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Bestnoten für den "Ideal-Parsifal"

Glutvolle Musik, große Stimmen, entrümpelte Inszenierung und ein junger Titelheld nach Maß: Das Coburger Wagner-Wagnis erntet weithin positive Kritik.



Zeitgemäße Sicht auf Wagners Bühnenweihefestspiel: Der Coburger "Parsifal" erweist sich als Volltreffer. Foto: Andrea Kremper
Zeitgemäße Sicht auf Wagners Bühnenweihefestspiel: Der Coburger "Parsifal" erweist sich als Volltreffer. Foto: Andrea Kremper  

Coburg - "VERGESST BAYREUTH!": Die Heiligsprechung stammt aus berufener Feder: Eine gestandene Wagnerianerin aus Bamberg verkündet ihre Euphorie über den "Parsifal" im Gästebuch des Landestheaters in großen Lettern. Ein kühnes Lob, das am Grünen Hügel wohl als Sakrileg verstanden werden dürfte - aber die Resonanz auf das Coburger Wagner-Wagnis auf den Punkt bringt. Nach drei umjubelten Vorstellungen im meist ausverkauften Haus sind sich Publikum und Presse weitgehend einig in ihrer Begeisterung über dieses nicht nur musikalisch überwältigende "Bühnenweihefestspiel".

"Schlicht und ergreifend eine Sensation" ist diese Produktion für Joachim Rückert, den Musikvorstand der Coburger Gesellschaft der Musikfreunde: "Ich habe den ,Parsifal' schon mehrmals gesehen, auch in Bayreuth, aber das toppt alles!" schwärmt der Klassikkenner, der nicht nur von der Präsenz und Durchsichtigkeit des Klangbildes und der Qualität der Stimmen bezaubert ist: "Genial zurückhaltend, gleichzeitig aber plausibel, ohne überfrachtende Zusatzbotschaften" findet Rückert die Inszenierung des Teams um Jakob Peters-Messer.

"Wunderbar glaubwürdig" stelle Roman Payer den jugendlicher Parsifal im Kapuzenpulli dar: "Andere Inszenierungen leiden darunter, dass der Darsteller 40 Jahre zu alt und mindestens 40 Kilo zu schwer ist. Hier nicht!"

Angetan vom "Ideal-Parsifal" sind auch die Rezensenten überregionaler Medien: Den "Besetzungs-Coup" lobt das Klassik-Magazin concerti , das die Inszenierung als "erfreulich entrümpelt, aufgeklärt, nüchtern, erhellend" bezeichnet und GMD Roland Kluttig mit seinem Philharmonischen Orchester Bestnoten gibt für einen "wissend phrasierten, glutvollen, stets im Fluss bleibenden Wagner voller dynamischer Feinabstufungen und klangfarblicher Entdeckungen".

Dass es im kleinen Coburger Theater gelingt, die musikalische Magie der für Bayreuther Dimensionen und Akustik geschriebenen Oper zu entfalten, anerkennt auch der Kritiker der Süddeutschen Zeitung , bei dem die Inszenierung allerdings "undefinierbares Unbehagen" hinterließ: Die "szenische Stoffsammlung" leide unter einer Fülle von Ideen, "die sich gegenseitig Platz wegnehmen".

Von einem "ganz großen Regie-Wurf" spricht hingegen BR-Klassik : Peters-Messer gelinge "eine konsequente, plausible und absolut zeitgemäße Sicht auf Wagners ,Parsifal', der nie so christlich gemeint war, wie es manche Bayreuth-Pilger gerne hätten".

Dass die Coburger Lesart gerade auch Nicht-Wagnerianer anspricht und begeistert, hat auch Roland Kluttig aus zahlreichen Publikumsreaktionen erfahren: "Die Geschichte wird so erzählt, dass sie von ganz unterschiedlichen Menschen als spannend erlebt wird."

Mit seinem Orchester gelingt es auch dem Dirigenten, nicht nur Opernkenner zu betören. Seine eigenen Bedenken, ob "Parsifal" in der trockenen Akustik des Landestheaters zum Klingen zu bringen sei, haben sich vollends zerstreut: "Wir haben uns das Stück angeeignet. Die Entwicklung des Klangs war ein spannender Prozess. Wir haben jetzt eine fein abgestimmt Balance, einen Mischklang, wie wir ihn so noch nicht hatten."

Besonders glücklich über das Gelingen seines Herzens-Projekts ist Coburgs Intendant Bodo Busse, dem mit "Parsifal" ein Abschieds-Coup gewissermaßen unterlaufen ist: Als er die "Risiko-Entscheidung" für Wagner traf, war sein Weggang nach Saarbrücken noch kein Thema. Nun hinterlässt er mit dem "Parsifal" einen spektakulären Beleg für die Leistungsfähigkeit des Landestheaters: "Wir haben gezeigt, dass wir auch Sachen, die man uns nicht zutraut, machen können - und gut machen können. Das ist wichtig für das Haus und für die Stadt", betont Busse.

Mit dem regulären Etat wäre das ambitionierte Unterfangen nicht zu stemmen gewesen: Sponsor Brose ermöglichte das Engagement zusätzlicher Musiker, Chorsänger und Solisten. Die Kooperation mit dem Coburger Weltunternehmen soll auch weiterhin "Leuchtturmprojekte" ermöglichen, die jenseits der finanziellen Standards liegen. Dass deren Strahlkraft weit über die Region hinaus wirkt und damit das "künstlerische standing" des Landestheaters fördert, ist nicht der einzige erfreuliche Aspekt für den Intendanten: "Solche Leuchttürme leuchten auch nach innen, sie bringen Stolz ins Haus hinein", weiß Busse. Kraftakte wie dieser fordern die Mitarbeiter massiv, aber sie fördern auch ihre Identifikation mit dem Theater, sagt Busse: "So etwas bringt das Haus an die Grenze. Aber auch voran!"

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Dieter Ungelenk
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Veröffentlicht am:
20. 04. 2017
21:54 Uhr

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Dieter Ungelenk

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Veröffentlicht am:
20. 04. 2017
21:54 Uhr



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