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Flammen-Inferno: Feuersturm in der Altstadt

Ein Großbrand zerstört acht Häuser in der Coburger Innenstadt. 16 Menschen erleiden Verletzungen. Der Schaden liegt im zweistelligen Millionenbereich.

Von Volker Friedrich und Wolfgang Braunschmidt
  • Aus der Luft wird das ganze Ausmaß des Brandes in der Coburger Altstadt deutlich. Weitere Fotos im Internet unter www.frankenpost.de Foto: Thomas
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Coburg - In der Nacht zum Pfingstsonntag hat ein Großfeuer mehrere historische Gebäude in der Coburger Altstadt zerstört. 16 Menschen erlitten Verletzungen, 60 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Nach Angaben von Stadt und Polizei waren mehr als 300 Rettungskräfte im Einsatz. Wir dokumentieren die Brandnacht:

Pfingstsonntag, 01.18 Uhr: Bei der Feuerwehr geht ein Notruf ein: Bei der Loreley, einer Gaststätte in der Coburger Herrngasse, brennt es. Wenig später stürmt die Polizei in das Nachbarhaus. Der Dachstuhl steht lichterloh in Flammen. Die Bewohner, die teilweise tief und fest schlafen, werden evakuiert.

2.00 Uhr: Vor der Loreley ist alles abgeriegelt. Feuerwehrmann Daniel Fritz, der heute Geburtstag hat, kämpft im Korb der Drehleiter gegen die Flammen.

2.15 Uhr: Das Feuer scheint eingedämmt. Dichter, dunkler Rauch, an manchen Stellen schwefelgelb, schießt wie bei einem Vulkanausbruch über die Dächer. "Mehr Wasser, um Himmels willen mehr Wasser", ruft eine Frau.

2.17 Uhr: Ein Knall. Ein Feuerball. Unterdrückte Schreie. Noch ein Feuerball. Im Bruchteil einer Sekunde ist das Feuer wieder da. Viel größer als zuvor. Daniel Fritz scheint mittendrin, auf jeden Fall viel zu nah dran. Der Korb geht höher. Das Wasser scheint in dem Feuer zu verdunsten. Die ersten Flammen züngeln sich zum Nachbarhaus vor.

2.30 Uhr: Im Ratskeller. Das Rote Kreuz hat die Gaststätte zum Auffanglager für die Menschen gemacht, die durch den Brand obdachlos geworden sind. Loreley-Pächter Jacob Stadlmeyer umarmt seine Frau Tanja. Sie ist den Tränen nahe. "Das beim Samba-Festival", sagt er, "wäre eine Katastrophe hoch drei geworden."

3.00 Uhr: Der Schlossplatz wird geräumt, das Feuer breitet sich weiter aus. Es ist ein Glücksfall, dass in der Nacht zum Pfingstsonntag so viele Bereitschaftspolizisten in der Stadt sind. Eigentlich sollen sie dafür sorgen, dass es während des Pfingstkongresses des Coburger Convents nicht zu Ausschreitungen kommt. Jetzt riegeln sie den Schlossplatz vor der Ehrenburg sowie das Viertel zwischen Herrngasse und Steingasse ab.

6.45 Uhr: Kevin Reißenweber und Tobias Andrich vom Technischen Hilfswerk stehen auf dem Turm der Morizkirche. In über 70 Metern Höhe haben die beiden einen direkten Blick auf den Brandherd, der von der Straße nicht einzusehen ist. Ihre Beobachtungen geben sie im Sekundentakt an die Einsatzleitung weiter.

6.50 Uhr: Frank Völker schöpft am Eingang zur Steingasse kurz Kraft. Der Feuerwehrmann aus Creidlitz hat drei Löscheinsätze zu je 30 Minuten hinter sich. Er beschreibt, wie schwierig es ist, zum Brandherd vorzudringen. Zu den Häusern gibt es keine Zufahrt. Keine Brandmauern bieten Schutz. "Überall Trockenstellwände, überall Rigips, überall Fachwerk", beschreibt Völker die Situation. Die alten Häuser brennen wie Zunder. Glutnester fressen sich in Nachbargebäude.

10.50 Uhr: Das Feuer ist unter Kontrolle, aber noch nicht aus. Das ganze Ausmaß der Katastrophe wird ersichtlich. Acht Häuser sind betroffen, darunter das Puppenmuseum, 16 Menschen sind leicht verletzt, der Schaden liegt im zweistelligen Millionenbereich.

10.58 Uhr: Norbert Tessmer ist völlig außer Atem. Der zweite Bürgermeister steht im Sitzungssaal des Ämtergebäudes. Um ihn herum stehen Dutzende von Kartons aus dem Puppenmuseum, die Feuerwehrleute ins Freie gebracht haben.

11.40 Uhr: Die Trümmer der Katastrophe liegen in Form von Dachziegeln und Schutt auf der Straße.

12.30 Uhr: Selbst vom Turm der Morizkirche ist das ganze Ausmaß des Feuers nur ansatzweise zu erahnen. Sechs ausgebrannte Dächer sind zu sehen.

12.30 Uhr, Pfingstmontag: Einsatzleitung, Polizei und Stadtverwaltung ziehen in einer Pressekonferenz eine erste Bilanz der Brandkatastrophe zwischen Steingasse, Rückertstraße und Herrngasse. Der Coburger Unternehmer Michael Stoschek und seine Schwester Christine Volkmann vom Automobilzulieferer Brose haben angekündigt, fünf Millionen Euro als Soforthilfe für die größten Notfälle zur Verfügung zu stellen. Einige Menschen haben alle ihre Habseligkeiten verloren.

    
    

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