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Erschienen am 19.03.2009 00:00
Skandal in Kronacher Synagoge
„Braune Wunderheiler“ | GNM-Jünger verbreiten bei Infoveranstaltung antisemitische Thesen – Ärztin entlassen
Von Volker Friedrich und Christian Kreuzer
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Anhänger der ,,Germanischen Neuen Medizin" störten am Dienstagabend eine Infoveranstaltung in der Kronacher Synagoge.
Bild: Kreuzer

KronachIn der Kronacher Synagoge haben Anhänger der „Germanischen Neuen Medizin“ (GNM) am Dienstagabend für einen Eklat gesorgt. Auf Einladung des Arbeitskreises Synagoge und der evangelischen Kirche wollte Kirchenrat Bernhard Wolf eigentlich ungestört über antisemitische Tendenzen der GNM aufklären. Allerdings hatten sich rund 20 Anhänger der Bewegung unter die Zuhörer gemischt und meldeten sich nach dem Vortrag mit skandalösen Beiträgen zu Wort. Im Vorfeld war der Referent sogar bedroht worden.

In den letzten 14 Tagen hatte es so ausgesehen, als hätte sich das Thema GNM in Kronach weitgehend erledigt. Dann aber überschlugen sich die Ereignisse: Die Frankenwaldklinik kündigte am Dienstag der Ärztin V. Ihr und ihrem Ehemann wird seit Langem nachgesagt, am Rande der Cranach-Stadt ein GNM-Zentrum errichten zu wollen. Allerdings distanzierte sich das Ehepaar erst vor kurzem mit einer Stellungnahme in der Neuen Presse teilweise von Praktiken der GNM-Jünger, gänzlich von sämtlichen rechtsextremen Tendenzen und ebenso dezidiert von Vorwürfen, sie planten die Errichtung eines GNM-Zentrums.

Die Kündigung

Ihrem Arbeitgeber ging das offensichtlich jedoch nicht weit genug. Jochen Bocklet, Geschäftsführer der Frankenwaldklinik, bestätigte gegenüber der Neuen Presse die Kündigung, wollte sich aber nicht näher dazu äußern. Wie es im Umfeld der Geschäftsführung heißt, soll die Ärztin V. zwar mehrfach beteuert haben, nicht nach den Methoden der GNM zu praktizieren, ihre Einstellung dazu allerdings auch auf Nachfrage offen gelassen haben.

Bei dem Vortrag am Dienstagabend in der Kronacher Synagoge tauchte dann völlig überraschend der neben dem Begründer Ryke Geerd Hamer prominenteste Verfechter der GNM-Ideologie auf: Helmut Pilhar, den der Ehemann der Ärztin im Dezember 2005 zu einem Vortrag nach Kronach geholt hatte. Der Österreicher war vor einigen Jahren in die Schlagzeilen geraten, weil er seiner krebskranken Tochter Olivia eine lebenserhaltende Therapie zugunsten der Lehre Hamers vorenthalten wollte. Erst der Entzug des Sorgerechtes rettete dem Kind mit einer Operation das Leben.

Pilhar behauptete mitten in der Synagoge und zum Entsetzen der meisten Zuhörer, „die jüdische Seite“ sei dafür verantwortlich, dass die „Germanische Neue Medizin“ nicht angewendet werden dürfe. Dadurch würden alle Nicht-Juden dazu gezwungen, „sich von der Chemotherapie töten zu lassen“. Weiterhin sagte Pilhar, dass alle Juden selbst die GNM praktizierten und Ryke Hamer daher als „größter Wohltäter der Juden“ bezeichnet werden müsse. Und so weiter. Für derartige Worte gab es immer wieder Beifall von rund 20 Anhängern der GNM, die teilweise versuchten, die Veranstaltung zu stören, weil ihnen die Ausführungen des Referenten gegen den Strich gingen.

Bernhard Wolf, evangelischer Kirchenrat und Beauftragter für religiöse und geistliche Strömungen unserer Zeit, hatte Ryke Geerd Hamer in seinem Vortrag als Scharlatan bezeichnet, dessen medizinische Ansichten jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehrten. Von der GNM gehe eine große Gefahr aus, weil sie – ebenso wie die Scientology-Sekte – auf einer Allmachtsfantasie beruhe: „Die GNM zeigt, wie Medizin umschlagen kann in eine Weltanschauung, die hochproblematisch ist.“

Referent bedroht

Bereits im Vorfeld hatte die GNM, beziehungsweise ein ihr nahe stehender und Wolf namentlicher bekannter Verschwörungstheoretiker versucht, den Vortrag mit kaum verhohlenen Drohungen zu unterbinden. In einer Mail an den Referenten heißt es: „ . . .Ich möchte Sie bitten, unbedingt vorsichtig zu sein bei Ihren Äußerungen . . . Sollte die GNM den Status der offiziellen Zulassung erlangen, dann wird man alle Personen, die in der Öffentlichkeit vor Zeugen gegen die GNM gewettert haben, zur Verantwortung ziehen. . . . Ich bete für Sie.“

Veranstalter sprachlos

Die Veranstalter äußerten sich gestern entsetzt über den Auftritt der GNM-Jünger. „Wir haben danach noch lange zusammengestanden und überlegt, wie es jetzt weitergeht“, sagt Ingrid Steinhäuser, Kreisrätin der Frauenliste und Mitglied des Arbeitskreises Kronacher Synagoge. „Es darf einfach nicht sein, dass sich solche Leute hier breit machen.“ Dr. Claus Beyerle, ehemaliger Chefarzt der Frankenwaldklinik und ebenfalls in dem Arbeitskreis engagiert, ist „einfach nur sprachlos“. Man brauche jetzt zunächst ein paar Tage, um darüber nachzudenken. Auf keinen Fall werde es sich Kronach gefallen lassen, dass die GNM von hier aus aktiv wird.

Das aber schließen Fachleute inzwischen nicht mehr aus. „Nach allem was wir wissen, liegt die Vermutung nahe, dass Kronach als eines der möglichen GNM-Zentren ins Auge gefasst wurde“, befürchtet Kirchenrat Wolf.

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, hat Kronach bereits ihre Unterstützung zugesichert. „Gruppierungen wie die GNM, die unter dem Deckmantel der alternativen Medizin antisemitische Weltverschwörungstheorien verbreiten, dürfen in unseren Städten nicht Fuß fassen“, heißt es in einem Brief an den Aktionskreis Synagoge. Es sei ungeheuerlich, mit welcher Dreistigkeit GNM-Begründer Hamer „jüdische Menschen des millionenfachen Mordes bezichtigt. Wir müssen alles Erdenkliche unternehmen, um den Machenschaften dieser Antisemiten das Handwerk zu legen.“ Daher dürfe man es auch nicht zulassen, dass sich „die braunen Wunderheiler“ in Kronach oder anderswo niederlassen, um ihre „bedrohliche Propaganda“ zu verbreiten.

 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von jonny am 19.03.2009 08:54
    Braune Haufen
    gehören ins Klo.

  • von spubib88 am 19.03.2009 09:38
    Kasperltheater
    ...

  • von maxheim am 19.03.2009 12:09
    Strafanzeige gegen Pilhar
    Es wird endlich mal Zeit, diesen Herrn Pilhar wegen Volksverhetzung anzuzeigen. Er verbreitet nicht nur die antisemitischen Pöbeleien seines Idols auf seinen Internetseiten, sondern vertritt die volksverhetzenden Thesen Hamers auch noch persönlich.

  • von wissen am 19.03.2009 18:38
    Tja
    Vor einigen Jahren stand in der NP mal ein Artikel über eine GNM-Infoveranstaltung (teilweise noch im google cache zu finden). Komischerweise war die NP damals der ganzen Sache VÖLLIG unkritisch dem gegenüber...

  • von beat-sue am 19.03.2009 22:21
    GNM Neue Germanische Medizin ist GEFÄHRLICH
    "Prof. DDDDr." Paul E. Wittmer, Anwalt der keiner ist, Rechtsvertreter von Scharlatan Harald Baumann, vertreter der "GNM-SCHWEIZ sitzt für 27 Monate in der STRAFANSTALT THORBERG

    Urteil STAPA.2006.32 v. 16.08.2007, am 22. Januar 2008 in Rechtskraft erwachsen

    SCHWEIZERISCHES BUNDESGERICHT
    Strafrechliche Abteilung
    Urteil 6B_787/2007/bri vom 22. Januar 2008

    Paul E. Wittmer, Argenzipfel 455, AT-6883 Au, Österreich,

    http://hochstapler-paul-e-wittmer.blogspot.com/

  • von ngsp am 20.03.2009 09:20
    Zensur?
    Interessant, hier werden kritische Kommentare einfach gelöscht. Das passt doch prima zum Inhalt des Artikels.

  • von spubib88 am 20.03.2009 10:55
    Normal!
    Nix neues!

  • von johan am 20.03.2009 16:59
    Beweise statt Beschimpfungen!
    Gegenseitige Beschimpfungen helfen hier nicht weiter!
    Nach meiner Überzeugung kann nur ein Beweis der Unrichtigkeit seiner ’5 Biologischen Gesetze’ der GNM Hamer und seine Mitstreiter zu Fall bringen. Solange sie zu wissen glauben, dass die GNM richtig, Krebs auf natürliche Weise heilbar und die Chemotherapie vorrangig Leichen produziert, werden sie nicht aufgeben. Warum auch – sie meinen ja die Wohltäter zu sein.

    Deshalb mein Aufruf an die Ärzteschaft:
    Nehmt euch die angeblichen 5 Gesetzmäßigkeiten vor, z.B. die Lokalisation der Hamerschen Herde im Gehirn genau an der für die jeweilige Krebsart charakteristischen Stelle. Ladet ruhig Dr. Hamer ein um ihm zu beweisen dass da außer Artefakten nichts ist. Beweist ihm, dass Krebs nichts mit einem ‚biologischem Konflikt’ zu tun hat, dass Brustkrebs kein ‚Mutter-Kind-Konflikt’ vorausgeht, dass Lungenkrebs keinen ‚Todesangst-Konflikt’ zur Ursache hat. Eine Befragung eurer Patienten kann das doch schnell widerlegen.

  • von wissen am 20.03.2009 19:16
    Achtung
    Der User "Johan" ist ein GNM-Verfechter! Nicht drauf eingehen, nicht ernst nehmen!

  • von johan am 20.03.2009 19:37
    Darauf eingehen!
    Hallo ‚Achtung’,
    ich bin nur einer der wissen will, ob denn nun die GNM richtig ist oder falsch. Wenn man sich dieser Frage mit „Nicht drauf eingehen, nicht ernst nehmen!“ nähert, wird man keine Antwort darauf erhalten.
    Deswegen:
    Darauf eingehen und die GNM überprüfen lassen! Damit aus Glauben oder Unglauben Wissen wird! Scharlatanerie oder anwendbare Krebsheilung – das muss doch eindeutig zu unterscheiden sein.

  • von maxheim am 20.03.2009 21:39
    Butter bei die Fisch
    Ich bin auch dafür, dass man den Osterhasen endlich rehabilitiert und damit aufhört, ihn in solch einer schändlichen Weisen gegenüber dem Weihnachtsmann zu benachteiligen.

  • von maxheim am 21.03.2009 00:08
    Artikel bei Dr. Meisenpiep
    Ich habe zu den Vorgängen um die GNM in Kronach einen Artikel geschrieben und auf meine HP gestellt. Siehe:

    www.meisenpiep.beepworld.de

  • von messias am 21.03.2009 20:29
    Aber wer die Wahrheit kennt und eine Lüge nennt... [B.Brecht]
    Ja, Herr Meisenpiep, äh, Herr Maxheim, Nomen est Omen...
    G. Wisnewski hat in seinem Kritischen Jahrbuch 2009 gerade den § des StGB zitiert, der eine Strafverfolgung für Denunzianten vorsieht, die ihre Mitmenschen verfolgen und anschwärzen, sodaß sie dann als politisch Vefolgte ihrer Existenz beraubt werden oder andere Nachteile erlangen. Nur der Versuch ist schon strafbar und vll findet sich ja doch einmal ein Staatsanwalt. Putzen Sie lieber Ihre Brillengläser und lassen Sie Ihren fehlgelenkten Hass auf Außenseiter-Methoden ruhen! Das macht Ihre, mit dem Gold-Standard zu Tode therapierte Tochter auch nicht wieder lebendig.

    Ach übrigens, Herr Wolf, schön, wenn Hamer mit der GNM Geld verdienen würde, dann müsste man sich weniger Sorgen um sein Auskommen machen. Bisher kenne ich es eher so, daß er nicht so finanzkräftige Patienten sogar noch finanziell unterstützt, damit sie sich Reise und Unterkunft leisten können. Von den anderen Unwahrheiten in Ihrem Vortrag mal ganz zu schweigen.

  • von maxheim am 21.03.2009 22:59
    Na, wenn das der Messias sagt
    Irgendwie kommt mir diese Art und Weise schon abgedroschen vor. Wenn man also Scharlatane, Betrüger und Volksverhetzer bloß stellt, dann ist man natürlich ein Denunziant. Auf wen soll ich denn nun meinen "fehlgelenkten Hass" richtig lenken? Bestimmt hat der "Messias" dazu eine Idee, wetten!

  • von johan am 22.03.2009 12:52
    Grundsatz: Immer beide Seiten anhören
    Vortrag von Kirchenrat Prof. Bernhard Wolf anhören:
    http://www.bayern-evangelisch.de/www/index.php

    Entgegnung von Herrn Pilhar lesen:
    http://www.pilhar.com/Olivia/Korrespo/2009/20090319_Pilhar_BerichtKronach.htm

  • von maxheim am 27.03.2009 13:19
    Und, wer sagt die Wahrheit?
    ?????

 

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