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Coburg

Ruf nach stärkerer Polizeipräsenz

Bei einer Podiumsdiskussion der FDP zum Thema Steinweg erwarten fast alle Sprecher mehr Engagement von den Sicherheitskräften. Um eine Sperrzeitverlängerung streitet man leidenschaftlich.



Die zwei Gesichter des Steinwegs: Nachts fliegen auf der Straße immer wieder die Fäuste und Scheiben gehen zu Bruch...
Die zwei Gesichter des Steinwegs: Nachts fliegen auf der Straße immer wieder die Fäuste und Scheiben gehen zu Bruch...   » zu den Bildern

Coburg - Zum Steinweg gibt es keine einheitliche Meinung. Während die einen es für absolut notwendig halten, dass Coburg ein Kneipen- und Ausgehviertel hat, in den bis in die führen Morgenstunden gefeiert werden darf, sehen die anderen genau darin das Problem und fordern eine Verlängerung der Sperrzeit. Das hat die Podiumsdiskussion gezeigt, zu der am Donnerstagabend die Coburger FDP in den "Hexenturm" eingeladen hatte.

Eine Forderung jedoch eint fast alle, die an der lebhaften Diskussion teilgenommen haben: Sie wollen mehr Polizeipräsenz in den Nachtstunden. "Wir benötigen mehr Streifen, denn unsere Security-Leute dürfen nur bis zur Türe arbeiten", verlangte beispielsweise Bar-Besitzerin Nicole App. Viele Raufereien spielten sich aber außerhalb der Lokale ab.

"Der Steinweg - Partymeile oder No-Go-Area?", so lautete der Titel der Diskussion, an der Oberbürgermeister Norbert Tessmer, der FDP-Bundestagskandidat Alexander Arnold, die Gastronomin Nicole App, Wirte-Sprecher Rico Böhme, Einzelhändlerin Eva Wiesner und Anwohner und Hausbesitzer Jochen Pönisch teilnahmen. Eine No-Go-Area - also ein Stadtviertel, das man lieber nicht betreten sollte - sei der Steinweg keinesfalls.

Dagegen verwahrte sich ganz entschieden Eva Wiesner, die zusammen mit ihrem Mann ein Fotogeschäft dort betreibt. "Der Steinweg ist eine gute Straße, aber es braucht gegenseitigen Respekt, um die Probleme zu lösen", sagte Wiesner. Leider nehme die Einsicht, dass es nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme funktionieren könne, rasant ab, je später die Stunde und je alkoholisierter die Nachtschwärmer seien. "Ich habe mich seit Jahren im Steinweg-Beirat engagiert und wir haben viele unterschiedliche Modelle ausprobiert. Jetzt bin ich aber an dem Punkt, wo es ohne eine Verlängerung der Sperrzeit nicht weitergeht", betonte Wiesner. Ihrer Meinung nach sollten die Kneipen spätestens um 2 Uhr schließen. "In anderen Hochschulstädten, wie Bamberg, Regensburg oder Erlangen geht das auch."

"Dann fragen sie dort aber auch mal nach der Vielzahl von Ausnahmegenehmigungen", konterte Oberbürgermeister Norbert Tessmer. "Wir dürfen nicht in den Ruf kommen, ein beschauliches Dorf zu sein, wo nur alte Leute wohnen", warnte das Stadtoberhaupt unter dem Applaus der zahlreichen Zuhörer. Gleichwohl gestand Tessmer ein, dass Handlungsbedarf im Steinweg bestehe. "Wir tun gut daran, das Sicherheitskonzept Sipco wieder zu beleben", meinte er. Schon nächste Woche wolle die Polizei im Stadtrat einen Bericht über die Sicherheitslage in Coburg geben. Dann müssten Gespräche folgen, wie man mit Randalierern und Betrunkenen umgehen könne. "Wir dürfen aber den Steinweg nicht schlecht reden", appellierte der OB.

Das sah auch Wirte-Sprecher Rico Böhme so. "Nicht der Steinweg ist das Problem, sondern die Leute, die nichts mit sich anfangen können und dann ihre Aggressionen ausleben wollen", sagte der Radiomoderator. Auch Böhme plädierte für mehr Polizeipräsenz. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass allenfalls 0,5 bis ein Prozent der Steinwegbesucher unangenehm auffallen würden. Die Polizei registriere 80 bis 100 Delikte pro Jahr in der Partymeile.

Eva Wiesners Forderung nach deutlich kürzeren Öffnungszeiten in den Bars und Kneipen unterstützte Jochen Pönisch, Rechtsanwalt und Anwohner im Steinweg. "Wir sollten eine Kompromisslösung anstreben, um auch Wirten und Studenten entgegenzukommen", sagte Pönisch. Er schlug vor, an Freitagen und Samstagen um 4 Uhr zu schleißen, sonntags, montags und dienstags um 1 Uhr und mittwochs und donnerstags um 2 Uhr. Außerdem setzte sich auch Pönisch für mehr Polizeipräsenz ein: "Wenn der erste Barhocker fliegt, muss sofort der rote Knopf gedrückt werden und die Polizei spätestens zehn Minuten später vor Ort sein." Nur so könnten Randalierer in die Schranken gewiesen werden. Eine Videoüberwachung hält der Rechtsanwalt als weiteres Abschreckungsmittel "für durchaus denkbar".

Selbst Alexander Arnold, Bundestagskandidat der FPD, wollte eine Video-Überwachung des Viertels nicht völlig ausschließen, obwohl dies eigentlich nicht die Position der Liberalen ist. Gleichzeitig machte sich der junge Politiker ("Ich habe mich noch nie im Steinweg bedroht gefühlt.") für die Beibehaltung der jetzigen Sperrzeitregelung stark. "Wir brauchen ein Ausgehviertel, damit die Stadt attraktiv bleibt." Seiner Meinung nach hätten Lärmbelästigung und Verschmutzung im Steinweg nachgelassen, was Eva Wiesner bestätigte. Das Hauptproblem seien nun Randalierer und Betrunkene.

In seiner Anmoderation hatte FDP-Kreisvorsitzender Dr. Ullrich Herbert den Steinweg "eine der wichtigsten Straßen der Stadt" genannt. Nirgendwo sei die Nutzung so vielfältig. Andererseits entwickelten sich gerade deshalb, weil Wohnen, Ausgehen, Einzelhandel und Gastronomie auf so engem Raum beisammen wären, immer wieder Konflikte.

Weitere Berichterstattung am Samstag

 
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Norbert Klüglein

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Veröffentlicht am:
18. 05. 2017
21:45 Uhr

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18. 05. 2017
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