zuletzt bearbeitet: 08.08.2012 11:54 Uhr
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Nach der Geburt im Altkleider-Container entsorgt
Fahnder in Sachsen und Böhmen suchen die Eltern zweier toter Babys. Der Fall weckt Erinnerungen an die "Sparkassen-Babys" von Hof und Plauen.
Klingenthal/Hof - In enger Zusammenarbeit wollen die Staatsanwaltschaften Chemnitz und Pilsen sowie die Kripo beider Länder einen Fall lösen, der die Menschen im Grenzgebiet in Atem hält. Es geht um zwei Babys, die innerhalb von 18 Monaten tot aufgefunden wurden. Nach DNA-Vergleichen steht fest, dass die beiden toten Jungen Brüder waren.
Am gestrigen Dienstag trafen sich deutsche und tschechische Ermittler im sächsischen Klingenthal, um Erkenntnisse und Akten auszutauschen. Dabei wurden allerdings auch deutliche Unterschiede im Vorgehen der Fahnder deutlich. Während die sächsische Kripo und die Staatsanwaltschaft von Anfang an auf die Mithilfe der Öffentlichkeit setzten, halten sich die böhmischen Kollegen ausgesprochen bedeckt. Auskünfte über den Stand ihrer Ermittlungen beschränken sich auf wenige Silben.
Die erste Baby-Leiche wurde am 19. Januar 2011 in einem Altkleider-Container im Neubaugebiet Sonnenleithe der Erzgebirgsstadt Schwarzenberg entdeckt. Ein Fahrer, der regelmäßig die Container leert, machte den grausigen Fund. Der kleine Junge, der wohl nur wenige Stunden lebte, steckte nackt in einer Plastiktüte mit weihnachtlichem Aufdruck. Er war schon tot eingeworfen worden. Zuvor war er erstickt worden, sagt der Zwickauer Polizeisprecher Jan Meinel. Der kleine Junge erhielt nachträglich den Namen Max Winter und wurde unter großer Anteilnahme der Schwarzenberger Bevölkerung bestattet. Die Polizei kämmte in den darauffolgenden Monaten das ganze Neubaugebiet und das Umfeld von Schwarzenberg durch. 2500 Bewohner der Region - vor allem Frauen - gaben eine Speichelprobe ab. In rund 70 gynäkologische Arztpraxen und Krankenhäuser der Region wurde nach einer schwangeren Frau gefragt, die dort zur Behandlung gewesen war oder entbunden haben könnte - ergebnislos.
Die zweite Baby-Leiche wird am 2. Juni dieses Jahres von Spaziergängern im Straßengraben von Rotova, nur etwa 15 Kilometer von Klingenthal und 50 Kilometer vom ersten Baby-Fundort entfernt, gefunden. Auch dieses Kind ist nackt, wurde einfach weggeworfen. Ob es wie sein Bruder zuvor getötet worden war, möchten die tschechischen Behörden nicht öffentlich beantworten. Befragt zu den Ermittlungsergebnissen, sagt der Pilsener Staatsanwalt Jacub Kubias lediglich: "Nix konkret" und zur Todesursache: "Es gibt keine Gewaltspuren."
"Wir wissen nicht, ob die Eltern aus Sachsen sind oder aus Tschechien kommen. Alles ist möglich", sagt westsächsische Polizeisprecher Jan Meinel. In der 2011 gebildeten Sonderkommission "Sonnenleithe" arbeitete damals ein Dutzend Beamte; derzeit ist nur noch Kriminalhauptkommissar Michael Mundt, der Ermittlungschef, mit dem Fall beschäftigt. Nun werde die Soko wieder auf fünf Mitarbeiter aufgestockt, sagt Meinel. Die deutschen Ermittler hoffen, dass die tschechischen Kollegen bald ebenso einen Massen-Gentest veranlassen. Bislang gab es nur einen Abgleich mit einer Datenbank in Prag. Dort sind aber nur bekannte Straftäter registriert.
Im Austausch werden sämtliche Akten in beide Sprachen übersetzt. Das kann allerdings noch länger dauern. Allein bei der Zwickauer Kripo lagerten im Fall "Max Winter" rund 70 DIN-A 4-Ordner.
Ein vergleichbarer Fall - wenn auch mit glücklicherem Ausgang - beschäftigte die Menschen vor einigen Jahren in Hof und Plauen. Dort legte eine bislang unbekannte Frau zwei Kinder unmittelbar nach der Geburt jeweils in den Schaltervorräumen von Sparkassenfilialen ab. Beide überlebten und wurden zur Adoption freigegeben. Der bislang letzte Fall ereignete sich am 16. November 2008, als zwischen dem Geldautomaten und dem Kontoauszugsdrucker der Sparkassennebenstelle an der Hofer Michaelisbrücke ein kleines Mädchen gefunden wurde. DNA-Vergleiche ergaben, dass es dieselbe Mutter hatte wie ein kleiner Junge, der am 17. September 2001 auf dieselbe Weise in einer Sparkassenfiliale in der Nähe des Plauener Landratsamtes abgelegt wurde. Die Kinder waren in Decken eingewickelt und nach der Geburt ordentlich versorgt worden.
Große Hoffnungen stützte die Polizei auf die Erkenntnis, dass der Sparkassenvorraum in Hof mit einer Kontokarte der Vogtland-Sparkasse geöffnet worden war. Da dabei Teile der Kontonummer gespeichert worden waren, bat die Kripo über 100 Kontoinhaber zu einem DNA-Test. Die Mutter der Kinder oder einer der beiden Väter waren jedoch nicht darunter. Auch die Überwachungskameras in den beiden Schaltervorräumen hatten keine brauchbaren Bilder geliefert.
Ein Zusammenhang mit den Fällen von Schwarzenberg und Rotava schließt die Polizei aus. Die Spuren seien völlig anders.
Polizeisprecher Jan Meinel
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