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Coburg/Düsseldorf - 807 Vorschläge gab es für das Motto der Karnevalssaison 2010 in Düsseldorf. Das Rennen machte "Jeck - We can". Das nette Wortspiel mit der Personifizierung rheinischem Frohsinns und Amerikas Präsident Obama sind auch der Titel für eine Performance von Christian Jankowski, die morgen in der Julia Stoschek Collection in Düsseldorf stattfindet. Julia Stoschek: In Coburg ist sie als Mitglied der Gesellschafterversammlung der Brose-Gruppe bekannt, einem der größten Automobilzulieferer in Familienbesitz. Die Urenkelin von Max Brose und Tochter von Michael Stoschek hat sich allerdings nicht als Unternehmerin einen Namen gemacht, sondern als international anerkannte Kunstsammlerin und Mäzenatin.
"Grandioses Privatmuseum"
Die im Juni 1975 geborene Coburgerin lässt sich immer wieder Besonderes für ihr Museum einfallen, das sie 2007 in den ehemaligen Produktionsstätten der Rahmenfabrik Conzen in Düsseldorf eröffnet hat. Die Baukosten für das "grandiose, denkmalgeschützte Privatmuseum" gab die Westdeutsche Zeitung im August vergangenen Jahres mit zehn Millionen Euro an. Hier präsentiert die junge Frau die nach ihr benannte Julia Stoschek Collection, eine private Sammlung zeitgenössischer Kunst mit dem Schwerpunkt Medien und Videokunst, Installation und Fotografie. "Und das sehr erfolgreich", wie die Wirtschaftszeitung Handelsblatt im Dezember 2008 feststellte.
Generation Erbe
Über Julia Stoschek, die ihr Abitur am Gymnasium Casimirianum in Coburg abgelegt und Betriebswirtschaftslehre in Bamberg studiert hat, haben in jüngster Vergangenheit viele Medien berichtet: das Nachrichtenmagazin Der Spiegel ebenso wie die Tageszeitungen Die Welt und Süddeutsche Zeitung oder das Mode- und Designmagazin Vogue. Auch das Magazin der renommierten Wochenzeitung Die Zeit hat Julia Stoschek entdeckt. In der gestrigen Ausgabe widmet die Redaktion ihr die Titelgeschichte. Sie heißt "Deutschland, Deine Erben". Konstantin Richter sucht darin Antworten auf die Frage, wie Kinder unternehmerisch erfolgreicher Eltern mit ihrem Leben umgehen.
Auch Julia Stoschek gehört zur "Generation Erbe". Der Begriff wurde in den 1990er Jahren geprägt, als viel darüber geschrieben wurde, dass demnächst so viel Geld vererbt werde wie nie zuvor, dass unzählige Familienunternehmen nach einem Nachfolger suchen würden. Und dabei, so Konstantin Richter, sei immer ein Zweifel angeklungen, ob diese nächste Generation auch dem gerecht werden würde, was ihre Eltern und Großeltern während der Wachstumsjahre in Deutschland aufgebaut hatten.
Julia Stoschek ging ihren eigenen Weg. "Lieber als mit den Fensterhebern und Türsystemen von Brose beschäftigt sich die 34-jährige Stoschek mit Kunstwerken, die Titel wie Killing Machine und Fucked tragen", heißt es im Zeit-Magazin. In der ehemaligen Fabrik in Düsseldorf, in der ihr Museum eingerichtet ist, sind "die kahlen weißen Wände...mit Wolle gestopft und dämpfen das Geratter und Gebrüll der Installationen. Hier ist nichts tabu, Stoschek spricht von der ,Faszination der Körperlichkeit'". Die Brose-Gesellschafterin habe kein Problem damit, Besucher durch die Sammlung zu führen und zu erklären, was es mit Fucked auf sich hat
Leben in zwei Welten
"Bloß die eine häufig gestellte Frage, woher das Geld dafür stammt, hat Stoschek überhaupt nicht gern. Sie hat gelernt, die zwei Welten, in denen sie sich bewegt - das Geld und die Kunst -, voneinander zu trennen", schreibt Konstantin Richter. Dass sie nach dem Studium der Betriebswirtschaftlehre beschlossen habe, Kunstsammlerin zu werden, sei ihrer Familie suspekt gewesen - "ein Beruf ist das nicht, eine Galeristin hätte man eher akzeptiert. Die Künstler wiederum amüsierten sich über die Unternehmertochter, die während des Berliner Art Forums einen Empfang in der Brose-Dependance gab - im 15. Stock des Ritz-Carlton-Gebäudes", so das Zeit-Magazin. Doch inzwischen hat sich das Image der jungen Frau gewandelt. Sie habe sich aus der Rolle des "Püppchens" (Der Spiegel im Juni 2007) und der "Millionenerbin" (Zeit-Magazin im Februar 2010) befreit und zur anerkannten Kunstsammlerin entwickelt.
Wahl in ein Expertengremium
Mittlerweile arbeitet Julia Stoschek unter anderem mit dem P.S.1-Contemporary Art Center des Museums für moderne Kunst (MoMA) in New York sowie der internationalen Performance-Biennale Performa, New York, zusammen. Gemeinsam präsentiert man noch bis zum 31. Juli in der amerikanischen Metropole eine Ausstellung, die einen möglichen Entwurf der Performance-Geschichte dokumentiert. Sie schafft einen beispielhaften Überblick über einige der bedeutendsten Aktionen, Happenings und Performances der vergangenen 100 Jahre, heißt es in einer Pressemitteilung der Julia Stoschek Collection vom Oktober 2009.
Vor kurzem ist Julia Stoschek in ein Expertengremium des MoMA in New York gewählt worden. "Und trotzdem bleibt da diese Restangst vor dem Vorwurf, sie hätte sich das Entree in die Kunstwelt erkauft", so das Zeit-Magazin, das Julia Stoschek zitiert: "Ich bin froh, dass man mich in Düsseldorf mit Kunst assoziiert, nicht mit der Firma Brose und Coburg."
Wurst und Semmel
Im August vergangenen Jahres stellte sich in Düsseldorf ihr Vater Michael Stoschek an ihre Seite. Es ging um einen Bebauungsplan, der Julia Stoscheks Museum einenge und eine Erweiterung verhindern würde. Die Westdeutsche Zeitung zitiert Michael Stoschek so: "Ich meine, dass die Arbeit meiner Tochter von der Politik unterstützt werden sollte. Wirtschaftliche und kulturelle Interessen müssen in Düsseldorf zu einem gesunden Miteinander gebracht werden."
Am 6. Februar ist aber erst einmal Kunst in der Julia Stoschek Collection in Düsseldorf angesagt und nicht Politik. Im Rahmen des Performance-Programms "Number Three: Here and Now" lädt Christian Jankowski in Zusammenarbeit mit Düsseldorfer Karnevalisten zu einer Karnevalssitzung ein, "die sich nicht nur an das Kunstpublikum, sondern vor allem an alle Jecken wendet", heißt es in der Einladung.
Gäste müssen beachten, dass Einlass nur ohne Kostüm gewährt wird. Und: Wer Eintritt entrichtet, erhält "Wurst und Semmel und ein Dunkles" gratis dazu. Derlei zu servieren ist auch bei Veranstaltungen in Coburg durchaus üblich. wb












