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Konzert
Superlative in Licht und Sound

Sunrise Avenue präsentieren in Nürnberg ihre Hits mit großem Orchester. Die Finnen überzeugen mit ausgefeilten Arrangements.

Von Andrea Herdegen
  • Diesmal mit Orchester: Sunrise Avenue beim Konzert in Nürnberg. Weitere Bilder unter www.np-coburg.de. Foto: Andrea Herdegen Diesmal mit Orchester: Sunrise Avenue beim Konzert in Nürnberg. Weitere Bilder unter www.np-coburg.de. Foto: Andrea Herdegen
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Nürnberg - Es beginnt mit einem Schattenspiel. Samu Haber, der Sänger der finnischen Rockband Sunrise Avenue, steht hinter dem gerafften Vorhang. Von hinten angestrahlt, sieht man nur die reglose Silhouette seines Körpers und seiner Gitarre. Sein maskuliner Bariton intoniert das Motto dieses Abends in der fast ausverkauften Nürnberger Arena: "On the Way to Wonderland". Als sich der riesige Vorhang langsam hebt, ist von der Band und dem sechzigköpfigen Symphonie-Orchester kurz nichts mehr zu hören: Die Musik geht im Kreischen der euphorisierten Fans unter.

Schon bald singen die gut 7000 Menschen den Auftakt-Song stimmgewaltig mit. Die Zuschauer im Parkett sind von ihren Stühlen aufgesprungen; die meisten werden sich den ganzen Abend nicht mehr setzen, sondern die Finnen - Lied für Lied - im Stehen feiern. Schon am Anfang wird klar, mit welcher Bandbreite Sunrise Avenue ihre poppigen Rock-Hymnen für diese Tour arrangiert hat. Wuchtige Gitarrenriffs von Riku Rajamaa wechseln mit sanften Streicherklängen. Der treibende Rhythmus von Raul Ruutu am Bass und Sami Osala am Schlagzeug wird kraftvoll unterstützt von den Bläsern des eigens für diese Tour gegründeten Wonderland Orchestras. Und Osmo Ikonen, der sonst die vielschichtigen Klangwelten am Keyboard allein erschaffen muss, kann sich auf jazzige Piano-Soli konzentrieren.

Mit spitzbübischem Grinsen führt Samu Haber durchs Programm. Immer noch jungenhaft wirkt der blonde Sänger, der am 2. April vierzig Jahre alt wird. Er weiß, dass viele weibliche Fans nicht allein wegen der Musik gekommen sind. Der sympathische Frontmann ist sehenswert. Ein Test während des Konzerts bestätigt ihm das: Er bittet die Single-Jungs im Publikum, sich zu melden. Ein schüchterner 16-Jähriger hebt die Hand. "Und jetzt die Single-Girls", ruft Haber. Tausendfaches Gekreische ist die Antwort.

"Forever yours" hat sich Haber als geschwungenen Schriftzug auf den rechten Unterarm tätowieren lassen. Ein Abbild davon trägt ein Mädchen in Reihe acht auf seinem selbstgemachten T-Shirt. Als Sunrise Avenue genau diesen Song anstimmt, ist der Teenie völlig aus dem Häuschen. Wenig später explodiert auf den Videoleinwänden im Bühnenhintergrund ein Vulkan, spuckt glühend rote Feuerbälle in alle Richtungen, während sich das Orchester in das basslastig-bedrohliche "Lifesaver" hineinkniet. Dann wogen gigantische blaue Wellen über die Leinwand, Regen prasselt hernieder, während ein einsamer Leuchtturm seinen Lichtstrahl in das Unwetter schickt. So visualisiert Sunrise Avenue den Song "Sail Away".

Es sind Superlative an Licht und Sound, die die Band derzeit selbstbewusst in Deutschlands größte Hallen trägt. Nie verliert sich das rockige Flair der Gruppe in sanften Cello-Tönen, auch die ruhigen Momente atmen kreative Kraft. Zwei Lieder spielt Sunrise Avenue ohne das Orchester - am anderen Ende der Halle, unplugged, nur mit weißen Scheinwerfern beleuchtet. "Hurtsville" und "Unholy Ground" beweisen, dass die Songs auch ohne Pomp bestens funktionieren.

Samu Haber erzählt, dass er sich noch gut an den Parkplatz vor der Halle erinnert. "Vor neun Jahren bin ich hier im Tour-Bus aufgewacht. Es war bei ,Rock im Park', unserem ersten großen Festival. Wir hatten noch nie vor 50 000 Leuten gespielt." Einige Platin-Alben später zeigt er mit seinen Jungs, dass das damals geknüpfte Band mit den deutschen Fans fester denn je hält. "Fairytales gone bad" war schon 2006 ein Hit und hielt sich insgesamt 73 Wochen in den deutschen Charts. Sunrise Avenue spielt den Song als letzten vor der Zugabe. Dann folgt, umjubelt und voller Emotion mitgesungen, der bislang größte Erfolg: "Hollywood Hills". Sichtlich gerührt von so viel Zuneigung, legt Samu Haber seine Gitarre beiseite, kniet nieder vor seinem Publikum und ruft in die Menge: "Vielen Dank, Nürnberg!"

    
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Sunrise Avenue in Nürnberg
Nürnberg
17.03.2016
    
    
    

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