Das Landratsamt Kronach geht jedoch davon aus, dass die Sammlung rein gewerblicher Natur war. „Wir finden es nicht in Ordnung, dass unter dem Deckmantel der Kinderhilfe Kleidungsstücke gesammelt werden, die dann zu kommerziellen Zwecken weiterverkauft werden“, sagt Herbert Eisentraudt, Sachgebietsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Gespräch mit der Neuen Presse.
Die Sammelbehälter standen das komplette Wochenende über vor nahezu jedem Haus in Neundorf und Teilen von Mitwitz. Laut Aufdruck sollten nicht mehr gebrauchte Kleidung und Schuhe darin gesammelt und einen Tag später abgeholt werden. Tatsächlich standen die Eimer jedoch vier Tage lang herum. Viele Anwohner hatten in dieser Zeit die Eimer gut befüllt, die meisten in der Hoffnung, dass sie damit krebskranken Kindern helfen.
Doch bei krebskranken Kindern kommt kein einziges dieser Kleidungsstücke an. Stattdessen steht hinter der Sammelaktion eine Firma, die mit dem Weiterverkauf der Kleidungsstücke viel Geld verdient. Die Firma, die nach NP-Recherchen in Waiblingen (Baden-Württemberg) sitzt, erkauft sich zu diesem Zweck die Namensrechte karitativer Organisationen.
Im konkreten Fall hat die Firma einen Lizenzvertrag mit dem Verein „Humana Hilfe bei Kinderkrebs“ aus dem niedersächsischen Diekholzen geschlossen. Das bestätigt Michael Wedekin, Vorsitzender des Vereins, gegenüber der Neuen Presse. Demnach habe sein Verein, der beim Amtsgericht Hildesheim registriert ist, eine Vereinbarung mit einer Firma „Abdelaal“, die dem Unternehmen gestattet, unter dem Namen „Humana Kinderhilfe“ Kleiderspenden zu sammeln.
Der Verein, der seine Namensrechte so zur Verfügung stellt, erhält im Gegenzug einen vertraglich fixierten Geldbetrag. Um wieviel Geld es sich handelt, will Wedekin nicht verraten. Stattdessen verweist er auf seinen Vertragspartner Abdelaal, der unter der angegebenen Telefonnummer nicht zu erreichen ist. Allerdings sei davon auszugehen, dass der Handel mit Altkleidern sehr viel Gewinn abwerfe, zumal die Firma Abdelaal laut Auskunft von Michael Wedekin in ganz Bayern und Baden-Württemberg tätig ist.
Allerdings betont Wedekin, dass trotz des offensichtlichen Umsatzes, der mit dem Altkleiderhandel verbunden ist, karitative Organisationen wie sein Verein „Humana Hilfe bei Kinderkrebs“ von den Kooperationen profitieren, und zwar in Form der Zahlungen, die die Waiblinger Firma wegen des Lizenzvertrags an den Verein überweist: „Die Hilfe derer, die Kleidung in die Eimer legen, kommt bei uns an. Wir helfen hier vor Ort bei vielen Projekten. Das Geld, das da verdient wird, nutzt also auch etwas.“
Herbert Eisentraudt sind diese geschäftlich-karitativen Verwicklungen dennoch suspekt. Zwar will er nicht behaupten, es seien dubiose Machenschaften im Spiel, „aber das muss einmal geprüft werden.“ Fest steht, dass gewerbliche Sammlungen als solche gekennzeichnet und genehmigt werden müssen. Karitative Altkleidersammlungen seien dagegen prinzipiell nicht genehmigungspflichtig. Da das Kronacher Landratsamt von der Sammelaktion in Mitwitz vorab nichts erfahren habe, werde sich Eisentraudt daher an das zuständige Landratsamt in Hildesheim wenden, um mehr über die Hintergründe der Aktion zu erfahren.
Auch mit der Gemeindeverwaltung Mitwitz hat Eisentraudt deshalb bereits Kontakt aufgenommen. Dort weiß man jedoch nicht viel über die Sammelaktion, außer dass sie stattgefunden hat. Allerdings hegt der Mitwitzer Bürgermeister Hans-Peter Laschka den Verdacht, dass vor einigen Wochen schon einmal eine solche Aktion in Teilen seiner Marktgemeinde stattgefunden hat. „Damals ist die Sammlung kurz nach dem Aufstellen der Eimer verboten worden“, erinnert sich Laschka. Jedoch sei damals wohl eine andere Firma für das Aufstellen der Sammelbehälter zuständig gewesen.


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