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Grün, grüner, Lichtenfels

Bayerns Krankenhäuser sollen umweltfreundlich und wirtschaftlicher werden. Das erste Green Hospital im Freistaat wird jetzt in Lichtenfels gebaut. Das Investionsvolumen: 114 Millionen Euro.

Von Mathias H. Walther
  • Solche die Patientenzimmer sind im Green Hospital Lichtenfels geplant.
  • Roland Schmidt
  • Annegret Dickhoff
  • Im Mittelpunkt unseres Handelns sollte immer der Mensch stehen. Deshalb sollen sich unsere Bürgerinnen und Bürger dort, soweit es geht, auch wohlfühlen. Dazu haben wir nicht nur die modernste Technik, sondern auch hochqualifiziertes und gut motiviertes Personal. Also die besten Faktoren, um unserer Bevölkerung Gesundheitsschutz auf höchstem Niveau zu bieten. Christian Meißner, Landrat des Landkreises Lichtenfels
  • Ein Brückenschlag zwischen den Themen Gesundheit und Umwelt. So soll das Green Hospital Lichtenfels, das erste seiner Art in Bayern, einmal aussehen.
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Lichtenfels - Die Planer und Betreiber von Kliniken stehen weltweit vor großen Herausforderungen. Angesichts knapper werdender natürlicher Ressourcen bei gleichzeitig steigenden Kosten sind neue Wege für eine nachhaltige und umweltbewusste Umsetzung auch in diesem Sektor gefragt. Ein erfolgversprechender Ansatz ist das sogenannte "Green Hospital", das Ökologie, Ökonomie und Wohlbefinden der Menschen - Patienten wie Personal - verbindet. Das erste Krankenhaus dieser Art in Bayern wird derzeit als Ersatzneubau für das in Jahre gekommene Helmut-G.-Walther-Klinikum in Lichtenfels geplant.

Roland Schmidt, Geschäftsführer der Münchner Schuster Pechtold Schmidt Architekten GmbH und einer der "Väter" des Green Hospital Lichtenfels: "Unser Planungsziel ist es, ein nachhaltiges und langlebiges Gebäude zu realisieren. Das bedeutet, zunächst den Lebenszyklus des Hauses zu betrachten. Im zweiten Schritt ist der Energieverbrauch bei Bau, Betrieb und Rückbau zu minimieren und der Einsatz regenerativer Energien zu maximieren. Bei allen energetischen Betrachtungen darf natürlich nie der Mensch vergessen werden - nur wenn Patienten und Personal das Haus annehmen, ist dem Gebäude eine lange und damit energieeffiziente Nutzung beschieden."

Nach Erhebungen des BUND-Arbeitskreises Energie könnten die Krankenhäuser in Deutschland circa 600 Millionen Euro an Energiekosten einsparen und dabei jährlich 6 Millionen Tonnen umweltschädliches Kohlendioxid vermeiden. Annegret Dickhoff ist Leiterin des BUND-Projekts "Energiesparendes Krankenhaus", das für das Engagement im Bereich der Energieeinsparung und des Klimaschutzes in Krankenhäusern wirbt und ein entsprechendes Gütesiegel verleiht. Seit Projektbeginn 2001 wurden 34 Kliniken mit dem Gütesiegel ausgezeichnet. Darunter nur eines aus Bayern: die Kreisklinik Gunzenhausen.

Das könnte sich in Zukunft ändern, denn der Freistaat Bayern will neue Maßstäbe im Krankenhausbau setzen. Hochwertige, wohnortnahe Krankenhausversorgung für die Patienten soll mit Umwelt-Belangen und wirtschaftlichen Aspekten in Einklang gebracht werden. "Das Green Hospital Lichtenfels", so formulierte es im November 2011 Markus Söder, damals noch bayerischer Umweltminister, "ist ein Brückenschlag zwischen den Themen Gesundheit und Umwelt - ein Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft weit über Bayern hinaus."

114 Millionen Euro kostet der Krankenhausneubau. Mit 78 Millionen Euro trägt der Freistaat drei Viertel der Gesamtkosten. 8 Millionen Euro davon stammen aus der Zukunftsstrategie "Aufbruch Bayern" und sind für Maßnahmen des Green-Hospital-Konzepts bestimmt.

So werden rund 2 Millionen Euro zur Optimierung der Gebäudehülle - mit Dreifachverglasung, verbesserter Dämmung und Wärmerückgewinnung - beigesteuert. Durch diese Maßnahmen soll das neue Lichtenfelser Krankenhaus fast den Standard eines Passivhauses erreichen. Rund 1,5 Millionen Euro fließen in die patienten- und mitarbeitergerechte Ausstattung des Green Hospital. Will heißen: Einsatz umweltschonender und emissionsarmer Materialien sowie demenz- und altersgerechte Gestaltung der Patientenzimmer ebenso wie das Anlegen des Zugangsweges als Naturlehrpfad, eines Gehschulpfades zur Rehabilitation oder eines Patientengartens.

Für den Einsatz regenerativer Energien gibt es rund eine Million vom "Aufbruch". Das beinhaltet Zuschüsse zu Investitionen in Photovoltaik, in den Einsatz von Geo- und Solarthermie sowie in eine Holzhackschnitzelheizung. Maßnahmen, durch die das neue Klinikum zwölf Prozent seines Strombedarfs und über ein Viertel seines Heizbedarfs selbst erzeugen wird. Der Rest wird durch Ökostrom und Biogas gedeckt.

Erstmals in einem bayerischen Krankenhaus werden im kompletten Gebäude LED-Leuchten installiert, die den Strombedarf für Beleuchtung um rund 60 Prozent reduzieren. Der Gesamtstrombedarf wird so um zehn Prozent gesenkt. Hinzu kommen energiesparende Medizintechnik oder Anlagen zur Tageslichtlenkung. Das alles unter dem Stichwort Senkung des Energieverbrauchs, wofür es zwei Millionen Euro extra gibt.

Und wenn Ende 2016 das Green Hospital in Betrieb geht, wird die Umwelt auch mit erheblich weniger CO2 belastet. Das heutige Klinikum produziert noch 2760 Tonnen pro Jahr. Ein konventioneller Neubau würde es auf 2130 Tonnen bringen. Das Green Hospital dagegen nur noch auf 710 Tonnen CO2 pro Jahr.

Annegret Dickhoff hat anschaulich formuliert, was das Gebot der Stunde ist: "Krankenhausmanager müssen nicht in Ökosandalen herumlaufen. Sie müssen nur vorausschauend denken und handeln."


 

    
    

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