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Der "Merz" des Lebens

Kurt Schwitters würde diesen Text hassen - oder zumindest seinen Anlass. Denn: Heute wäre der Künstler, der als einer der bedeutendsten Avantgardisten des 20. Jahrhunderts gilt, 130 Jahre alt geworden. Mit runden Geburtstagen soll er es allerdings so gar nicht gehabt haben.



Kurt Schwitters
Kurt Schwitters  

Kurt Schwitters würde diesen Text hassen - oder zumindest seinen Anlass. Denn: Heute wäre der Künstler, der als einer der bedeutendsten Avantgardisten des 20. Jahrhunderts gilt, 130 Jahre alt geworden. Mit runden Geburtstagen soll er es allerdings so gar nicht gehabt haben. Noch heute nehmen Museumsdirektoren deshalb lieber unrunde Geburtstage zum Anlass für Sonderausstellungen als allzu offensichtliche Jubeljahre.

Solcherlei Exzentrik korrespondiert mit dem konsequenten Individualismus des Hannoveraners: Schwitters nahm es sich heraus, für seine Kunst, er tat sich sowohl als Maler, Grafiker und Raumkünstler als auch als Lyriker hervor, eine eigene Gattung für sich zu beanspruchen - einen, so sagte er selbst, "absolut individuellen Hut, der nur auf einen einzigen Kopf passte".

Dieser Kunstform, die nicht nur durch ihren historischen Kontext, sondern auch durch ihre Abkehr von den Konventionen und Strukturen herkömmlicher Kunst dem Dadaismus nahesteht, verpasste er den Namen "Merz". Der Begriff wurde - so will es die Legende - aus dem Zufall geboren: Schwitters zerschnitt bei der Anfertigung einer Collage einen Reklame-Zettel der Commerzbank so, dass nur noch das Wortfragment "Merz" übrig blieb.

Seitdem befand sich Schwitters auf der Suche nach dem Merz des Lebens und dem Merz der Zeit: Als "Merzgesamtweltbild" sollte dieser Kunst und Leben durchdringen. Selbst in weggeworfenen Dingen erkannte der Künstler einen verborgenen Sinn. Aus Zeitungsausschnitten, Fahrscheinen oder Haaren fertigte - besser: "merzte" - er Collagen. Neues aus alten Scherben bauen: ein symbolischer Akt des Wiederaufbaus nach dem Ersten Weltkrieg.

In die Kunstgeschichte ist Kurt Schwitters eingegangen als großer Materialvernetzer und ewiger Außenseiter. Junge Künstler können von ihm lernen, konsequent an ihren Visionen festzuhalten.

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Nico Schwappacher

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Veröffentlicht am:
19. 06. 2017
21:36 Uhr

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19. 06. 2017
21:36 Uhr



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