![]() |
|
|
|
||
Kronach/Küps/Ludwigsstadt/Steinwiesen – Der Frankenwald blutet aus: Im letzten Jahr hat der Landkreis Kronach ein Dorf in der Größe von Tschirn verloren, oder, in Zahlen ausgedrückt, 650 Einwohner. Und das passiert heuer wieder, und nächstes Jahr wieder. Die Häuser stehen leer, die Geschäfte zum Teil auch. Die Verluste verteilen sich derzeit im gesamten Landkreis noch relativ unauffällig, addieren sich aber über die Jahre zu einer erschreckenden Summe auf: Laut Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung wird der Landkreis bis zum Jahr 2025 um 10 000 Menschen geschrumpft sein – mindestens (siehe MEHR ZUM THEMA)! Wie geht man im Frankenwald mit dieser Prognose um? Was tut man in hiesigen Rathäusern, um dem „Aussterben“ der Region entgegenzuwirken? Die NP befragte dazu fünf Bürgermeister.
„Arbeitsplätze sind der Hauptgrund, weswegen man nach Kronach zieht“, weiß Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein. „Wenn wir den Abwanderungstrend stoppen wollen, müssen wir uns in erster Linie für den Erhalt der Stellen, idealerweise für die Neuschaffung von Arbeitsplätzen, einsetzen.“ Bereits kurz nach seinem Amtsantritt habe er die Stelle „Wirtschaftsmanagement“ im Kronacher Rathaus eingerichtet. „Mit dieser Stelle wollen wir die Wege zwischen der heimischen Wirtschaft und der Verwaltung verkürzen. Die Verwaltung soll schnellst möglich auf die Anliegen unserer Firmen reagieren können“, so Beiergrößlein. Gleichzeitig bemühe sich die Stadt, selbst Baugrundstücke bereitzustellen, wie derzeit in Fischbach. Kronachs erster Mann weiß natürlich auch, dass seine Möglichkeiten begrenzt sind. „Eigentlich ist hier die Landesregierung in der Pflicht. Sie ist gefordert, den Verfassungauftrag zu erfüllen und dafür zu sorgen, dass in allen Landesteilen die gleichen Lebens- und Arbeitsbedingungen gegeben sind.“ Spezielle Förderprogramme müssten zusätzlich den strukturschwachen Landkreis stärken. Sein Amtskollege im Landkreisnorden, Timo Ehrhardt (Ludwigsstadt) hält es für erforderlich, zunächst Informationen über den demographischen Wandel aus vorhandenen Untersuchungen und Gutachten, auch mit Blick auf das Umzugsverhalten innerhalb des Landkreises, zusammen zu tragen. Was die Verfügbarkeit und das Halten von Fach- und Führungskräften in der Region anbelangt, hält er eine Koordinierungsstelle für erforderlich. „Inzwischen werden zu viele dieser Positionen von Auswärtigen besetzt, die kaum soziale Bindungen zur Region pflegen“, bedauert er. „Auf der kommunalen Ebene sollten Strategien entwickelt werden, wobei auch interkommunale Allianzen geschlossen werden müssen.“ Ehrhardt ist Mitglied des auf Antrag der CSU-Kreistagsfraktion neu ins Leben gerufenen Arbeitskreises „Demographischer Wandel im Landkreis Kronach.“ Die Kreisräte sollen Handlungsvorschläge erarbeiten, die auch in kommunalen Gremien diskutiert werden, so Ehrhardt. Die Stadt Ludwigsstadt selbst versuche, sich durch ihre Familienfreundlichkeit auszuzeichnen und biete flächendeckend in der Großgemeinde Kinderbetreuung von 0 bis 6 Jahren an.
Genau diesen Schwerpunkt setzt auch Bürgermeister Herbert Schneider in Küps. 350 verkaufte Bauplätze in den letzten zehn Jahren und eine boomende Industrie geben ihm Recht. Mit Blick nach vorne sei es nun dringend nötig, interkommunal zusammenzuarbeiten, zum Beispiel im Tourismus. „Ich bin davon überzeugt, dass – vom Kletterwald angefangen bis hin zum Freizeitsee – Erholungseinrichtungen eminent wichtig sind. Nicht nur die Alpenregionen haben Potenziale – wir auch. Doch bloß zu sagen: ‚Ach Gottla, des g‘hört gemacht‘ nützt uns nichts. Es muss auch etwas passieren.“
Genau das tut es derzeit im Rodachtal: Dort üben sich die Bürger unter dem Dach von „Steinwiesen aktiv“ im Luftschlösserbauen – herausgekommen sind viele ungewöhnliche Ideen, die nun umgesetzt werden sollen. „Wir dürfen nicht nur jammern, dass wir weniger werden, sondern müssen Leute hierher holen“, ist Bürgermeister Gerhard Wunder überzeugt. Um den Leerständen im Rodachtal entgegenzusteuern, will man eine ganz besondere Kampagne starten. Die Gemeinde Steinwiesen plant, Menschen in der Großstadt anzusprechen, die sich in der Pensionierungsphase befinden und in ihrem Umfeld vereinsamen würden. „Für das Geld, das sie für ihre Wohnung ausgeben müssen, würden sie bei uns schon ein kleines Häuschen bekommen.“ „Seine Visionäre“ haben natürlich noch mehr in Petto: Zum Beispiel einen Kulturweg vom Erlebnisbad zum neuen Festplatz. Wunder ist optimistisch, dass die Zukunft im Markt Steinwiesen nicht zwangsweise düster aussieht.





Drucken
Speichern
Versenden












