zuletzt bearbeitet: 14.12.2011 10:54 Uhr
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E-Schwalbe im Anflug
Der Kult-Roller aus der DDR kommt als Elektro-Version auf den Markt. Die Serienproduktion soll im Februar in Suhl beginnen. Nur die Hülle erinnert an den Zweitakter.
Suhl - Ein Schwalbe-Roller wirkt neben einer Vespa wie eine Jogginghose neben einer Designerjeans. Aber auch Jogginghosen haben ihre Fans. Weil sie praktisch sind, solide und unverwüstlich. In Suhl soll die Schwalbe, legendärer Kultroller aus der DDR, jetzt in einer neuen Version abheben: mit Elektroantrieb.
"Ich bin positiv überrascht", sagt Joachim Scheibe, Leiter des Fahrzeugmuseums in Suhl, nach der ersten Probefahrt. Er kennt sich aus mit Schwalben, ab 1978 arbeitete er als Chefkonstrukteur bei Simson. Scheibe hatte bereits vor der Wende einen Elektro-Roller geplant, "aber aus Ost-Berlin gab es, wie immer für Neuerungen, damals kein Geld". Der Ingenieur freut sich auf die E-Schwalbe, drückt den Jungs, wie er die Geschäftsführer Thomas Martin und Daniel Schmid von der efw-Suhl GmbH nennt, die Daumen. "Das ist ein Riesenprojekt", weiß der Fachmann aus Erfahrung, " so etwas dauert seine Zeit."
Auf Geld aus Ost-Berlin müssen "die Jungs" zumindest nicht warten. Hinter ihnen steht der Ökostromanbieter Entega aus Darmstadt, den Fußballfans vom Trikot des Bundesligisten Mainz 05 kennen. Die Anschubfinanzierung soll mehrere Millionen Euro betragen, die allerdings später von der efw-Suhl zurückgezahlt werden müssen, wie es heißt. Für den Ökostromanbieter ist das Engagement mehr als nur Marketing. Entega-Geschäftsführer Frank Dinter in Suhl: "Wir wollen nicht einfach nur unser Logo auf irgendeinen Elektroroller kleben, wir wollen ein Produkt anbieten, das unserem Anspruch auf Qualität genügt." Thomas Martin ergänzt: "Uns liegt an der Realisierung einer alltagstauglichen und attraktiven Lösung für klimafreundliche Mobilität."
Von 1964 bis 1985 ist die Schwalbe beim DDR-Zweiradhersteller Simson in Suhl in Serie vom Band gelaufen. 21 Jahre lang. Im Fahrzeugbau nur übertroffen vom VW-Käfer. Von der einen Million produzierter Schwalben knattern noch heute viele über die Straßen. Fans gibt es nicht nur im Osten. Das dürfte auch daran liegen, dass der Roller aus dem Thüringer Wald ganz offiziell 60 km/h erreicht. Eine der ganz wenigen Errungenschaften aus DDR-Zeit, die den Einigungsvertrag überstanden. Ansonsten gilt für diese Roller deutschlandweit 40 km/h.
Mit dem Kult-Roller hat die E-Schwalbe aber nur noch die Hülle gemeinsam. "Es ist eine Neuentwicklung", erklärt Martin, das Fahrzeug genüge modernsten Maßstäben. Und damit meint er nicht nur die herausnehmbaren Akkus, die das Aufladen auch für Städter problemlos ermöglichen, sondern auch einen Sportmodus, der das 80 km/h-Modell per Knopfdruck auf 11 PS aufpumpt. Dass die E-Schwalbe, wie gehabt, auf 16-Zoll-Rädern heranrollt, ist dem Komfort geschuldet. Sie fahren sich leichter als die kleinen Roller-Räder.
Roller-Fans warten schon seit Sommer, dass die Schwalbe in Suhl vom Band rollt. Aber wegen der Atomkatastrophe in Fukushima konnte ein japanischer Lieferant ein Steuergerät nicht in der nötigen Stückzahl liefern. Im Frühjahr soll die E-Schwalbe aber über die Straßen düsen. "Aktuell werden noch Prototypen gefertigt", erklärt Thomas Martin, "im Januar produzieren wir die Vorserie, die dann im Februar in die Serienproduktion übergeht." Die Auslieferung der ersten Exemplare erfolge definitiv im April. Die Zahl der Vorbestellungen "ist mehr als zufriedenstellend", verrät der efw-Geschäftsführer. Die "SZ" nannte schon Ende April die Zahl 1000.
Fachleute und Fachhandel zeigen sich angetan. Egal, ob Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt oder eCarTec, die Leitmesse für Elektromobilität in München: "Die Resonanz ist äußerst positiv", freut sich Martin. Und was sagen eingefleischte Schwalbe-Fans? Da herrscht nicht nur Begeisterung, schließlich gehören für viele Kultroller, "Rengtengteng"-Sound und blaue Wölkchen untrennbar zusammen.
"Attraktive Lösung für klimafreundliche Mobilität": Thomas Martin und Daniel Schmid mit einer E-Schwalbe, die ab April in Suhl vom Band laufen soll. Foto: ari
Die E-Schwalbe soll es in drei Versionen geben, mit
25 km/h
45 km/h
81 km/h
Leistung: 4 bzw 6 KW
(5,44 od. 8,16 PS)
Reichweite: 60 Kilometer,
mit Ersatzakku
bis 180 Kilometer
Drehmoment: 160 Nm
Ladezeit : 5 Stunden
(3 Stunden mit
Schnellladegerät)
Akku: Lithium-Ionen
(herausnehmbar)
Bremssystem: Hydraulische
Scheibenbremsen
Antrieb: Zahnriemen
Leergewicht: 115 Kilo
Preis: ab 4699 Euro
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