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Erschienen am 06.02.2010 00:00
Banker und ein Sack voller Gold
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Der Glanz des Goldes: Ihm sind Bankvorstände aus dem Landkreis Wunsiedel erlegen und haben offenbar dubiose Geschäfte abgeschlossen. Deshalb müssen sie sich vor Gericht verantworten. Karlheinz Kipke, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Coburg, kann das Verhalten der Banker nicht nachvollziehen.
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Marktredwitz/Coburg - Der Faszination des Goldes erliegen Menschen seit Jahrtausenden. Dass aber drei einst bestens dotierte, von vielen hoch gelobte und angesehene Bankmanager aus dem Landkreis Wunsiedel im Goldrausch ein Geldinstitut an den Rand des Ruins führen, ist eher ungewöhnlich. Bei der VR-Bank im oberfränkischen Marktredwitz ist das geschehen. Jetzt ist das Trio von der Staatsanwaltschaft Hof wegen besonders schwerer Untreue angeklagt worden.

Die Geschichte beginnt im Jahr 2004, als deutsche Kaufleute im westafrikanischen Guinea unterwegs sind. Sie wollen Blutzuckermessgeräte an die Armee des durch und durch korrupten Landes verkaufen. Das Geschäft soll 1,9 Millionen Euro einbringen. Dann allerdings tauchen Probleme auf. Einer der Verkäufer behauptet, er sitze mit 100 Kilogramm purem Gold schon seit drei Tagen in seinem Hotelzimmer in Guinea fest. Er benötige dringend Schmiergeld, 63 000 Euro, um den Goldschatz durch die Kontrollen am Flughafen zu schleusen, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Unverständnis in Coburg

Laut SZ gibt es noch eine zweite abenteuerliche Version derselben Geschichte. Die Rede ist von drei Säcken voller Goldstaub, die man dem Geschäftsmann und seinem Kompagnon am Strand des afrikanischen Landes Sierra Leone angeboten habe, diesmal für 60 000 Euro. Das Geld für ihre angeblichen tollen Geschäfte bekamen die Männer prompt überwiesen: als Kredite von der VR-Bank Marktredwitz. In deren Vorstandsetage pflegten die mittlerweile als Betrüger verurteilten Afrika-Fahrer beste Beziehungen. Gegen drei ehemalige Vorstandsmitglieder des Geldinstituts, das sich mittlerweile in VR-Bank Fichtelgebirge umbenannt hat, erhebt die Staatsanwaltschaft Hof Anklage. Ihnen soll noch heuer der Prozess gemacht werden.

Nach Recherchen der Frankenpost sollen die drei Ex-Vorstände hoch riskante Kredite an dubiose Unternehmer vergeben haben. Als sich die Geschäfte dieser Firmen in Luft auflösten, unter anderem der Verkauf der Blutzuckermessgeräte an das Land Guinea gegen Säcke voller Gold, platzten auch die Kredite: zum Nachteil der Genossenschaftsbank und ihrer 17 000 Mitglieder, den Eigentümern dieses Instituts. Der Schaden geht in die Millionen und führte das Geldinstitut an den Rand des Ruins. Es wäre beinahe untergegangen.

Dass es so weit kommen konnte, versteht Karlheinz Kipke, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Coburg, nicht. Für sein Haus kämen solche Geschäfte nie in Frage: "Wir lassen grundsätzlich die Hände von solchen Angeboten, und solche, wie es in Marktredwitz offenbar der Fall war, sind auch noch nie an uns herangetragen worden".

Die von ihm und Wolfgang Gremmelmaier geführte Bank sei ein regional ausgerichtetes Geldinstitut. "Wir sind eine Regionalbank, und wir konzentrieren unsere Geschäfte auf den Wirtschaftsraum Coburg und Sonneberg", so Kipke. Bei den Genossenschaftsbanken gelte das Regionalprinzip, und daran halte man sich in Coburg und Sonneberg. Dies bedeute, man stehe gegenüber Sparern, Anlegern und Kreditnehmern aus der Region in der Pflicht. Ein Engagement darüber hinaus passe nicht in das Geschäftskonzept der VR-Bank Coburg, so deren Vorstandsvorsitzender Kipke.

Kunden wehren sich

Es hat auch nicht in das Geschäftskonzept der VR-Bank Marktredwitz gepasst. Seit Jahren kritisiert der Wunsiedeler Kreis (Internet: www.wunsiedeler-kreis.de) dieses Gebaren. Der erste Eintrag im Gästebuch, das den Namen "VR-Bank Marktredwitz eG" trägt, datiert vom 9. Dezember 2004. Darin heißt es, man müsse dem Wunsiedeler Kreis "ein Lob aussprechen...vor allem dafür, dass endlich jemand den Mut findet, Probleme von Banken anzugehen und dies schonungslos aufzudecken". Die Zeit sei reif dazu, dass auch einmal Betroffene aufstehen. "Macht weiter so und lasst euch von niemanden ins Bockshorn jagen." Zwischenzeitlich ist die Zahl der Einträge auf 5288 angestiegen.

Die untergegangene VR-Bank Marktredwitz zeigte sich schon vor dem Afrika-Deal wenig kundenfreundlich, schreibt die Frankenpost. In mehreren Prozessen seien dem Geldhaus falsche Wertstellungs- und Zinsberechnungen nachgewiesen worden. Schadenersatzzahlungen an Kunden seien die Folge gewesen.

Der frühere Vorstand, dem die meiste Verantwortung an dem Finanzdesaster zugeschrieben wird, ist weiterhin in der Finanzbranche tätig: als selbstständiger Berater. Sein Büro unterhält er in Marktredwitz, nur einen Steinwurf von seiner früheren Bank entfernt. wb

 
 

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