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Ressort Wirtschaft
Erschienen am 13.09.2008 00:00
WERKSSCHLIESSUNG
Valeo: „Eine völlig willkürliche Entscheidung“
Von Daniela Koehler
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Wer den Mitarbeitern von Valeo seine Solidarität bekunden und sich für den Erhalt des Standortes einsetzen möchte, kann diese Postkarte an das Unternehmen schicken. Die Karten werden an die Konzernleitung übergeben.
Bild: Neue Presse

Kronach/Bad Rodach „Es sieht fast so aus, als ob das von langer Hand geplant war“. Jörg Vogt, Betriebsratsvorsitzender bei Valeo Beleuchtung Deutschland GmbH Kronach, ist sauer, als er in einem Pressegespräch am Freitag über die aktuellen Geschehnisse rund um den Automobilzulieferer berichtet, und Axel Dorscht, Betriebsratsvorsitzender in Bad Rodach und Sekretär im europäischen Valeo-Betriebsrat, spricht von einem „Bauernopfer“ und einer „völlig willkürlichen Entscheidung“. Beide waren zusammen mit Michael Hein (auch Betriebsrat Kronach) diese Woche zwei Tage in Paris, um die Lage mit der Konzernleitung zu besprechen.

Das Grundproblem: Die Beleuchtungssparte mit ihren vier Standorten erwirtschafte insgesamt zwar Gewinn. „Aber nicht genug“, wie Axel Dorscht sagte. Jetzt sehe es so aus, als ob durch die Schließung eines Standortes die Zahlen der anderen verbessert werden sollen. Warum ausgerechnet Neuses geschlossen werden soll, ist allen unverständlich.

Im Vergleich zu den anderen Standorten der Valeo-Beleuchtungsbranche in Frankreich, Spanien und Polen, schneide Neuses im Hinblick auf Kosten, Qualität und Pro-Kopf-Umsatz hervorragend ab. Dies hätte sogar die Unternehmensführung in Paris bestätigt, meinte Dorscht.

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Im Beleuchtungswerks von Valeo in Kronach-Neuses sind 250 festangestellte Mitarbeiter und rund 60 Leiharbeiter beschäftigt.
Bild: Neue Presse
Auch die Argumentation der Geschäftsleitung, die geographische Lage von Neuses sei nicht gut, konnte der Betriebsrat widerlegen, da die deutschen Kunden um Neuses herum angesiedelt seien und von dort aus beliefert werden. Einzig das Argument der sogenannten „kritische Größe“ mussten die Betriebsräte hinnehmen, wollten es allerdings nicht gelten lassen. „Das ist schließlich etwas, das von der Firmenleitung 2005 mit Absicht so beschlossen wurde“, sagte Vogt. Konzernintern gebe es heute eine Richtlinie, dass jeder Standort einen Umsatz von 50 Millionen Euro jährlich zu erwirtschaften habe, um rentabel zu sein (Neuses hatte 2007 rund 21 Millionen Euro erzielt). 2005 war beschlossen worden, einen Teil der Produktion zu verlagern und schon damals gingen in Neuses rund 150 Arbeitsplätze verloren. „2005 wurde argumentiert, das sei gut für uns, weil wir dann konkurrenzfähig seien. Wenn es diese Verlagerung nicht gegeben hätte, hätten wir heute genau jene geforderte kritische Größe“, klagt Vogt. Die Pariser Konzernleitung hätte sogar eingeräumt, dass dies ein Fehler gewesen sei, der allerdings von Managementmitgliedern gemacht wurden, die heute nicht mehr da seien.

Auch der Betriebsrat ging mit der eigenen Firmenleitung hart ins Gericht und warf ihr vor, massive Fehler begangen zu haben. Der Standort Neuses böte durchaus Möglichkeiten zur Verbesserung, die aber nicht erfolgt seien. Heil: „Wir haben schon seit Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass es erhebliches Optimierungspotenzial zum Beispiel im Bereich Logistik oder bei den Lohnstrukturen gebe und dass Restrukturierungen nötig seien. Aber es ist nie etwas unternommen worden.“ Heute sei es dafür nach Aussagen des jetzigen Geschäftsführers Heinrich Schönebergers „ein bis zwei Jahre zu spät“, meinte Heil. Schöneberger, Inhaber einer Consulting-Agentur, hatte die Firmenleitung im Juni von dem bisherigen Geschäftsführer Eckhard Reißhauer übernommen.

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Die Valeo Betriebsräte (von links): Michael Hein (Kronach), Axel Dorscht (Bad Rodach) und Jörg Vogt (Kronach).
Bild: Neue Presse
Dass nichts unternommen wurde, sei um so unverständlicher, weil im Schwesterwerk in Kronach, dem Bereich Valeo Wischer, genau diese durchgeführt worden seien. Heil: „Das hätte man bei uns genauso machen können“.

Unverständnis äußerten sie auch darüber, dass in Paris von der Konzernleitung keine Alternative vorgeschlagen wurde, die eine Lösung zum Fortbestand des Standortes ermöglicht hätte und dass nicht im Vorfeld der Entscheidung versucht worden sei, mit Betriebsrat und Gewerkschaft einen Weg zu finden, um Neuses zu retten.

Der Europabetriebsrat hat jetzt beschlossen in Zusammenarbeit mit dem IFO-Institut eine Studie in Auftrag zu geben, die untersuchen soll, was die Gründe für die Schließung von Neuses seien, wie die relative Positionierung der Standorte zueinander sei, welche Auswirkungen die angestrebte Strategie habe und welche Alternativen zur Schließung es gebe. Außerdem soll untersucht werden, welche Auswirkungen diese Strategie auf Valeo Wischer in Kronach habe. Mit dem Ergebnis der Studie rechnet Dorscht in etwa vier Wochen. Sozialplan- oder andere Verhandlungen seien in der Zwischenzeit noch nicht aufgenommen worden und es gebe auch keinen konkreten Termin für die angestrebte Schließung.

Bei allem Negativen äußerte Vogt große Freude über die Postkarten-Aktion, die die Neue Presse gestartet hatte. Die Karten werden gesammelt und dann der Konzernleitung als Zeichen der Solidarität der Region zu den Valeo-Mitarbeitern übergeben. Sie sollen helfen, den Standort zu erhalten. In der Zwischenzeit seien schon rund 300 bis 400 Karten bei ihm eingetroffen. Vogt: „Es tut einfach gut, diese Unterstützung zu erhalten. Auch wenn es am Ende vielleicht die Schließung nicht verhindert, für die Belegschaft ist es eine Hilfe“.

 

 
 

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