zuletzt bearbeitet: 24.04.2012 06:02 Uhr
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Außerordentliches Hörerlebnis
Die Matthäus-Passion von Bach bewegt die Zuhörer in der Moriz-Kirche in Coburg. Sänger und Musiker erreichen höchstes Niveau.
Coburg - Die Evangelisten des Neuen Testamentes schildern aus unterschiedlicher Perspektive Leben und Leiden des Jesus von Nazareth, der als Mensch geboren wird und als Gottes Sohn für die Welt stirbt. Johann Sebastian Bach hat seine großen Kirchenmusiken dieser Lebensgeschichte, die als Leidensgeschichte für die Menschheit mit der Kreuzigung endet, gewidmet und ihr - als "fünfter Evangelist" im Geiste der Reformation Martin Luthers - musikalischen Ausdruck verliehen. Einen besonders beeindruckenden Ausdruck fand am Karfreitag Peter Stenglein mit seinen Chören, einem solistischen Kammerorchester und hervorragenden Solisten in der Interpretation von Bachs Matthäus-Passion in der voll besetzten Morizkirche.
In seiner ersten Passionsmusik nach Johannes gewährt er einen das Leben Jesu umfassenden historischen Einblick in die Ereignisse des Kreuzgangs quasi von außen. Ganz anders ist die Sprache seiner Musik und des dramatischen Geschehens um Jesus als Menschen in seiner sozialen Umgebung in der Matthäus-Passion. Hier wird Jesus als leidender Mensch, mit all seinen Ängsten und Qualen, vorgestellt, um den Freunde bangen und trauern. Individuelle Schicksale und Charaktere drücken sich in den Liebesliedern der Frauen aus, die Marie Smolka als Sopran in reine natürliche Klänge, die Alexandra Hebart mit ihrem sonoren Alt zu zärtlicher Andacht verwandelte. Ihr tiefer Alt stellte selbst die raumgreifenden Bässe von Thomas Wittig mit den Worten Christi und Marek Rzepka als Petrus und Pilatus nahezu in den Schatten.
Über allen Solisten aber schwebte und faszinierte der Tenor von Michael Laurenz als Evangelist. Die Jugendkantorei St. Moriz und der Coburger Bachchor unter der musikalischen Verantwortung von Peter Stenglein boten dem Sänger den aufwühlenden Hintergrund für seine von perfekter Rhetorik, klarer Diktion und einer unglaublichen Breite des Ausdrucks geprägte Gesangskultur. Diese Dramatik des Ausdrucks, die romantische Interpretation der Arien und der Novelle des Evangelisten erhielten über die drei Stunden des Kreuzgangs die Spannung und Konzentration auf höchstem Niveau.
Das Main-Barockorchester Frankfurt konnte daher trotz seines exakten, historisch barocken Spiels mit alten Instrumenten und Techniken die Verwandlung der Matthäus-Passion in ein romantisches Musikerlebnis mit Mendelssohnschen Ausmaßen nicht stoppen. So wurde dank des Evangelisten und der einfühlsamen anderen Solisten das Konzert zu einem ganz neuen und außerordentlichen Hörerlebnis, bei dem das Evangelium, Reformation in barockem Gewand und romantisches Lebensgefühl des Einzelnen zu einer Einheit der Sinne und des Geistes zusammenschmolzen.
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