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Ein Mythos gerät ins Wanken

Das Wiener Neujahrskonzert hat braune Wurzeln. Der Coburger Strauß- Kenner Ralph Braun bemüht sich seit Jahren um Aufklärung - und erkennt erste Erfolge.

  • Das antisemitische NS-Hetzblatt "Der Stürmer" bewarb mit Großplakaten seine Strauß-Arisierungskampagne.
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Wien / Coburg - "Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ist eine Erfindung der Nazis!" Seit Jahren fordert Dr. Harald Walser, Grünen-Abgeordneter im österreichischen Parlament, dass sich das weltberühmte Orchester seiner Vergangenheit stellt. Auch Ralph Braun, Konzertmeister am Coburger Landestheater und ehemaliger 1. Vorsitzender der Deutschen Johann-Strauss-Gesellschaft, bemüht sich intensiv um Aufklärung. Ein erster Erfolg zeichnet sich ab: "Nachdem es Druck in österreichischen, schweizerischen und deutschen Medien gab, haben die Philharmoniker vor vier Tagen überraschend und still die Darstellung der Geschichte ihres Neujahrskonzertes auf ihrer Homepage geändert. Sie geben nun endlich korrekt an, dass sie die Einnahmen ihres Silvesterkonzertes 1939 zur Gänze Hitlers erstem ,Kriegswinterhilfswerk' gewidmet hatten. Dies hatte ich als erster vor Jahren bereits im digitalen Zeitungsarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek entdeckt und bei wikipedia eingestellt", erklärte Braun gegenüber der Neuen Presse.

Bislang hatten die "Wiener" die Begründung ihres Neujahrskonzertes am Silvestervormittag 1939 als "unmissverständliches" Bekenntnis zu Österreich und damit gegen Hitler und das "Großdeutsche Reich" dargestellt und damit zum Symbol eines widerständischen NS-Opfers Österreich erhoben.

Planmäßige "Arisierung"

Nach Ralph Brauns Recherchen war das Silvesterkonzert 1939 nur eine kurzfristig angesetzte Wiederholung des Johann Strauß-Konzertes vom 13. August 1939 im Rahmen der Salzburger Festspiele. Das war vom "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda" in Berlin angesetzt worden und stand in Zusammenhang mit der ab Juni 1939 durchgeführten öffentlichen Arisierung des nach Verständnis der Nürnberger Gesetze "Achteljuden" Johann Strauß. "Da niemand erkennen durfte, dass es um die Arisierung von Strauß ging, erklärte man diesen kurzerhand zum Arier und stellte ihn als Opfer seiner ihm in Coburg 1887 angetrauten jüdische dritten Ehefrau Adele dar und verteufelte diese in einer sehr bösen Artikelserie des Hetzblattes ,Der Stürmer'", so Braun. Dadurch wurde der Stieftochter Alice Meyszner ihre große Strauß-Sammlung öffentlich abgenötigt.

Eine gründliche Aufarbeitung der Vergangenheit könnte nach Brauns Auffassung einen "Erkenntnisschub der Strauß-Forschung" bewirken. Blockiert werde dies auch vom "Wiener Institut für Strauss-Forschung", dessen Obmann, der Strauß-Familiensprecher und Urgroßneffe des "Walzerkönigs", Dr. Eduard Strauß, das Coburger Neujahrskonzert moderiert. Am Dreikönigstag findet es im Kongresshaus zum 26. Mal mit dem 13-köpfigen "Alt Wiener Strauss-Ensemble" statt. du

    
    

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