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Ressort Kronach
Erschienen am 19.03.2009 00:00
SYNAGOGE
„GNM ist Produkt einer Allmachtsfantasie“
Von Christian Kreuzer
Kronach – Odette Eisenträger-Sarter muss es geahnt haben.
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Bernhard Wolf sprach in der Synagoge über die Gefahren der „Neuen Germanischen Medizin“. Im Hintergrund ist ein Plakat zu sehen, das 2006 eine Protest-Demo für die GNM ankündigte. Foto: Kreuzer
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KronachOdette Eisenträger-Sarter muss es geahnt haben. Als die Vorsitzende des Aktionskreises Synagoge am Dienstagabend Bernhard Wolf – er hielt einen Vortrag über Gefahren und antisemitische Tendenzen der Germanischen Neuen Medizin (GNM) – vorstellte, verband sie dies mit dem Hinweis, im Laufe des Abends gegebenenfalls von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen. Schließlich hatte sich Helmut Pilhar, ein bekennender Sympathisant von GNM-Begründer Ryke Geerd Hamer, in die ausliegende Gästeliste eingetragen. Vor einigen Jahren hatte der Österreicher Aufsehen erregt, weil er seiner krebskranken Tochter Olivia eine konventionelle Behandlung zugunsten der Lehre Hamers verweigerte.

Schwer zu ertragen

Es kam schließlich zwar nicht dazu, dass Pilhar oder seine rund 20 Anhänger aus der Synagoge verwiesen wurden, deren judenfeindlich gefärbten Meinungsäußerungen im Anschluss an Wolfs Vortrag waren dennoch für die Anwesenden nur schwer zu ertragen. Schließlich entzog Dekanin Dorothea Richter Pilhar das Wort. Richter moderierte die Diskussionsrunde nach dem Vortrag, zu dem der Aktionskreis und das evangelische Dekanat eingeladen hatten.

Es blieb jedoch nicht bei dieser einen Entgleisung. Zahlreiche Besucher meldeten sich mit ähnlichen Beiträgen zu Wort und erzeugten so ein Klima der Einschüchterung in der Synagoge. Entsprechend erleichtert war die Mehrheit der Anwesenden, als die Veranstaltung vorüber war.

Mit diesem respektlosen Auftritt im ehemaligen jüdischen Gotteshaus der Lucas-Cranach-Stadt lieferten die GNM-Anhänger den besten Beweis dafür, dass Bernhard Wolf in seinem zuvor präsentierten Vortrag nicht übertrieben hatte. „Wer mit der Germanischen Neuen Medizin sympathisiert, sollte sich klar machen, dass man zwischen dem Antisemiten Hamer und dem Arzt Hamer nicht trennen kann“, lautete Wolfs Fazit. In einem rund 75 Minuten langen Vortrag hatte der Kirchenrat und Philosoph eine wissenschaftstheoretische Analyse des GNM-Ansatzes geliefert und die Verstrickungen Hamers und seiner Anhänger in der rechtsextremen Szene belegt.

Wolf bezeichnete Ryke Geerd Hamer als Scharlatan, der um des Geldes willen Heilung verspreche, obwohl seine Therapien keinerlei wissenschaftliche Grundlage aufwiesen. Jede Krankheit habe laut Hamer eine psychosomatische Ursache, Krebs werde stets durch einen „Konflikt-Erlebnis-Schock“ ausgelöst. Die Universität Heidelberg habe diesen Ansatz jedoch wegen mangelnder Wissenschaftlichkeit abgelehnt.

Dennoch habe die „Germanische Neue Medizin“ zu Beginn der 80er Jahre viele Sympathisanten gefunden, was Wolf mit einem zu dieser Zeit gesteigerten Interesse vieler Menschen an alternativen Behandlungsmethoden erklärte.

Die große Gefahr bei der GNM sei ihre weltanschauliche Prägung, die weit über jeden medizinischen oder theoretischen Ansatz hinaus gehe. Die GNM erhebe den Anspruch, auf unwiderlegbaren Naturgesetzen zu basieren und sei daher das Produkt einer Allmachtsfantasie, ähnlich wie Scientology. Dies, so Wolf, sei in hohem Maße unwissenschaftlich. Wissenschaft basiere auf Theorien und Hypothesen, die – auf konkrete Fälle bezogen – stets bestätigt und verworfen werden könnten.

Wie Medizin umschlagen kann

Auch die Nähe der GNM zu rechtsextremen Organisationen lasse sich nicht leugnen. Wie der Kirchenrat zeigte, nutzen GNM-Vertreter rechtsextreme Foren für ihre Propaganda und umgekehrt. Auch Kontakte zur NPD sowie zu einer rechten Gruppe namens „Kommissarische Reichsregierung“, die der Ansicht sei, das Deutsche Reich bestehe noch immer fort, seien belegbar. Ryke Hamer habe überdies auf zahlreichen Internetforen immer wieder antisemitische Äußerungen veröffentlicht. Wolf: „Die GNM zeigt, wie Medizin umschlagen kann in eine Weltanschauung, die hochproblematisch ist.“

Dass GNM-Anhänger nicht einmal mehr davor zurückschreckten, ihre Kritiker zu bedrohen, zeige eine E-Mail, die er am Vortag seines Kronach-Besuchs erhalten habe. Darin sei er von einem GNM-Anhänger aufgefordert worden, „vorsichtig mit den Äußerungen zu sein“. SIEHE SEITE 3

 
 
 
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