Sträucher ansehen und dann fehlerfrei und umgehend die Ursache kennen?
    Wurde denn das betreffende Objekt auf andere mögliche Ursachen hin untersucht? Wie sehen die Wurzeln aus, wieviele Hunde pissen täglich hin, hat die Pflanze Pilzerkrankungen, ist die Rinde verletzt, wie sind Nährstoff- und Wasserversorgung etc etc? Solange solche Faktoren nicht annähernd mit untersucht sind ist jede Äußerung zu Ursachen blanke Spekulation! Damit ist sie nicht besser als jene die das Gegenteil behaupten.

 

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