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Es ist nicht alles Gold...

Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Johann Strauss-Gesellschaft übt Kritik an den Coburger Strauss-Tagen. Statt Klischeepflege fordert Ralph Braun aufrichtige Forschung.

Von Ralph Braun
  • Lichtgestalt Johann Strauß: Ralph Braun möchte ihn vom Kommerz-Klischee des Walzerkönigs befreien. Darin sieht er auch eine Aufgabe der Deutschen Johann-Strauss-Gesellschaft. Montage: Reich / MPG
  • Ralph Braun
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Coburg - Als 1987 Straussianer aus aller Welt im Rahmen der (nach Wien und Stockholm) dritten internationalen Begegnung der Johann Strauss-Gesellschaften (DJSG) nach Coburg kamen - anlässlich der 100. Wiederkehr des Hochzeitstages von Johann und Adele -, steckte die Forschung zum Thema "Johann Strauss und Coburg" noch in den Kinderschuhen.

Man enthüllte einen von der DJSG finanzierten Gedenkstein am neuen "Johann Strauss-Platz" und wies vor Oberbürgermeister Karl-Heinz Höhn darauf hin, dass Strauss sogar hier ganz in der Nähe gewohnt habe.

Später entdeckte man, dass die Wohnung in der Villa Bruns von Strauss' Rechstanwalt Dr. Trutter nur als Scheinwohnsitz angemietet worden war. Dann stellte man den Gedenkstein in den Rosengarten in die Nähe der Villa Schalenpantsky um, wo Strauss dann wirklich 1887 wohnte und große Teile seiner neuen Operette "Simplicius" geschaffen hat, und befestigte am Stein eine zusätzliche erklärende Tafel.

1992 fanden dann die ersten "Coburger Johann Strauss Tage" statt, nachdem Dr. Jürgen Erdmann 1990 im Stadtrat einen Antrag auf Einrichtung regelmäßiger von der Stadt Coburg veranstalteter "Johann Strauss Tage" erfolgreich eingebracht hatte. Es sind heuer also nicht 25 Jahre "Coburger Johann Strauss Tage".

Kommerzielles Netzwerk

Im Lauf diese Vierteljahrhunderts nach der internationalen Begegnung von 1987 hat sich der Stand der Forschung bezüglich Johann Strauss und Coburg beträchtlich entwickelt. Als ich mein Amt als Vorsitzender der DJSG im Jahr 2006 antrat, ahnte ich nicht, was alles auf mich zukommen würde. Unter der goldenen Hülle zeigte sich ein enormes kommerzielles Netzwerk, das bis heute ein sehr klischeehaftes, auch musikalisch unrichtiges Bild von Johann Strauss in die ganze Welt vermittelt. Ich entdeckte die "über die Ehe von Johann Strauss mit der Jüdin Adele" 1939 durch das in Nürnberg erscheinende antisemtische Hetzblatt "Der Stürmer" durchgeführte Arisierung des nach Verständnis der Nürnberger Rassengesetze "Achteljuden" Johann Strauss. Weil nach dem Willen von Propagandaminister Goebbels - er hatte den Strauss-Stammbaum 1938 zur "Geheimen Reichssache" bestimmt - niemand erkennen durfte, dass es um die Arisierung von Strauss ging, erklärte der "Stürmer" Adele und ihre Tochter Alice (Meyszner) schon im Titel zu "Jüdischen Erbschleichern" und nötigte Alice (Meyszner) zur "schenkungsweisen" Übergabe ihrer von ihrer Mutter 1930 geerbten großen Strauss-Sammlung an die Stadt Wien, wo sich die Sammlung Strauss-Meyszner - 2002 von der Stadt Wien erworben - noch heute befindet.

In der Verdrängung der Geschehnisse von 1939 durch die Wiener Stadtbibliothek - vielleicht auch aus Unsicherheit bezüglich der Besitzverhältnisse - wurden nicht alle Objekte dieser Sammlung inventarisiert, was dazu führte, dass vermutlich der langjährige Leiter der Musiksammlung der Wiener Stadtbibliothek vor seiner Suspendierung im Jahr 1994 zumindest zahlreiche autographe Partiturskizzen zu Johann Strauss" unvollendetem Ballett "Aschenbrödel" veruntreute.

Und just Teile dieser Handschriften wurden 2007 der Landesbibliothek Coburg anonym unentgeltlich zur freien Verfügung überlassen, ein anderer Teil - 62 Seiten - 2008 zunächst dem die Strauss Tage 2012 organisierenden Kulturbüro-Leiter Albrecht Tauer und anschließend mir für die DJSG zum Kauf angeboten. Über diesen von mir mit der Coburger Journalistin Silke Spitzenpfeil in die österreichische und deutsche Presse gebrachten, schließlich unter den Teppich gekehrten Diebstahlsskandal war auch in der Neuen Presse wiederholt zu lesen.

Offenheit und Mut

Die vielleicht aufregendste Nachricht ist meine Entdeckung und der Beweis, dass das "Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker" , - die mit Abstand größte klassische Konzertveranstaltung der Welt - in Zusammenhang mit der Arisierung von Johann Strauss über die Coburger Ehe begründet wurde.

Insofern kommt mir der Wunsch Albrecht Tauers, "den schlafenden Riesen zu wecken", allerdings in einer anderen Bedeutung, in den Sinn. Hebt man diese durch die langen Schatten des Nationalsozialismus bis heute bestimmte "Decke" durch Offenheit und Mut, wird sich ein alle überraschender, bislang unentdeckter Johann Strauss offenbaren. Hier läge die Bedeutung auch künftiger Coburger Johann Strauss-Tage.

Kritischer Straußianer

Der Titel "Walzerkönig" fällt häufig in diesen Tagen, denn Coburg feiert

Johann Strauß, der vor 125 Jahren Bürger der Stadt wurde und hier heiratete. Mit Konzerten wie "Wiener Melange", "Sommernachtsträume" oder "Soiree de Vienne" bedient das Programm der "Deutschen Johann-Strauß-Tage" das geläufige Strauß-Bild. Der Cellist Ralph Braun, Konzertmeister am Landestheater, leidenschaftlicher Forscher und bis 2011 Vorsitzender der Deutschen Johann-Strauss-Gesellschaft, möchte hingegen Johann Strauß als Menschen und Musiker von Klischees befreien. Wir dokumentieren seine kritischen Anmerkungen zu den Coburger Strauß-Tagen.


    
    

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