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Krimi zwischen den Zeiten

Der Jugendclub ist blutigen Inka-Ritualen auf der Spur. Am Samstag bringt er das selbst verfasste Stück "Sonnenjungfrauen" auf die Studiobühne.

Von Dieter Ungelenk
  • Blutigen Opferritualen kommen Archäologiestudenten im neuen Stück des Jugendclubs auf die Spur. Noch wird heiß geprobt, am Samstag ist Premiere in der Reithalle.
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Coburg - Nosferatu, den Urahn aller Blutsauger, holten sie im vergangenen Jahr von der Leinwand auf die Kino-Bühne - und faszinierten ihr Publikum im Coburger Utopolis live mit der schaurig-schönen Poesie des Grauens. In eine ganz andere Epoche und in ein ganz anderes Thema begeben sich die Mimen des Jugendclubs, wenn sie in dieser Spielzeit mit "Sonnenjungfrauen" in ihr "Stammhaus", die Reithalle, zurückkehren. Der Titel ist allerdings trügerisch: Von tödlichen Riten erzählt das selbst verfasste Stück. Es geht um Menschenopfer.

Nach Komödie stand den Nachwuchs-Mimen einfach nicht der Sinn, als sie im Oktober ihr Spielzeitthema planten. Das Wunschprojekt Klassiker scheiterte wieder einmal an der Ensemblestruktur: Stücke für 13 Frauen und fünf Männer sind bei Goethe & Co. schwerlich zu finden. Also beschlossen die Theatermacher/innen - zum zweiten Mal in der 17-jährigen Geschichte des Jugendclubs - ein komplett eigenes Stück zu entwickeln.

Den dramatischen Stoff fanden sie im Südamerika des 15. Jahrhunderts, bei den für ihre technologischen und organisatorischen Leistungen berühmten Inkas. Einem weniger bekannten Aspekt ihrer Kultur kommt im Stück des Jugendclubs eine Gruppe von Archäologiestudenten auf die Spur. Bei der Erforschung eines Stammes, der durch lange Trockenheit zugrunde ging, machen sie eine schockierende Entdeckung: Um den Sonnengott gnädig zu stimmen, die Dürre zu beenden - aber auch, um ihren Familien Ruhm und Reichtum zu verschaffen -, opferten die Inkas junge Mädchen. Die "Sonnenjungfrauen" galten als Auserwählte, sie wurden umsorgt, verwöhnt, gefeiert - bis zu ihrem frühen Tod.

Bei der Aufdeckung der grausigen Rituale wird es freilich nicht bleiben, verrät Regisseur Peter Molitor: "Zwischen den Sonnenjungfrauen und den Studenten gibt es eine geheimnisvolle Verbindung". Zwischen den Zeitebenen mutiert die authentische Geschichte zusehends zum fiktiven Krimi.

Die Recherchen waren spannend, die Stückentwicklung war spielerisch: "Fast alles ist aus Improvisationen entstanden", erläutert Molitor, der das spontane Teamwork mit der Videokamera dokumentierte und in eine dramatische Form brachte. Die Inszenierung setzt stark auf Körpersprache, die "Sonnenjungfrauen" agieren pantomimisch zu einem Soundtrack, der nichts mit der gängigen Anden-Folklore zu tun hat: der Jugendclubber Jakob Bauer spielte die Flötenmusik selbst ein.

Viele neue Mitwirkende erleben ihr Bühnen-Debüt, wenn sich am Samstag, 14. April, der fiktive Premierenvorhang in der Reithalle öffnet - nicht zuletzt das spektakuläre "Nosferatu"-Projekt im Vorjahr bescherte dem Jugendclub einigen Zulauf. "Alle die wollen, dürfen mitmachen", versichert die Theaterpädagogin Yvonne Schwartz. Wer bis zur Premiere am Ball bleibt, der hat eindeutig Theaterblut geleckt, denn bei allem Spaß am Spiel muss das Ensemble auch Disziplin beweisen: Bis April wurde wöchentlich geprobt, in den Osterferien jeden Tag.

14.bis 17. April, jeweils 20 Uhr im Theater in der Reithalle.

Jugendclub des Landestheaters Coburg


    
    

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