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Heillose Dreifaltigkeit

Hannes Ringlstetter lädt zur kollektiven Traumabewältigung ins Lichtenfelser Stadtschloss. Auch Protestanten haben ihren Heidenspaß mit dem Ex-Ministranten.

Von Dieter Ungelenk
  • Freundlicher Spötter mit Hang zum Absurden: Hannes Ringlstetter. Foto: Ungelenk
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Lichtenfels - Man kann ja von der katholischen Kirche halten was man will, aber die Kabarettszene hat ihr eine Menge zu verdanken. Auch Hannes Ringlstetter erwarb sein Rüstzeug für eine satirische Bühnenkarriere unterm Kruzifix als "spiritueller Kinderarbeiter mit Scheiß-Arbeitszeiten". Der Ex-Ministrant weiß, wovon er sing, wenn er im Lichtenfelser Stadtschloss "Lauda tu si" anstimmt - und das Gros der Gäste weiß es auch und beteiligt sich an diesem Donnerstagabend lauthals und kreuzfidel an der "kollektiven Traumabewältigung".

Kaum zu ermessen, was aus dem gebürtigen Münchner geworden wäre, wenn er nicht im tiefsten Niederbayern aufgewachsen wäre, "wo Esotherik noch Marienerscheinung heißt" und die scheinheilige Dreifaltigkeit Pfarrer-Mesner-Klosterschwester die Jugend mit liebevollem Nachdruck auf den Pfad der Tugend lotst. Notfalls auch mit der "Dreifaltigkeit der dörflichen Züchtigung", die sehr fein zwischen Watsch'n, Schell'n und Fotz'n differenziert: An der simplen Watsch'n ist der Empfänger selbst schuld, die Schell'n bewirkt ein rund einstündiges Wummern im Hinterkopf nebst partieller Amnesie, die Fotz'n schließlich führt zur "Dislokation".

Aber er ist ja nicht nachtragend, der Hannes Ringlstetter. Einen Zyniker haben sie nicht aus ihm gemacht, eher schon einen freundlichen Spötter und Anarcho-Entertainer, der bissig, aber ohne gallebitteren Unterton von der herben Herzlichkeit einer erzkatholischen Sozialisation erzählt und singt. "Meine Verehrung" nennt der 41-Jährige, der Helmut Qualtinger und Georg Kreisler zu seinen Vorbildern zählt, sein aktuelles Programm. Diese Verehrung fürs a) Heilige und b) Weibliche bietet Anknüpfungspunkte für so ziemlich alles, was einem bayerischen Burschen in den 70ern und 80ern die Adoleszenz versüßte und versaute: Philosophen am Spielfeldrand und Fehltritte bei der Fronleichnamsprozession, die Mätzchen der Mädchen ("Sex wird erst zum Problem, wenn eine zweite Person dazukommt"), die Schlagerparade auf Bayern 1 und der Austropop von Mozart über Ambros bis Falco.

Die hat er alle drauf, natürlich auch den Fendrich und den Goisern und die unsäglichen STSler, denn erstens kann Ringlstetter fulminant klavierspielen (dank frühkindlicher Zwangsverehrung fürs Wolferl) und zweitens hinreißend parodieren. Die sonore Bassstimme des Multi-Dialektikers ist in Linz so zuhause wie in Leverkusen, kehliger Ösi-Schmäh kommt ihm so locker von den Lippen wie blasiertes Preußen-Genöle. Und weil ihn mit Johnny Cash nicht nur die Stimmlage verbindet, sondern auch die Landliebe, vergreift er sich auch mal am Country.

Notorischen Etikettenverleihern macht es Ringlstetter mit seiner schrägen Mixtur aus Freestyle-Kabarett und skurriler Liedermacherei nicht ganz leicht. Und obwohl er in so gar keine Schublade passt, startet der Magister der Germanistik und Geschichte, einstige "Schinderhannes"-Sänger, Schauspieler, Moderator, Autor und fränkischer Kabarettpreisträger (2010) nach fünfjähriger Warmlaufphase gerade kräftig durch. Er füllt die Weihestätten der Kleinkunst wie die Münchner Lach- und Schießgesellschaft oder das Passauer Scharfrichterhaus weitaus leichter, als das Lichtenfelser Stadtschloss, er macht in den einschlägigen TV-Formaten die Runde und ist Dauergast in Grünwalds Freitagscomedy, er dreht Filme mit Mathias Schweighöfer, Christian Tramitz und Gisela Schneeberger und sitzt bei der bayerischen Talentshow "mia san mia" in der Jury (ab 14. Oktober im BR).

Das freut auch einen Rödentaler Kabarettfan, der mal wieder den richtigen Riecher hatte: Wolfgang Friedrich, Konzertveranstalter und - Ringlstetters Manager.

    
    

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