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Neonazis mitten unter uns

In vielen Regionen Südthüringens sind Rechte überall dabei - nicht nur beim NPD-Parteitag. Eine Bestandsaufnahme im Kreis Sonneberg.

  • Mitglieder der "Freien Kameradschaft Sonneberg" (FKS) vor zwei Jahren bei der Nazi-Musikveranstaltung "Rock für Deutschland" in Gera. Archivfoto
  • Tür zu! Es gibt in Sonneberg auch Widerstand gegen Nazis.
  • 311 Stimmen (18,1 Prozent) bei der Bürgermeisterwahl: Uwe Bäz-Dölle, rechtsextremer Stadtrat in Lauscha.
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Sonneberg - Mitte der 90er Jahre stolzierten sie noch demonstrativ in Springerstiefeln und Bomberjacke beim Sonneberger Stadtfest auf und ab oder patrouillierten beim Vogelschießen durch die Budenreihen - als "Herrenmenschen" stets hoch erhobenen Hauptes, ihre Umwelt abfällig musternd. Heute besuchen sie im harmlos erscheinenden Outfit von braunen Kultmarken wie Thor-Steinar oder Ansgar Aryan Veranstaltungen wie Kirchweihen oder die Treffen der Szene. Die Neonazis: Sie sind häufig mitten unter uns.

Während in den 90er Jahren auch im Sonneberger Land der Schwerpunkt rechter Aktivitäten noch im "Kampf um die Straße" lag, es "Glatzen" gab, die Linke oder Punks verprügelten, ist in der Szene inzwischen "der Kampf um die Köpfe" das vorrangige Ziel. Allerdings gibt es auch noch vereinzelte Attacken, die auffallen: Im März etwa, als Jugendliche auf einem Sonneberger Spielplatz rechte Parolen grölten. Bei einem von ihnen fand die Polizei eine Schreckschusswaffe und ein Einhandmesser. Wie sich herausstellte, hatte jemand aus dieser Gruppe vorher bereits einen Pizzaboten mit einem Messer bedroht. Diese Taten wurden angezeigt, andere liegen im Dunkeln, weil sich die Betroffenen nicht melden. "Opfer rechter Gewalt geraten manchmal ins Hintertreffen, da man ihnen nicht glaubt - insbesondere wenn es keine Zeugen für die Tat gibt", sagt Jürgen Wollmann von der mobilen Opfer-Beratung Ezra in Neudietendorf (Kreis Gotha): "Bei manchem obsiegt auch einfach die Angst, denn zu einer Gerichtsverhandlung sind auch die Kumpels der Täter im Publikum oder im Zeugenstand zu sehen - das verkraftet nicht jeder. "

Während also nur ein Teil der rechtsextremen Gewalt überhaupt sichtbar wird, tritt die menschenverachtende Ideologie in Form rechtsextremer Rockmusik ganz öffentlich in Erscheinung. Hier sind der Hass gegen Andersartige und die Pflege des eigenen Underdog-Images Thema. Führende Mitglieder der Szene-Band "Unbeliebte Jungs" (vormals ("Volksverhetzer") stammen aus dem Sonneberger Raum. Bereits 2003 hatte der zurzeit in Haft befindliche Sänger Ricky N. den "Volksverhetzern" Übungsräume im Langen Weg in Sonneberg besorgt - seither ein Treffpunkt für Neonazis.

Betont aggressiv: die FKS

Allein im November 2005 traten - wie eine Landtags-Anfrage beim Innenministerium ergab - am Langen Weg die "Unbeliebten Jungs" zwei Mal auf, vor bis zu 100 Zuhörern. Diverse CDs kursierten, eine davon ("Unsere Einigkeit macht uns zur Macht") wurde 1997 auf den Index gesetzt.

Eine Zeit lang hatten sich Sonneberger Neonazis auch in einer der ehemaligen Sonni-Lagerhallen im Stadtteil Oberlind festgesetzt. Dass die Szene nach wie vor Präsenz zeigt, wird Mitbürgern immer wieder an Wochenenden durch nächtliches Sieg-Heil- oder Heil-Hitler-Gebrüll deutlich. Durch solches fallen etwa regelmäßig Rückkehrer aus einer Sonneberger Diskothek auf. In einer mittlerweile geschlossenen Disko war ein stadtbekannter Neonazi zeitweise Türsteher. An der Tür der Asylbewerber-Unterkunft für in der Gustav-König-Straße machten sich Jugendliche nachts zu schaffen - wenige Dutzend Meter von der Polizeiwache entfernt.

Im Sonneberger Kreistag hingegen bleiben die beiden Abgeordneten der rechtsextremen NPD zumeist stumm. Aufsehenerregende Auftritte wie etwa im sächsischen Landtag sind hier fremd. Trotz wiederholter Wahlerfolge in Lauscha ist es der NPD nicht gelungen, in anderen Orten zu punkten. In Sonneberg bekam NPD-Bürgermeisterkandidat Frank Neubert magere 2,8 Prozent. Wie gut man allerdings den Boden im Landkreis Sonneberg für braunes Gedankengut bereitet sieht, beweist die Verlegung des jüngsten NPD-Landesparteitages nach Haselbach bei Steinach, wo eine Wirtin aus Nürnberg im einstigen Dorfkulturhaus Rechte willkommen heißt. sl

    
    

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