![]() |
|
|
|
||
Coburg - Er gilt als der deutsche Adelsexperte schlechthin: Rolf Seelmann-Eggebert, ehemaliger Chefkorrespondent des NDR, berichtet seit über 30 Jahren exklusiv über den europäischen Hochadel. In den 80er Jahren feierte er mit der elfteiligen Serie "Königshäuser", in der er Europas Monarchen portraitierte, Riesenerfolge. Mit 72 Jahren ist er heute immer noch ein hochkompetenter Beobachter der Blaublüter. Dabei ist Seriosität für ihn oberstes Gebot. Yellow Press, bloße Befriedigung der Sensationslust, ist seine Sache nicht. "Stelle, was Tabuthemen angeht, anderen Leuten keine Fragen, die man sich nicht selbst stellen lassen möchte", lautet seine Devise.
Am 23. Mai geben sich Hubertus Erbprinz von Sachsen-Coburg und Gotha und die amerikanische Investmentbankerin Kelly Rondestvedt in der Coburger Morizkirche das Jawort. Über die Traumhochzeit im Beisein zahlreicher Prinzen und Promis sprach Chefreporter Volker Friedrich mit dem Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert.
Am 23. Mai findet in Coburg die Hochzeit des Jahres statt. Eine Frage, die natürlich alle hier bewegt, lautet: wer kommt? Sie kennen sich aus im europäischen Hochadel. Und ausnahmsweise sei hier spekulieren einmal erlaubt . . .
Zwei europäische Königshäuser führen den Namen Sachsen-Coburg und Gotha als Familiennamen fort: Das regierende Haus Belgien und das ehemals regierende Haus Bulgarien. Eng sind die Beziehungen mit Schweden - die Mutter des gegenwärtigen Königs war Prinzessin Sibylla von Sachsen-Coburg und Gotha - und mit der Familie des Großherzogs von Luxemburg.
Und schließlich darf man nicht vergessen, dass auch das heutige Haus Windsor bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges Haus Sachsen-Coburg und Gotha hieß. Unter Protokoll-Gesichtspunkten läge es nahe, dass diese fünf Häuser bei der Hochzeit vertreten wären, eher mit Mitgliedern der jüngeren als der älteren Generation.
In Coburg blickt natürlich alles auf die Hochzeit. Welche Rolle spielt sie im nationalen und internationalen Blickwinkel?
Durch seine erfolgreiche Heiratspolitik hat das kleine deutsche Herzogtum im 19. Jahrhundert einen beachtlichen internationalen Ruf gehabt. Nach der Abdankung der Monarchie in Deutschland 1918 hat der gesamte deutsche Adel seine Macht verloren und an Einfluss eingebüßt. Aber alte Traditionen werden eher gepflegt als in bürgerlichen Familien. Das gilt insbesondere, wenn die ältesten Söhne, die früher Thronfolger gewesen wären, heiraten. Als künftige Chefs des Hauses wird von ihnen erwartet, dass sie die familiären Bande über die eigene Familie hinaus pflegen.
Oft kommt es nicht vor, dass Adlige sich mit Bürgerlichen vermählen. Welche ähnlichen Beispiele kennen Sie?
Das stimmt so nicht. In den sieben Königshäusern Europas werden wir in Zukunft fünf nicht adlige Königinnen und einen nicht adligen Prinzgemahl haben. Nur der belgische Thronfolger hat standesgemäß geheiratet. Dieser Trend ist unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen zeitgemäß und unumkehrbar.
Wie war das denn früher - als mit Hochzeit noch Politik gemacht wurde?
Liebesheiraten kamen vor, waren aber nicht die Regel. Oft begannen die gekrönten Häupter mit der Partnersuche für ihre Kinder als sie noch kaum auf eigenen Beinen standen. Diese Heiratspolitik hatte im alten Europa Auswirkungen auf Reichsgrenzen und militärische Bündnisse.
Herr Erbprinz - die Anrede geht wohl gar nicht. Wie sprich man denn das junge Glück korrekt an?
Ich denke, dass Prinz Hubertus es überraschend fände, wenn man ihn mit Durchlaucht titulierte. Darauf hätte er früher Anspruch gehabt. Heute wäre er sicher zufrieden, wenn man ihn mit Prinz Hubertus anspricht.
Was schen
kt der Prinz dem Prinzen?
|
Lesen Sie ab morgen, Donnerstag, 7. Mai: Die schönsten Adelshochzeiten und verwandtschaftliche Beziehungen zum Hause Sachsen-Coburg-Gotha. "So traut sich der Adel": Eine NP-Serie zur Traumhochzeit. |
Wie in bürgerlichen Kreisen ist bei derlei Anlässen eher die Originalität des Geschenks von Bedeutung als dessen pekuniärer Wert. Glücklich also derjenige, der sich mit den Hobbies des Brautpaares auskennt. Vielleicht kommt ja jemand auf die Idee, den beiden zwei Küchenschürzen mit ihren eingestickten Initialen zu schenken? Handarbeiten dieser Art kommen immer gut an.
Wie kleidet man sich "bei Hofe"?
Darüber muss man sich in der Regel keine Gedanken machen, weil die entsprechende Anweisung auf der Einladungskarte steht. Natürlich trägt man in der Kirche etwas anderes als abends beim Hochzeitsschmaus. Und wenn man selber keinen Cut ("Cutaway", ein in England entwickelter festlicher Tagesanzug für Herren, die Red.) besitzt, freut sich der nächste Kostümverleih.
In Franken gibt es die Tradition der Brautentführung. Können sie sich das in Adelskreisen auch vorstellen?
Am Polterabend könnte ich mir das vorstellen. Am Hochzeitstag selber würde ich es als Gast, der möglicherweise von weither angereist ist, als unhöflich empfinden, wenn sich mir die Gastgeber auf längere Zeit entzögen.













