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Coburg

Bald ein Fall fürs Museum?

Mit dramatischen Worten hat der Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr Coburg, Daniel Forkel, bei der Jahreshauptversammlung auf die sinkenden Mitgliederzahlen aufmerksam gemacht.



Die Freiwillige Feuerwehr Coburg hat bei ihrer Jahreshauptversammlung langjährige Mitglieder ausgezeichnet. Das Ehrenwehr-Ehrenkreuz erhielt Vorsitzender Daniel Forkel (links). Foto: Wolfgang Desombre
Die Freiwillige Feuerwehr Coburg hat bei ihrer Jahreshauptversammlung langjährige Mitglieder ausgezeichnet. Das Ehrenwehr-Ehrenkreuz erhielt Vorsitzender Daniel Forkel (links). Foto: Wolfgang Desombre  

Coburg - "Durch die Auflösung der Feuerwehren Lützelbuch und Neu- und Neershof im letzten Jahr nahm die, ich will es mal so sagen, Katastrophe hoffentlich ihren Höhepunkt", sagte Forkel.

Die Coburger Feuerwehr stehe im Ranking der Wehren vom Verhältnis der Einwohnerzahl zur Zahl der Dienstleistenden in Bayern ganz hinten. Weniger als ein halbes Prozent der Coburger Bevölkerung engagiere sich in einer Feuerwehr, bedauerte Forkel. Dies sei keine Situation, in der man sich ausruhen dürfe: "Aber wir sind nahezu am Ende mit unseren Ideen und Maßnahmen."

Selbstverständlich sei es wichtig, Migranten aufzunehmen. "Aber wir können sie auch nicht einfangen", meinte der Vorsitzende: "Wie sollen wir unsere neuen Mitbürger, die sowieso schon Probleme haben, sich zu integrieren und aufgrund von Maßnahmen bereits eingespannt sind, für unseren Dienst gewinnen, wenn der sonst so pflichtbewusste deutsche Michel nicht mit gutem Beispiel vorangeht?" In zwei Dritteln aller Stadtteile, nämlich Beiersdorf, Cortendorf, Lützelbuch, Neuses, Neu- und Neershof, Rögen, Seidmannsdorf und Scheuerfeld gebe es zum Teil schon seit Jahrzehnten keine Feuerwehr mehr. Forkel: "Eine ernste Entwicklung, die es aufzuhalten gilt." Aber dies könne nicht nur auf den Schultern der ohnehin schon stark eingespannten Ehrenamtlichen geschehen, sondern man brauche professionelle Hilfe. Auch müsse ein Umdenken in den Köpfen der Bürger stattfinden. "Denn es möchte sicherlich niemand, dass in absehbarer Zukunft im Naturkundemuseum der Feuerwehrmann neben dem Neandertaler steht", machte Daniel Forkel deutlich.

Auch die Politik sieht er hier in der Pflicht. Es helfe der Wehr nicht weiter, wenn der Stadtrat Beschlüsse fasse, die einzelne Stadträte dann wieder über den Haufen werfen wollen. Immer mehr Aufgaben müssten bewältigt werden und seien immer schwieriger auf die vorhandenen Schultern zu verteilen, warnte Forkel: "Und wir laufen Gefahr, Aktive durch Unzufriedenheit und Überlastung zu verlieren."

Eine Kinderfeuerwehr sei vom Grundsatz her eine gute Einrichtung, meinte der Vorsitzende. Die derzeit aktiven Feuerwehrleute könnten diese Aufgabe jedoch zeitlich und pädagogisch nicht stemmen.

Verschiedene Ausbildungsveranstaltungen, zum Beispiel für Maschinisten, seien mit Zuschüssen unterstützt worden, berichtete Forkel. Die zweite Auflage der Präsentation auf dem Marktplatz im Rahmen der Museumsnacht sei für die Feuerwehr eine gute Möglichkeit gewesen, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Ein Mix aus Tag der offenen Tür und der Aktion am Markt sei eine Mischung, die vom Bürger offenbar gut angenommen werde.

Kommandant und Stadtbrandrat Ingolf Stökl sprach von mehr als 500 Wachdiensten, 350 Sicherheitswachen, 200 Ausbildungsdiensten und 276 Einsätzen, was sich auf insgesamt rund 13 000 Einsatzstunden summiere: "Das verdient Achtung." In seiner Statistik führte er 77 Fehlalarme, 151 technische Hilfeleistungen und 48 Brandeinsätze auf. Die hohe Zahl der technischen Hilfeleistungen erfordere ein Umdenken bei der Ausbildung. Mit 300 Theaterdiensten mit je drei Personen sei die Wehr sehr gefordert. Künftig werde man hier auch andere Wehren einbinden, sagte Stökl. Die Feuerwehr sei sehr gut ausgestattet, nur fehle es an einfachen Handschuhen für die Hilfeleistungen.

Der Stadtbrandrat sprach davon, dass er bei den im nächsten Jahr stattfindenden Neuwahlen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr kandidieren werde. "Ich werde meinen Nachfolger unterstützen und einarbeiten", kündigte er an.

Die Aktiven hätten mit der Vielzahl und mit der Qualität ihrer Einsätze eine eindrucksvolle Bilanz aufzuweisen, hob Oberbürgermeister Norbert Tessmer hervor. Ohne die Freiwilligen ginge vieles nicht, um Gefahrensituationen erfolgreich zu bewältigen. Auch der ICE werde die Feuerwehr beanspruchen, denn für die Inbetriebnahme der Strecke sei Voraussetzung, dass die Wehr für die neuen Einsatzszenarien fit gemacht wurde. Tessmers Resümee: "Die Freiwillige Feuerwehr ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Rettungswesens sowie des Sicherheitskonzepts unserer Stadt und der Region." Aktuell werde für einige Anschaffungen und Umbauten investiert: unter anderem 60 000 Euro für ein Mehrzweckfahrzeug, 400 000 Euro für einen Gefahrgut-Gerätewagen, 100 000 Euro für Rollcontainer, Regalsystem und Stapler, 25 000 Euro für den Umbau der Fahrzeughalle.

Auch Ehrungen standen bei der Versammlung auf dem Programm. Für zehn Jahre Mitgliedschaft: Melanie Stoye, Christian Immisch und Sascha Hehn. 25 Jahre: Joachim Geißler, Swen Reichenauer und Michael Schieber. 30 Jahre: Bernd Griebel, Karl-Heinz Pindl und Markus Prause. 40 Jahre: Detlef Höflich und Matthias Kraus. 50 Jahre: Udo Caspar. 60 Jahre: Gerhard Meisch und Oswald Gundermann. Zu Gruppenführern wurden Patrick Hein und Jens Beugnies befördert, zu Zugführern Dominik Luther und Tobias Büchner. des

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Wolfgang Desombre
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Veröffentlicht am:
20. 03. 2017
17:12 Uhr

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Wolfgang Desombre

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Veröffentlicht am:
20. 03. 2017
17:12 Uhr



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